Frage & Antwort

Richtig reagieren im Notfall Bleibt Erste Hilfe in der Coronakrise Pflicht?

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Eine Herzdruckmassage kann bewusstlosen Menschen das Leben retten.

(Foto: imago/Jochen Tack)

In Zeiten von Mindestabstand und Ausgangsbeschränkungen sind Menschen verunsichert, wie sie sich im Falle einer Notsituation oder eines Unfalls richtig verhalten sollen. ntv.de klärt deshalb auf, ob beispielsweise eine Mund-zu-Mund-Beatmung auch jetzt noch zumutbar ist.

In Notfällen zu helfen, ist die Pflicht eines jeden Bürgers. Doch wie verhält man sich in Zeiten der Coronavirus-Epidemie dabei richtig? Wie kann man die eigene Ansteckung oder die desjenigen, dem geholfen werden soll, vermeiden? Und was ist eigentlich mit der Einhaltung des Mindestabstandes? Diese und ähnliche Fragen stellen sich sicher viele.

Auch die Ansteckungsgefahr in der Corona-Krise ändert nichts daran, beispielsweise bei einem Unfall im Straßenverkehr helfen zu müssen. Eine Grundausbildung in Erster Hilfe ist eine Grundvoraussetzung, wenn man eine Führerscheinprüfung ablegen will. Der genaue Gesetzestext hierzu lautet: Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft (Strafgesetzbuch Paragraf 323c).

Dennoch geht es immer um die Einschätzung der Zumutbarkeit in der jeweiligen Situation. Einen Notruf abzusetzen und den Unfallort abzusichern, ist dementsprechend den meisten Menschen zumutbar, da sie sich dabei selbst nicht in Gefahr bringen. Wesentlich schwieriger wird jedoch die Einschätzung über Zumutbarkeit, wenn Rettungsmaßnahmen an hilfebedürftigen Menschen vorgenommen werden müssen. Hier gilt der Grundsatz: Beim direkten Kontakt ist es wichtig, dass sich weder die Helfer selbst noch die Opfer einer zusätzlichen Gefahr aussetzen. Wenn vorhanden, sollten deshalb vor dem ersten Kontakt Einmalhandschuhe, die Bestandteil jedes Pkw-Verbandskastens sein sollten, getragen werden.

Wenn möglich, Mund-Nasen-Schutz tragen

Sowohl für Opfer als auch für Helfer wird in Zeiten des grassierenden Coronavirus das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes empfohlen, wenn der Hilfesuchende bei Bewusstsein ist und atmet. Das Durchführen einer Mund-zu-Mund- beziehungsweise Mund-zu-Nase-Beatmung durch Laien ist zwar als Rettungsmaßnahme für eine bewusstlose Person ohne regelmäßige Atmung nicht zwingend erforderlich. Dennoch gilt gemäß den aktuell angepassten Verhaltensregeln des Internationalen Wiederbelebungsrates (ILCOR), dass für einen jungen Menschen die Herzdruckmassage in Verbindung mit der Mund-zu-Mund-Beatmung an einem jungen Opfer durchaus als zumutbar eingestuft wird. Sind hingegen ältere Personen involviert, sollte auf die Beatmung verzichtet, die Herzdruckmassage jedoch so lange ausgeführt werden, bis die herbeigerufene professionelle Hilfe eintrifft. Das Abstandsgebot ist somit aufgehoben.

Wer als Helfer auf Nummer sicher gehen will, sollte seine Kontaktdaten bei den Rettungskräften hinterlassen. Wird später eine Infektionskrankheit beim Opfer festgestellt, kann der Helfer darüber informiert werden und entsprechende Maßnahmen einleiten. Auch auf das Waschen und wenn möglich sogar auf ein Desinfizieren der Hände kurz nach der Hilfe sollten Helfer achten.

Übrigens: Der Bundesstaat New York, der bisher die meisten Todesfälle innerhalb der USA zu verzeichnen hat, erlässt aktuell neue Richtlinien für Rettungskräfte, berichtet die "New York Post". Demnach sollen ausgebildete Ersthelfer bei Menschen mit Herzstillstand keinerlei Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen. Damit sollen Ressourcen geschont und Rettungskräfte geschützt werden, erklärt die Gesundheitsbehörde. Die Rettungskräfte zeigten sich empört darüber.

Quelle: ntv.de