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Superheld "Deadpool" kämpft blutiger als seine Kollegen. Auch privat mag er's gern derbe.
Superheld "Deadpool" kämpft blutiger als seine Kollegen. Auch privat mag er's gern derbe.(Foto: © 2015 Twentieth Century Fox)

Zwischen Furz-Witzen spritzt Blut: "Deadpool", der Proll unter den Superhelden

Von Anna Meinecke

Stellen Sie sich einen Helden vor - und dann das Gegenteil. So ist nämlich "Deadpool". Mit Superkräften ausgestattet, verfolgt er lieber einen persönlichen Rachefeldzug, als die Welt zu retten.

"Hab ich den Herd angelassen?" Worüber andere womöglich in den eher müden Phasen des Geschlechtsakts grübeln, das beschäftigt "Deadpool" beim Töten. Ein bisschen plump finden Sie das? Vielleicht gar etwas geschmacklos? Das war noch gar nichts. Der jüngste Ableger aus dem Hause Marvel ist prollig, brutal und nicht nur stellenweise vulgär - ein Meisterwerk des schlechten Geschmacks und vielleicht gerade das, was der omnipräsente Heldenzirkus gebrauchen kann.

Deadpool heißt eigentlich Wade Wilson und war schon immer so etwas wie der kleine Störenfried unter den Comicgiganten. Er kommt ohne das Pathos eines "Captain America" aus und auch ohne das schnieke Antlitz von Robert Downey Jr.'s "Ironman". Mit letzterem könnte Darsteller Ryan Reynolds zwar durchaus aufwarten, die Rolle allerdings entstellt ihm das Gesicht.

Selbstironie ist Trumpf

Natürlich hat auch Deadpool einen Love Interest. Seiner ist nicht nur süß, sondern auch angenehm bissig.
Natürlich hat auch Deadpool einen Love Interest. Seiner ist nicht nur süß, sondern auch angenehm bissig.(Foto: © 2015 Twentieth Century Fox)

Um dem unheilbaren Krebs doch noch ein Schnippchen zu schlagen, begibt sich Wade Wilson nämlich zu Beginn seiner Geschichte in die Hände dubioser Menschentüftler. Die stählen zwar seinen Körper, doch das Prozedere hat seinen Preis. "Du siehst aus, als hätte Freddy Krueger eine topografische Karte von Utah ins Gesicht gefickt", eröffnet Wilsons Kumpel Weasel (Ed Skrein) ihm beim ersten Wiedersehen. Mit plumpen Späßen kann eben nicht nur der Mann im roten Ganzkörperkondom aufwarten.

"Deadpool" ist trotzdem mehr als eine Anhäufung ganz billiger Brüller. Nicht falsch verstehen, die machen einen wesentlichen Bestandteil des Films aus. Zwischen Furz-Witzen spritzt das Blut und selbst diejenigen, die sich spätestens ab Minute 10 des Streifens vorgenommen haben, nicht über den Schund zu lachen, zuckt es regelmäßig im Mundwinkel. Darüber hinaus aber trumpft der Streifen vor allem mit Selbstironie.

Klug ist anders, witzig ist's trotzdem

Der Held nimmt nicht nur andere, sondern auch sich selbst nicht über die Maßen ernst. Seine "X-Men"-Kollegen, allen voran Wolverine, müssen den ein oder anderen Seitenhieb wegstecken. Und dann ist da noch der Moment, in dem sich Wade Wilson ein grünes Heldenoutfit verbittet - für die, die sich nicht sofort erinnern: Reynolds lieh zuletzt "Green Lantern" sein Gesicht, der Film floppte grandios.

Vielleicht hatte man sich von "Deadpool" ein bisschen mehr erwartet. Irgendwas Subversives vielleicht. Irgendeinen smarten Dreh, der den Klamauk salonfähig macht. Der bleibt aus. Wen das nicht abschreckt, der schmuggele sich vielleicht eine Flasche hochprozentiges Vergnügen in den Kinosaal und genieße das flachste Vergnügen seit der Erfindung von Looping Louie.

"Deadpool" startet am 11. Februar in den deutschen Kinos.

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Quelle: n-tv.de

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