Wirtschaft
Sozialer Konsum: Flüssigseife für 3 Euro pro Flasche, der Nussriegel für 1,50 Euro und eine Flasche Mineralwasser für 60 Cent.
Sozialer Konsum: Flüssigseife für 3 Euro pro Flasche, der Nussriegel für 1,50 Euro und eine Flasche Mineralwasser für 60 Cent.(Foto: picture alliance / Sebastian Hec)
Montag, 12. März 2018

"Soziale Produkte" im Supermarkt: Mit dem Einkauf die Welt verbessern

Von Juliane Kipper

Beim Geldausgeben im Supermarkt notleidenden Menschen helfen - bei Rewe und dm ist das ab heute möglich. Die Handelsriesen und das Startup Share wollen am schlechten Gewissen der Kunden verdienen und trotzdem etwas Gutes tun.

Ein halber Liter Mineralwasser, ein Bio-Nussriegel und vegane Handseife: Ab heute können Kunden in mehr als 5000 Filialen von Rewe und dm beim Einkaufsbummel auch an andere denken. Denn die Produkte finanzieren Menschen in Entwicklungsländern wie Liberia und armen Familien in Deutschland Essen, Trinken und Hygiene.

Für jedes verkaufte Produkt der Marke Share wird einem Menschen in Not ein gleichwertiges Produkt geschenkt oder das Geld in Hygiene-Schulungen investiert. Dafür sind die Share-Produkte auch erheblich teurer: Die Flüssigseife kostet ungefähr 3 Euro pro Flasche, der Nussriegel pro Stück 1,50 Euro und der halbe Liter Mineralwasser 60 Cent. Die Kunden zahlen für ihr gutes Gewissen mehr.

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Neben den beiden Handelsketten arbeitet das Startup Share, das hinter der Aktion steht, auch mit der Berliner Tafel und der Aktion gegen Hunger zusammen. "Der ethische Konsum boomt. Kunden wollen Marken unterstützen, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen", sagt Share-Gründer Sebastian Stricker im Gespräch mit n-tv.de. Er hat bereits mit einer anderen Idee die Spendenwelt verändert. Mit der App "Share the Meal" können Nutzer das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen unterstützen. Für sein zweites Startup setzt der 35-Jährige jetzt ebenfalls auf das sogenannte "1+1-Prinzip".

Wo genau die Hilfe ankommt, können die Verbraucher über einen Bar-Code an jedem Produkt nachverfolgen. Indem Fotos und kurze Texte zum unterstützten Hilfsprojekt auf dem Smartphone erscheinen, will Share größtmögliche Transparenz schaffen. "Wir glauben, dass die meisten Leute gerne anderen helfen. Aber wenn wir sie als dauerhafte Kunden gewinnen wollen, müssen sie auch sicher sein, dass sie sich selbst mit dem Produkt etwas Gutes tun", sagt Stricker. Zudem seien das Wasser, der Riegel und die Seife nicht teurer als qualitativ vergleichbare Produkte.

Helfen durch einen Griff ins Regal

Share hat sich ambitionierte Ziele gesteckt: Bis zum Weltwassertag in zehn Tagen (22. März) sollen in den Rewe- und dm-Filialen der Bundesrepublik mindestens 50.000 Flaschen Wasser über die Tresen gehen. Mit dem Erlös will das Startup den Bau eines Brunnens in Liberia finanzieren.

Trotz des sozialen Engagements ist Share keine Non-Profit-Organisation. Das Unternehmen will auch Gewinn erzielen. Selbst wenn notleidende Menschen in Afrika und Deutschland von Share profitieren: An jedem verkauften Riegel, jeder Wasserflasche und jeder Seife verdienen Share, Rewe und dm mit. Wie viel genau, wollen sie nicht sagen. Die Margen im Lebensmittelhandel sind deutlich geringer als in anderen Branchen. Share verdient laut eigenen Angaben an jedem verkauftem Produkt nur wenige Cent. Zusätzlich verzichtet das Startup beispielsweise auf kostspieliges Marketing.

Ganz billig sind die Produkte nicht - ein Teil des Erlöses geht in soziale Projekte.
Ganz billig sind die Produkte nicht - ein Teil des Erlöses geht in soziale Projekte.(Foto: picture alliance / Patrick Pleul)

Share-Gründer Stricker ist überzeugt, dass es auch dm und Rewe hierbei nicht ums Geldverdienen geht. "Die Handelsketten sind von der Idee überzeugt, dass man mit gesellschaftlicher Verantwortung Wirtschaftlichkeit anschieben kann." Bei ihren eigenen Margen seien die Handelsketten Share durchaus entgegengekommen. "Wir glauben, dass diese Produkte den Zeitgeist treffen. Vor allem junge Kunden konsumieren sehr bewusst und berücksichtigen bei ihrer Kaufentscheidung sehr genau, welche Werte ein Unternehmen vertritt", sagt dm-Geschäftsführer Sebastian Bayer.

Anderen helfen muss nicht teuer sein

Ob Share als soziales Unternehmen profitabel wird, hängt davon ab, wie viele Kunden ins Regal greifen, um ihr Gewissen zu beruhigen. "Wenn wir es schaffen, große Skaleneffekte zu erreichen, sind Margen, die ungefähr so hoch sind wie die Ausgaben unserer sozialen Projekte, nicht unrealistisch", sagt Sticker. Mittelfristig soll Share kostendeckend sein. Zukünftige Gewinne will Stricker in den Aufbau der Idee und die sozialen Projekte stecken: Aktuell investiert er 5 bis 15 Prozent des Umsatzes. Wenn Share 0,15 Prozent Marktanteil erreiche, könne das Startup jeden Tag einen Brunnen bauen.

Der 35-Jährige hat selbst als Entwicklungshelfer in Afrika gearbeitet und weiß deshalb, dass soziales Engagement nicht teuer sein muss. In Entwicklungsländern kann eine Mahlzeit schon mit zehn Cent finanziert werden. Sauberes Trinkwasser für einen Tag koste zwischen zwei und vier Cent, erklärt der gebürtige Wiener.

Ähnliche Projekte wie Share gibt es bislang vor allem in den USA. Das 2006 in Kalifornien gegründete Schuhunternehmen Toms spendet für jedes verkaufte Paar Schuhe ein weiteres Paar an bedürftige Kinder in Entwicklungsländern. Stricker ist überzeugt, dass sich solche Projekte in Zukunft auch in Deutschland durchsetzen werden. "Die Zeit von 'Geiz ist geil' ist vorbei."

Quelle: n-tv.de