Frage & Antwort

Bei Orkanen und Starkregen Wie gefährlich sind Unwetter für Wildtiere?

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Ein Rotfuchs trotzt dem Sturm.

(Foto: imago stock&people)

Sturm, Schnee und Kälte gehören zum Winter dazu. Doch in den letzten Jahren ändert sich die Intensität solcher Wetterereignisse. Menschen finden Schutz in ihren Häusern. Aber was machen dann die Tiere, die in freier Natur leben?

Ob Spatz, Igel oder Wildschwein, Tiere in freier Natur haben sich über Jahrtausende hinweg so gut wie möglich an ihre Lebensräume angepasst. Sie können normalerweise auf die verschiedenen Wetterverhältnisse der Jahreszeiten reagieren. "Ein Orkan, wie der in der letzten Woche, ist für Wildtiere nicht so gefährlich, wie man manchmal denkt", erklärt Jörg Julian Heiermann vom Naturschutzbund Deutschland ntv.de. "Die meisten Tiere ziehen sich bei solchen Wetterlagen in ihre Höhlen und Nester zurück oder suchen im Dickicht Schutz." Auch in Siedlungsgebieten finden Wildtiere manchmal Schutz in Nischen von Gebäuden oder Schuppen. Dort warten sie einfach ab, bis das Unwetter vorbei ist.

"Gefährlich könnte es jedoch werden, wenn Vögel bereits brüten oder Jungtiere schon geboren sind", sagt der Experte weiter. Stürme oder Orkane, die im Frühling wüten, sind vor allem für Vögel gefährlich. Zu dieser Zeit brüten die Tiere ihre Eier aus oder versorgen ihre bereits geschlüpften Küken. Bei sehr starken Winden können die Nester aus den Baumkronen gefegt werden. Gleichzeitig haben die Elterntiere währenddessen kaum Möglichkeiten, ihre Jungen mit Futter zu versorgen. "Solche Wetterlagen können während der Fortpflanzungszeit durchaus für große Verluste verantwortlich sein", führt Heiermann weiter aus. Im besten Fall haben die Tiere nach dem Verlust genug Zeit, um neue Nester aufzubauen, eine Ersatzbrut anzulegen und diese groß zu ziehen. Das Bauen und Aufhängen von Nistkästen kann manchen Vögeln eine sichere Alternative zum Brüten und Aufziehen bieten.

Starkregen ist für Nager problematisch

Säugetiere sind dagegen nur in Ausnahmefällen, beispielsweise durch umstürzende Bäume, von Stürmen und Orkanen bedroht. Gibt es dagegen Starkregen, trifft das vor allem Nager, die ihre Behausungen im Boden haben. "Baue und Erdhöhlen laufen dann mit Wasser voll. Tiere, die nicht rechtzeitig aus ihren unterirdischen Behausungen fliehen können, ertrinken dann darin", erklärt der Zoologe. Der Starkregen im Sommer 2017 trieb beispielsweise massenhaft Ratten aus der gefluteten Kanalisation auf die Straßen. Die geflüchteten Tiere waren vor allem in Gärten, Parks und sogar Gebäuden zu sehen.

Starkregen mit Überschwemmungen und Hochwasser ist bei größeren Säugetieren wie Füchsen, Rehen oder Wildschweinen nicht so problematisch, denn diese Tiere können schwimmen. Allerdings sind bei solchen Wetterlagen deren Jungtiere extrem gefährdet. "Selbst wenn beispielsweise Junghasen durch Hochwasser nicht ertrunken sind, dann können die Tiere, die anhaltend nass werden, auskühlen, erkranken oder bei geringen Temperaturen sogar erfrieren", erklärt Heiermann. Prinzipiell sei der schleichende Prozess des Klimawandels, der die Abläufe der Natur durcheinanderbringt, ein größeres Problem für Wildtiere als einzelne Wetterkapriolen, betont der Experte.

Übrigens: Menschen, die nach einem Unwetter ein verletztes oder gestraucheltes Tier finden, sollten dieses unbedingt besser einem Tierarzt vorstellen, als es eigenständig zur Pflege nach Hause zu nehmen. Nur dieser kann einschätzen, wie groß die Überlebenschance des Tieres ist und wie ihm am besten geholfen werden kann. Bei Jungvögeln, die am Boden hocken, verhält es sich oftmals anders.

Quelle: ntv.de