Frage & Antwort

Wenn sich die Haare aufstellen Warum kriegt man eine Gänsehaut?

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Wem kalt ist, der bekommt eine Gänsehaut. Die Erklärung für das Phänomen liefern unsere Vorfahren.

(Foto: imago/photothek)

Ein emotionaler Moment oder Kältereize: Menschen können fast am gesamten Körper eine Gänsehaut bekommen. Winzige Muskeln, die sogenannten Haarbalgmuskeln, ziehen sich dann zusammen. Das wirkt sich auf einen Haarbalg aus, an dem wiederum die Wurzel eines Haares sitzt. Die Folge: Die eigentlich glatt anliegenden Haare richten sich auf. Und: Die Talgdrüsen der Muskeln werden komprimiert und dort entsteht eine kleine Schwellung. Es werden kleine Hügel sichtbar, die an die Haut einer gerupften Gans erinnern.

Gänsehaut ist ein Reflex, der auf eine Zeit zurückgeht, in der die Menschen noch viel mehr Körperhaare hatten. Damals hatte sie zweierlei Nutzen: War der Körper Kälte ausgesetzt, richteten sich die Haare auf. Das dadurch vergrößerte Luftvolumen unter den Haaren ergab eine bessere Wärmeisolation. Dieses Phänomen ist bei Tieren auch heute noch sichtbar. Sie plustern sich auf, um nicht auszukühlen.

Auch in einer bedrohlichen Situation sorgte der Gänsehaut-Reflex dafür, dass unsere Vorfahren die Haare aufstellten. Ist die Ganzkörper-Behaarung aufgerichtet, wirkt der Körper größer und macht so mehr Eindruck auf den Feind. Auch dies lässt sich heute noch bei Tieren beobachten. So bekommen beispielsweise Hunde und Katzen eine sogenannte "Bürste", wenn sie sich bedroht fühlen.

Im Laufe seiner Entwicklung fand der Mensch immer bessere Methoden, um sich vor Kälte und vor Feinden zu schützen. Die einst dichte Behaarung bildete sich immer mehr zurück, doch der Gänsehaut-Reflex ist geblieben. Allerdings gibt es eine Ausnahme: An Fußsohlen und Handflächen bekommt der Mensch keine Gänsehaut. Denn dort hat er keine Haare, die sich aufrichten könnten.

"Gänsehaut-Momente" sind nicht messbar

Sogar unangenehme Geräusche wie Kreide auf einer Tafel oder das Quietschen von Styropor kann beim Menschen Gänsehaut hervorrufen, selbst wenn damit eigentlich keine gefährliche Situation einhergeht. Auch dieses Phänomen lässt sich auf den Urinstinkt zurückführen. Denn in der Urzeit gingen Gefahrensituationen meist mit lauten, schrillen Tönen einher. Dann galt es, dem sich ankündigenden Angreifer möglichst effektiv - also mit aufgestelltem Fell - entgegenzutreten.

Richtig kompliziert wird es für die Wissenschaft beim Erklären von "Gänsehaut-Momenten", die durch Musik oder emotionale Filmszenen ausgelöst werden. In Bezug auf Musik stellte der Musikwissenschaftler Eckhart Altenmüller fest, dass es Menschen gibt, die relativ schnell emotional auf Musik reagieren und eben eine Gänsehaut bekommen. Doch das "Gänsehaut-Lied" schlechthin, auf das alle Probanden reagierten, konnte Altenmüller nicht finden. Vielmehr erkannten der Experte und sein Team, dass die Entstehung von Gänsehaut von mehreren Faktoren abhängig ist. Was verbindet der Proband mit der Musik? Was hat er für einen Charakter? Fragen, für die sich keine allgemeingültigen Antworten für alle Menschen finden lassen.

Ähnlich verhält es sich bei rührenden Szenen in einem Film. Es ist wissenschaftlich nicht ergründbar, warum manche Menschen eine Gänsehaut bekommen, andere wiederum nicht. Denn auch in diesem Fall reagiert jeder Mensch individuell auf das Wahrgenommene. Auch hier spielen persönlicher Geschmack und Erinnerungen eine Rolle, auch hier lässt sich beides nicht messen.

Quelle: n-tv.de

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