Ratgeber
Ein umgerissener Baum dient als Spielplatz. Er würde sich auch gut im Kamin machen.
Ein umgerissener Baum dient als Spielplatz. Er würde sich auch gut im Kamin machen.(Foto: imago/Travel-Stock-Image)
Montag, 09. Oktober 2017

Von Sturm- zu Brennholz: Darf man Stämme und Äste mitnehmen?

Von Isabell Noé

Nach dem Sturm "Xavier" liegt reichlich totes Holz herum, das noch nicht entsorgt wurde. Eine gute Gelegenheit, Brennstoffe für den heimischen Ofen oder Kamin zu sammeln. Aber ist das überhaupt erlaubt?

Fünf Tage ist es her, dass das Sturmtief "Xavier" über den Norden und Osten Deutschlands tobte, die Aufräumarbeiten sind immer noch in vollem Gange. Auffällig ist die hohe Zahl der Holzschäden. Tausende Bäume haben den ersten großen Herbststurm des Jahres nicht überlebt, viele verloren Äste. Das liegt auch daran, dass "Xavier" so früh dran war: Die Baumkronen waren noch voller Laub, die Äste mussten also größere Belastungen aushalten. Und weil es in den Tagen zuvor viel geregnet hatte, war der Boden weich. Deshalb wurden viele Bäume komplett mit Wurzeln ausgerissen. Die Überreste findet man derzeit noch überall an Straßenrändern, in Wäldern und Parks. Gute Zeiten für Holzsammler, sollte man meinen. Aber darf man Äste und Stämme einfach mitnehmen, nur weil sie auf dem Boden liegen und womöglich stören?

"Nein, das darf man nicht", sagt Derk Ehlert von der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. "Das Holz gehört grundsätzlich dem Besitzer des Grundstücks, auf dem der Baum gestanden hat." Das kann eine Privatperson sein, die Kommune, das Land oder der Bund. Wenn man ein paar abgefallene Zweige einsammelt, wird das zwar kaum Konsequenzen haben. Rechtlich handelt es sich dabei aber um Diebstahl. Wer einen gefallenen Baum zerkleinert und ins Auto packt oder einen massiven Ast wegzerrt, um damit den heimischen Kamin zu befeuern, muss mit einer Anzeige rechnen.

In Berlin kümmern sich die Bezirke um die Abfuhr des angefallenen Holzes. Dafür nutzen sie entweder ihren eigenen Fuhrpark oder sie beauftragen private Unternehmen. "Meist sind das Landschaftsbaufirmen, die das Holz in großen Häckslern schreddern. Dann wird es entweder kompostiert oder zu Rindenmulch verarbeitet", erklärt Ehlert gegenüber n-tv.de. Äste und Bäume sind also Wertstoffe. Auch wenn die Kommunen damit keine Gewinne machen, darf man sie nur dann mitnehmen, wenn es ausdrücklich erlaubt wird. Nachdem etwa 2014 das Sturmtief "Ela" viele Bäume im Ruhrgebiet entwurzelte, gaben Duisburg und Essen das Totholz zum Abtransport frei. "Mitnahme in haushaltsüblichen Mengen", hieß es damals.

Doch auch abseits solcher Gelegenheiten gibt es die Möglichkeit, herabgefallenes Holz ganz legal zu sammeln. Dafür braucht man einen sogenannten Leseschein oder Holzsammelschein, den man beim jeweiligen Forstamt oder der Gemeindeverwaltung beantragen kann. Er gilt zwischen einem Monat und einem Jahr, die Gebühren variieren, in der Regel reichen 5 bis 30 Euro. Ob und an wen die Erlaubnisse vergeben werden, ist von Forstamt zu Forstamt unterschiedlich, manchmal müssen die Antragsteller vorher einen Motorsägenlehrgang besuchen. In jedem Fall gelten die Scheine nur für ein bestimmtes Waldgebiet. Sturmholz aus dem Stadtpark darf man also auch damit nicht abtransportieren.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen