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Prost! Anstoßen ist in Deutschland üblich.
Prost! Anstoßen ist in Deutschland üblich.(Foto: imago/Westend61)
Dienstag, 19. Dezember 2017

Frage & Antwort, Nr. 512: Warum prosten wir uns zu?

Von Kira Pieper

Ein Fest- oder Jahrestag, Familientreffen oder einfach nur so: Es gibt viele Gründe, die Gläser zu erheben und feierlich anzustoßen. Doch warum gibt es diese Tradition überhaupt?

Gläser hoch und dann aneinanderstoßen. Dazu noch ein "Prost", "Zum Wohlsein" oder "Chin Chin". Einen Anlass muss es nicht zwingend geben und auch ein Trinkspruch wie "Auf die Liebe" muss nicht unbedingt sein. Das Prozedere ist so selbstverständlich, dass sich heutzutage kaum noch jemand fragt: Woher kommt das Anstoßen eigentlich?

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Dazu gibt es mindestens drei Theorien. Eine besagt, dass der Brauch im Mittelalter praktiziert wurde. Zur damaligen Zeit war es üblich, einen Kontrahenten einfach mit Gift aus dem Weg zu räumen. Bei Trinkgelagen war vor allem Gift als Mordwaffe verbreitet. In der unübersichtlichen Situation konnte der tödliche Stoff einfach unbemerkt ins Glas gekippt werden – und schon war ein verhasster Rivale längste Zeit einer gewesen.

Nachdem es einige mysteriöse Todesfälle gegeben hatte, wuchs – vor allem bei Königen – die Angst vor Attentaten. Auf der Suche nach Schutzmechanismen kamen die Menschen schließlich auf das Anstoßen. Um sicherzustellen, dass das Gegenüber kein Gift in den Trank gemischt hatte, stieß man einfach kräftig mit ihm an. Wichtig war, dass von dem eigenen Getränk etwas in das andere Glas schwappte. Trank der Kontrahent aus dem Gefäß, konnte man sich sicher sein, dass er es nicht mit Gift versetzt hatte. Setzte er den Trunk indes nicht zeitgleich an die Lippen, war Vorsicht geboten.

Anstoßen, um böse Kater-Geister zu vertreiben?

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Eine andere Theorie ist auf das 16. Jahrhundert zurückzuführen. Damals hielten Manieren Einzug in die vornehme Gesellschaft. Wer dazugehörte, demonstrierte seinen Wohlstand und bot jedem Gast ein eigenes Glas an. Diese Errungenschaft wurde lautstark demonstriert, indem man sich mit den Gläsern zuprostete.

Die dritte Erklärung stammt aus der Antike. Die körperlichen Folgen übermäßigen Alkoholgenusses wurde seinerzeit bösen Geistern und Dämonen zugeschrieben. Das Anstoßen soll ein Versuch gewesen sein, diese zu vertreiben.

Zuprosten verdrängt zünftiges Anstoßen

Heute wird das Anstoßen längst nicht mehr so schlagkräftig praktiziert. Allenfalls werden die Gläser noch zaghaft aneinandergestoßen. Stilberater empfehlen sogar, in offiziellen Kreisen nicht anzustoßen, sondern lediglich das Glas zu erheben. Wer sich unsicher ist, wie er sich verhalten soll, richtet sich am besten nach dem Gastgeber. Der gibt den Ton an.

Im Knigge steht sogar, dass traditionell nur mit alkoholischen Getränken angestoßen werden sollte, bestenfalls mit Sekt- oder Weingläsern, denn diese klingen gut. Nach modernen Regeln ist es aber mittlerweile auch erlaubt, mit nichtalkoholischen Getränken anzustoßen. Damit werden Personen, die keinen Alkohol trinken oder trinken dürfen, auch in eine feuchtfröhliche Runde integriert. Im Biergarten oder Festzelt ist es auch in Ordnung, mit robusten Maßkrügen anzustoßen. Nur Schnapsgläser werden laut Knigge nicht aneinandergeführt.

Ungarn stoßen niemals an

Das Anstoßen wird je nach Region und Land unterschiedlich gehandhabt. In manchen Gegenden Deutschlands wird nach dem "Prost" kurz mit dem Glas auf den Tisch geklopft. Zum Beispiel auf dem Oktoberfest ist das so. Eine Theorie dazu lautet, dass durch die Erschütterung die Hefe, die sich nach dem Einschenken am Glasboden abgesetzt hat, wieder im Getränk verteilt.

Gegen diese Theorie spricht, dass in Italien wenig Bier getrunken wird, das Absetzen nach dem Anstoßen dort aber stets praktiziert wird. In Spanien führen die Anwesenden ihr Glas nach oben, dann nach unten und dann zur Mitte, bevor sie trinken. In Ungarn ist es aus historischen Gründen verpönt, anzustoßen. Der Grund: Nach der Niederschlagung der Ungarischen Revolution 1848 stießen die Österreicher ausgiebig mit Bier auf ihren Erfolg an. Außerdem ließ der österreichische Kaiser Kaiser Franz Joseph I. ein Jahr später mehrere ungarische Generäle hinrichten. Nach den Exekutionen stießen die Henker ebenfalls mit Bier an. Danach war das Anstoßen mit Bier in Ungarn 150 Jahre lang gesetzlich verboten.

In Deutschland stößt man heutzutage am Tisch übrigens nur noch mit dem Gastgeber und mit den direkten Tischnachbarn rechts und links sowie direkt und schräg gegenüber an. Dabei dürfen die Gläser niemals über Kreuz klingen. Und ganz wichtig: In die Augen blicken. Sonst drohen sieben Jahre Unglück – oder schlechter Sex.

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Quelle: n-tv.de