Frage & Antwort

Strahlung und Gesundheit Ist der neue 5G-Mobilfunk gefährlich?

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Sendemast in Deutschland.

(Foto: imago/Christian Ohde)

Es soll alles schneller und besser werden im neuen Mobilfunkzeitalter: Ab 2020 soll der neue Standard 5G in Deutschland die Industrie beflügeln und autonomes Fahren ermöglichen. Genutzt werden dafür höhere Frequenzen als bisher. Was macht das mit dem menschlichen Körper?

Mit der Einführung neuer Technik geht seit jeher auch die Sorge einher: Ist das gefährlich für den Menschen? Nicht anders ist es bei dem neuen Mobilfunkstandard 5G, der ab 2020 in Deutschland starten wird. Er soll autonomes Fahren ermöglichen und die sogenannte Industrie 4.0 sowie das Internet der Dinge anschieben. Genutzt werden dafür sogenannte hochfrequente Felder. Sind wir am Ende also total verstrahlt?

SAR-Wert

Der SAR-Wert bezieht sich auf die Spezifische Absorptionsraten (SAR) von Handys. Sie bezeichnet die Menge an Energie, die etwa der Kopf beim Telefonieren mit dem Handy aufnimmt, wenn das Gerät ans Ohr gehalten wird. Die SAR wird in Watt pro Kilogramm Körpergewicht gemessen. Der SAR-Wert soll in Deutschland nicht mehr als 2 Watt pro Kilogramm betragen. Hersteller von Handys ermitteln den maximalen SAR-Wert selbst. Eine Liste des Bundesamts für Strahlenschutz gibt eine Übersicht über die SAR-Werte gängiger Handys. Das Umweltbundesamt empfiehlt den Kauf von Handys mit einem SAR-Wert kleiner als 0,6 Watt pro Kilogramm.

Mobilfunkstrahlung, wie sie bei 5G verwendet wird, ist elektromagnetische Strahlung. Diese gibt es auch in Form von sichtbarem Licht, Ultraviolettstrahlung oder Radiowellen. Der Unterschied liegt jeweils im Frequenzbereich: Je höher die Frequenz, desto energiereicher ist die Strahlung. Und je energiereicher, desto mehr Einfluss hat sie auf lebendes Gewebe. Besonders gefährlich wird elektromagnetische Strahlung, wenn sie ionisierend wirkt, was zu Schäden in Zellen führen kann. Dazu sind etwa Röntgen- und Gammastrahlen fähig. Mobilfunkstrahlung hingegen ist davon weit entfernt.

Doch auch Mobilfunkstrahlung hat Auswirkungen auf den menschlichen Körper. Wie die Strahlung einer Mikrowelle regt sie Wassermoleküle zum Schwingen an. Dadurch entsteht Wärme. Beim Telefonieren mit einem Mobiltelefon erwärmt sich der Kopf, beim Benutzen eines Headsets der Körperteil, dem das Handy dann am nächsten ist. Damit diese Erwärmung jedoch nicht gesundheitsschädlich wirkt, gelten für Mobiltelefone und Sendemasten Grenzwerte.

Den Grenzwerten liegt die Überlegung zugrunde, dass der Körper sich im Kern um nicht mehr ein Grad erwärmen sollten, da ab dieser Grenze gesundheitliche Schäden befürchtet werden. Um zu ermitteln, wie viel Energie der Körper durch hochfrequente Netze aufnimmt, wird die Spezifische Absorptionsrate (SAR) als Maß genommen. Von ihr lässt sich ableiten, wie stark die Erwärmung durch die Strahlung ist.

Kann Mobilfunk Krebs verursachen?

Diese "thermische Wirkung" von Mobilfunkstrahlung ist gemeinhin bekannt und der Wirkmechanismus nachvollziehbar. Doch kann Mobilfunkstrahlung möglicherweise auch schwere Krankheiten wie Krebs verursachen? "Das kann noch nicht abschließend beurteilt werden", sagt die Biologin Sarah Drießen zu n-tv.de. Sie leitet das EMF-Portal der RWTH Aachen, auf dem wissenschaftliche Arbeiten zu dem Thema gesammelt werden.

Auch die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) kam 2011 in einer Bewertung von Studien zu einem ähnlichen Schluss: Die im Mobilfunk verwendete Hochfrequenzstrahlung sei "möglicherweise krebserregend". Denn in einigen der untersuchten Studien stellte sich heraus, dass bei Vielnutzern von Handys ein statistisch signifikant erhöhtes Risiko für einen Hirntumor aufgetreten war. "Allerdings war das Risiko sehr klein und die betroffene Nutzergruppe auch", erläutert Drießen. Es sei daher nicht sicher, ob wirklich ein Zusammenhang zur Mobilfunkstrahlung besteht. Und im Gegensatz zur Erwärmung gebe es "keinen Wirkmechanismus, der das erklären könnte".

Neue Studien sorgen für Aufsehen

Allerdings haben zwei neuere Studien der Debatte neue Nahrung gegeben: eine Langzeitstudie des US-amerikanischen National Toxicology Program (NTP) sowie eine Untersuchung am Ramazzini-Institut der Universität in Bologna. Bei beiden Studien wurden Ratten und Mäuse Mobilfunkstrahlung ausgesetzt. Und die Forscher entdeckten jeweils einen Zusammenhang zwischen Strahlung und Krebs - bei den Versuchen in den USA allerdings nur bei männlichen Ratten.

Doch die Bedeutung der Studien für den Alltag des Menschen ist umstritten. Bei der US-Studie etwa übertraf die Strahlenbelastung die in Deutschland bestehenden Grenzwerte um ein Vielfaches. Zudem waren die Tiere täglich neun Stunden der Strahlung ausgesetzt, was nicht realen Bedingungen von Handynutzern entsprechen dürfte. Zudem ist unklar, inwiefern Tierstudien in diesem Bereich auf den Menschen übertragen werden können. Dennoch mahnt Drießen, diese Studien ernst zu nehmen. Möglicherweise habe Mobilfunkstrahlung doch noch einen anderen Wirkmechanismus als nur den thermischen Effekt.

Weniger Zweifel gibt es bei der Frage, ob Mobilfunkstrahlung die Fruchtbarkeit von Männern beeinträchtigen kann. Denn darauf gibt es laut Drießen keine "konsistenten Hinweise". "Es gibt vereinzelte Studien, die darauf hindeuten, aber genauso gibt es sehr gute Studien, die sagen, es gibt keinen Effekt." Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ist bei intensiven Handynutzern eine verringerte Fruchtbarkeit zwar festgestellt worden - dies sei aber auf "andere Faktoren ihrer Lebensweise" zurückzuführen.

Mehr Forschung nötig

Inwiefern lassen sich bisherige Studien auf die bei 5G verwendeten Frequenzen übertragen? In Bezug auf die Frequenzen zwischen 2,0 und 3,7 Gigahertz, die im Frühjahr 2019 als erstes versteigert werden sollen, meint Drießen: "Das ist ziemlich ähnlich zu bewerten wie die Mobilfunkstudien, die bereits existieren." Was anderes sei es, wenn in Deutschland künftig auch Frequenzen im Bereich von 30 bis 80 Gigahertz genutzt werden sollten. "Je hochfrequenter die Strahlung, desto mehr von ihr wird an der Körperoberfläche absorbiert", so Drießen. Der thermische Effekt an der Körperoberfläche wäre dann vermutlich größer. Was die Gesundheitsgefährdung von 5G in diesem Wellenbereich anbelangt, müsse daher noch genauer untersucht werden.

Übrigens: Angesicht noch einiger offener Fragen rät das BfS alle Handynutzer zu gewissen Vorsichtsmaßnahmen, um bisher unbekannten Risiken vorzubeugen:

  • Lieber das Festnetztelefon benutzen, wenn es möglich ist.
  • Telefonate am Handy kurz halten.
  • Headsets benutzen, um die Strahlung vom Kopf fern zu halten.
  • Nicht bei schlechtem Empfang telefonieren - denn je schlechter die Verbindung, desto höher muss die Leistung sein, mit der das Handy sendet.
*Datenschutz

 

Quelle: n-tv.de

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