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Jennifer Lawrence (l.) und Amy Adams wurden für "American Hustle" schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen.
Jennifer Lawrence (l.) und Amy Adams wurden für "American Hustle" schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen.(Foto: imago/Unimedia Images)
Dienstag, 10. Februar 2015

Sexmieze, Ehefrau und Mutter: Hollywood ist ein Männer-Club

Von Anna Meinecke

Jennifer Lawrence ist einer der größten Stars Hollywoods. Nicht mal sie verdient das Gleiche wie ihre männlichen Kollegen. Immerhin darf die 24-Jährige vor der Kamera sprechen. In der Welt des Films ist Sexismus die Norm.

Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste - so heißt der Film, mit dem Isabell Suba im vergangenen Jahr die Filmbranche aufmischte. Mit einem Kurzfilm ist sie 2012 nach Cannes eingeladen. Für Neulinge in der Branche, eine großartige Gelegenheit nicht nur die eigene Arbeit zu präsentieren, sondern auch, Kontakte zu knüpfen. Suba geht einen anderen Weg. Sie nutzt das prestigeträchtige Festival als Kulisse für ihren ersten Langspielfilm und entlarvt damit die sexistischen Strukturen der Filmindustrie. Sie schickt Schauspielerin Anne Haug als "Isabell Suba" ins Festivalrennen.

Die wichtigsten Regiepreise, den Oscar und die Goldene Palme von Cannes, durften bislang jeweils nur einmal Frauen mit nach Hause nehmen: Kathryn Biegelow bekam den Goldjungen 2010 für ihren Kriegsfilm "Tödliches Kommando - The Hurt Locker", Jane Campion brillierte an der Côte d'Azur bereits 1993 mit "Das Piano". Einen guten Regieposten gewinnen Frauen ohnehin nur in den wenigsten Fällen. Nur zwei Prozent der 250 profitabelsten Filmgeschichten der vergangenen 17 Jahre wurden überhaupt von Frauen erzählt. Gerade deswegen dürfen in Hollywood nicht nur die Frauen hinter den Kulissen nach wie vor nicht mitspielen.

Frauen bekommen keine Stimme

Filme wie "Die Tribute von Panem - Mockingjay", "Gone Girl" und "Maleficent" gehören zu den wichtigsten Filmen des vergangenen Jahres. In den Hauptrollen: Frauen. Eine neue Studie der San Diego State University zeigt jedoch, dass Frauen in Hollywood noch immer Darsteller zweiter Klasse sind. Dr. Martha Lauzen mahnt gegenüber dem Branchenblatt "Variety", dass die Wahrnehmung von Frauen im Film und ihre tatsächliche Stellung in der Industrie sich immer weiter voneinander entfernen. Gerade einmal 12 Prozent der Darsteller in den rentabelsten Filmen 2014 waren weiblich.

Die Zahl der Frauenrollen in Hollywood hinkt nicht nur bei den Hauptdarstellern der der Männer erheblich hinterher. Insgesamt werden laut der Studie nur 30 Prozent aller Sprechrollen - egal wie klein die sein mögen - mit Frauen besetzt. Dabei wird die Hälfte der Kinotickets an Frauen verkauft. Die Studie der Universität San Diego zeigt: Sobald Frauen hinter der Kamera mitarbeiten, gibt es plötzlich auch Rollen für Schauspielerinnen. Weiblichen Autorinnen und Regisseurinnen engagieren zu immerhin 39 Prozent Frauen für die Hauptrollen, Männer lächerliche vier Prozent.

Selbst wenn es weibliche Charaktere dann einmal auf die Leinwand geschafft haben, weicht ihre Darstellung außerdem noch erheblich von der der Männer ab. 59 Prozent der Männerrollen bekommen Szenen am Arbeitsplatz, das gilt nur für 41 Prozent der Frauenrollen. Vielleicht liegt es daran, dass die überhaupt nur in 75 Prozent der Fälle einer erkennbaren beruflichen Tätigkeit nachgehen. Bei Männern sind es gleich zehn Prozent mehr. Die dramatischste Zahl in dem Zusammenhang dürfte jedoch sein, dass der Film-Beruf von Frauen nur in 34 Prozent der Fälle maßgeblich für ihre Rolle ist. Bei den männlichen Kollegen sind es 60 Prozent.

Autoritäten ungleich verteilt

Ganz unabhängig davon, dass Frauenrollen mehrheitlich auf Darstellerinnen in ihren 20ern und 30ern, Männerrollen aber auf Schauspieler über 40 zugeschnitten sind. Mit dem Alter und der Länge der Laufbahn wächst eindeutig der Einfluss im Geschäft. Die Zahlen der Studie lassen tief blicken, wie die Autoritäten in der Filmindustrie wohl verteilt sind.

Hinter all den Berichten über Nordkorea und "The Interview" im Rahmen des Sony-Hacks gingen andere Enthüllungen leider etwas unter. Zum Beispiel verdient Hannah Minghella, die bei Sonys Columbia Pictures die stellvertretende Produktionsleitung innehat, rund 800.000 US-Dollar (etwa 700.000 Euro) weniger im Jahr als ein männlicher Kollege mit derselben Berufsbezeichnung. Ebenfalls von den Hackern enthüllt: Die weiblichen Stars des erfolgreichen Streifens "American Hustle", Amy Adams und Jennifer Lawrence, wurden im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen, nur mit sieben statt mit neun Prozent am Bruttogewinn ihrer Arbeit beteiligt.

Wie in anderen Branchen auch wird Schauspielerinnen in dem Zusammenhang oft unterstellt, weniger hart zu verhandeln als Männer. Tatsache ist: Solange es für Frauen weniger Rollen gibt, sind sie gezwungen, sich auf die wenigen Angebote einzulassen. Insbesondere Nachwuchstalenten dürfte das schwerfallen. Schauspielerin Charlize Theron ist nach dem Sony-Skandal bereits einen Schritt in die richtige Richtung gegangen. Nachdem sie herausgefunden hatte, dass sie für den Film "The Huntsman" weniger Geld bekommen würde, als ihr männlicher Gegenpart Chris Hemsworth, verhandelte Theron ihr Gehalt neu und setzte sich durch.

Quelle: n-tv.de

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