Frage & Antwort

Bauchgefühl gegen Vernunft Warum spielen so viele Menschen Lotto?

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Ob man die richten Kreuzchen macht, ist reine Glückssache.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ob bei der spanischen Weihnachtslotterie, dem Eurojackpot oder bei 6 aus 49: Lottospielen steht hoch im Kurs. Obwohl die meisten Menschen wissen, dass ihre Chance auf einen Hauptgewinn verschwindend gering ist, tippen sie trotzdem. Aber warum?

Weihnachtsgeschenke, Silvesterparty und Familienurlaub: Am Ende jeden Jahres drängen sich Kosten auf, die man sonst nicht hat. Da wäre ein Lottogewinn für viele genau das Richtige. Doch die Wahrscheinlichkeit, auch wirklich eine große Summe zu gewinnen, ist sehr gering. Das wissen die meisten und spielen trotzdem. In Deutschland geben rund 7,3 Millionen Menschen regelmäßig Geld für Lotto aus. Dabei steht die Hoffnung auf den Hauptgewinn im Vordergrund. Warum das so ist, weiß Professor Jens Perret von der International School of Management (ISM).  

"Grund dafür sind psychologische Ansätze und unser mathematisch-statistisches Verständnis", erklärt der Statistikexperte im Gespräch mit n-tv.de. "Am Anfang steht der Traum, was man mit dem Gewinn alles machen kann. Allein die Möglichkeit, gewinnen zu können, führt zu einer positiven Gemütslage. Ein geschicktes, psychologisch fundiertes Marketing der Anbieter zielt genau auf diesen Traum eines besseren Lebens ab", so Perret, der Statistik und Volkswirtschaftslehre an der ISM in Köln unterrichtet.

Die Darstellung der Gewinnchance spielt eine wichtige Rolle. Sie liegt beispielsweise für das Lottospiel 6 aus 49 bei 1:140 Millionen. "Diese Art der Darstellung suggeriert, man könnte dieser eine sein, der auch gewinnt", erklärt der Wirtschaftsmathematiker und Volkswirt. Würde hingegen die Wahrscheinlichkeit als Verlustchance in den Vordergrund gestellt, dann würde die Zahl 139.838.159 : 139.838.160 dafür stehen. "Diese Zahl hätte einen ganz anderen Effekt auf Menschen. Sie würde suggerieren, dass die Wahrscheinlichkeit, nicht zu gewinnen, überwältigend groß sei und somit ein Mitmachen zwecklos wäre."

Große Zahlen nicht mehr vorstellbar

Ebenso ist erkennbar, dass auch die verschwindend geringe Wahrscheinlichkeit auf einen Gewinn von 0,00000072 Prozent nicht davon abhält, Lotto zu spielen. Der Experte hat auch dafür eine Erklärung: "Den meisten Menschen ist es nicht möglich, sich große, absolute Zahlen zu veranschaulichen. Ein Wert wie 140 Millionen ist nicht mehr greifbar. Also wird auf Bauchgefühl umgeschaltet", so Perret. Hinzu komme, dass Menschen intuitiv dazu neigten, kleine Wahrscheinlichkeiten überzubewerten.

"Das mathematisch-statistische Verständnis rutscht also bei Lottospielern hinter den Traum vom großen Lottogewinn. Wenn der Jackpot winkt, gewinnt die Hoffnung gegen den Verstand", fasst Perret, der selbst hin und wieder einen Lottoschein abgibt, zusammen. Eigentlich müsste er es jedoch besser wissen. Er hat berechnet, dass man 77,50 Euro bei 6 aus 49 einsetzen müsste, um mit Sicherheit einen Gewinn einzufahren. Statistisch gesehen wären das pro Euro Einsatz ein Erlös von 0,0645 Euro - also ein deutliches Minusgeschäft.

Statistik und Zufall

Lottospieler scheinen lieber an die große Ausnahme oder den einen Glückstreffer glauben zu wollen als an die Nachteile durch das Glücksspiel. Das ist irrational. Die Tatsache, dass man beim Lottospielen weder durch Strategie noch durch Taktik seine Gewinnchancen beeinflussen kann, scheint eine Reihe von Tipper eher zu beruhigen. "Es ist also beim Lotto wie bei jedem anderen Glücksspiel auch der reine Zufall, ob jemand gewinnt oder nicht", so Perret.

Neben tiefgreifenden psychologischen Gründen gibt noch einen Aspekt, warum auch Lottospieler, die schon jahrelang Nichtgewinner sind, weiter tippen. Sie können sich mit dem Gefühl beruhigen, auch wenn das Glück nicht auf ihrer Seite war, mit ihrem Lottoeinsatz etwas Gutes getan zu haben. Weil das Lotterierecht in Deutschland Ländersache ist, werden rund 23 Prozent der Gesamteinnahmen zu unterschiedlichen Anteilen für die Förderung von Kultur, Sport, Umwelt und Jugend verwendet. 16,67 Prozent fließen als Lotteriesteuer direkt in die Länderkassen.

Übrigens: Jegliche Art von Glücksspiel, auch Lotto, kann süchtig machen. Hilfe finden Sie unter: www.spielen-mit-Verantwortung.de.

Quelle: ntv.de