Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 559 Warum sagt man "Krokodilstränen"?

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Auch Krokodile können weinen. Allerdings stecken hinter dem Phänomen keine Emotionen.

(Foto: REUTERS)

Menschen vergießen sprichwörtliche Krokodilstränen. Tatsächlich haben Wissenschaftler beobachtet, dass Krokodile beim Fressen feuchte Augen bekommen. Haben die Tiere etwa Mitleid mit ihren Opfern?

Die meisten Verhaltensbiologen gehen davon aus, dass Tiere zwar durchaus Schmerz, Trauer und Freude empfinden, allerdings bringen sie diese Emotionen nicht zum Ausdruck, indem sie Tränen vergießen. Sie nutzen andere Verhaltensweisen: Viele Katzen schreien zum Beispiel auf, wenn ihnen jemand aus Versehen auf die Pfote oder den Schwanz tritt.

Woher kommt dann der Ausdruck "Krokodilstränen"? Tatsächlich haben Säugetiere und auch Reptilien Tränendrüsen. Denn das Auge muss feucht gehalten werden. Streng genommen können sie also durchaus Tränen vergießen.

Emotionale und reflektorische Tränen

Allerdings unterscheidet die Wissenschaft unterschiedliche Arten von Tränen. Zum einen gibt es die sogenannten reflektorischen Tränen. Wenn ein Fremdkörper ins Auge gelangt, wird er mithilfe von Tränenflüssigkeit herausgespült. Auch die Tränen, die wir vergießen, wenn wir Zwiebeln schneiden, gehören in diese Kategorie.

Dann gibt es noch die emotionalen Tränen. Babys machen durch Weinen auf sich aufmerksam. Eine andere Kommunikationsform beherrschen sie noch nicht. Kinder und Erwachsene drücken mit Tränen unterschiedliche Gefühlsregungen wie Verlust, Trauer, Kränkung, Wut, aber auch Freude aus.

Die emotionalen Tränen haben sogar eine etwas andere chemische Zusammensetzung als die reflektorischen Tränen: Sie enthalten mehr Proteine, mehr Mineralstoffe und eine erhöhte Konzentration an Serotonin. Das ist ein Botenstoff im Gehirn, der unter anderem bei Schmerz ausgeschüttet wird. Man kann Tränen also auch chemisch unterscheiden.

Krokodilstränen entstehen durch Druck

Was steckt nun hinter dem Begriff "Krokodilstränen"? Krokodile produzieren tatsächlich ein Sekret, das ihnen beim Fressen aus den Augen rinnt. Die Menschen gingen zunächst davon aus, dass die Tiere Mitleid mit ihren Opfern heucheln. Die Redensart "Krokodilstränen weinen" wird deswegen verwendet, wenn jemand Mitgefühl vortäuscht. Allerdings vergießen die Tiere ihre Tränen weder aufgrund von Emotionen noch aufgrund eines Reflexes. 

Vielmehr haben die Tränen eine mechanische Ursache. Wenn die Echsen beim Fressen ihr Maul aufsperren, drückt der Oberkiefer auf eine Drüse hinter dem dritten Augenlid. Diese sondert ein Sekret ab, das dann aus den Augen kullert. Der gleiche Mechanismus funktioniert auch beim Menschen: Wenn man leicht an den inneren Augenwinkel drückt, bildet sich auch Tränenflüssigkeit. Daher kommt auch die Redensart "auf die Tränendrüse drücken", wenn jemand Traurigkeit vortäuscht.

Quelle: n-tv.de

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