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Allergie- und Asthma-Anfälle Kann Gewitter gefährliche Atemnot auslösen?

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Nicht jedes Gewitter ist luftreinigend. Kommen mehrere Faktoren zusammen, fliegen winzige Allergene tausendfach herum.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein reinigendes und kühlendes Gewitter ist im Hochsommer für viele willkommen. Vor allem Menschen mit Heuschnupfen und allergischem Asthma freuen sich über eine kleine Auszeit durch den Regen. Dabei müssten sie eher in Habachtstellung gehen.

Im australischen Melbourne starben nach einem Gewitter im November 2016 sechs Menschen. Die Opfer wurden nicht etwa vom Blitz getroffen, sondern kamen wegen akuter Atemnot ums Leben. Weitere 8500 mussten in Notaufnahmen medizinisch behandelt werden. Ein sogenanntes Asthma-Gewitter hatte die vielfältigen Atembeschwerden ausgelöst. Mediziner sprechen in diesen Fällen von Thunderstorm Asthma, also von Gewitter-Asthma. Doch was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Das Phänomen des Asthma-Gewitters ist seit mehr als 30 Jahren bekannt, aber noch nicht vollständig erforscht. Einige Meteorologen und Mediziner gehen davon aus, dass die Kombination von hohen Lufttemperaturen und starker Trockenheit dafür verantwortlich ist. Solche Bedingungen treten häufig vor Sommergewittern auf. Sie sind die Grundlage für die Ausbildung zahlreicher Pollen, die mit der warmen Luft aufsteigen. Durch Wind aufgewirbelte Pilzsporen und Staubpartikel kommen manchmal noch hinzu und werden alle in eine Richtung getrieben - genau wie in Melbourne 2016.

Aus dieser Partikel-Mischung können sich in der Höhe Aerosolwolken bilden. Die schwebenden Kleinstteile darin saugen sich bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit solange mit Wasser voll, bis sie schließlich auseinanderplatzen. Möglich ist aber auch, dass Regentropfen mit den verschiedenen Teilchen kollidieren und diese zertrümmern. Regen drückt dann diese besonders kleinen Pilzsporen, Pollen- und Staubteilchen wieder Richtung Boden. Dort werden sie von Menschen eingeatmet, die sich im Freien aufhalten.

Zerkleinerte Allergene sind gefährlicher

Wahrscheinlich ist, dass mehrere Faktoren, wie beispielsweise der abrupte Wechsel der Luftfeuchte vor, während und nach einem Gewitter, zu einer erhöhten Belastung der Atemluft mit sogenannten Allergenen, also allergieauslösenden Partikeln, führt.

Weil Allergene, die bei Asthma-Gewittern eingeatmet werden, oftmals kleiner als fünf Nanometer sind, können sie bis tief in die unteren Atemwege eindringen. Aus diesem Grund kann es nicht nur bei Asthmatikern, sondern auch bei Pollenallergikern, die zuvor keine Probleme mit Asthma hatten, zu heftigen Attacken mit Atembeschwerden und im schlimmsten Fall sogar zu Atemnot und Ersticken kommen. Aus diesem Grund sollten atemwegsempfindliche Menschen, Allergiker und Asthmatiker sich bei oder nach Gewittern besser nicht im Freien aufhalten und alle Fenster geschlossen halten.

Übrigens: Auch wenn es hierzulande noch keine offiziellen Daten zu den Auswirkungen von Gewittern bei Asthma-Patienten und Allergikern gibt, sollten Betroffene über das Risiko prinzipiell Bescheid wissen, um im Notfall richtig reagieren zu können. Die Vorstellung, dass Regen die Luft von Allergenen reinwäscht, stimmt nicht immer.

Quelle: n-tv.de

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