Ratgeber
Mittwoch, 17. August 2016

Tenhagens Tipps: Das steht Hinterbliebenen zu

Stirbt der Ehepartner, muss nicht nur die Trauer bewältigt werden, sondern auch finanzielle Dinge geregelt werden. Gut, wenn der oder die Verschiedene Ansprüche aus der gesetzlichen Rente hinterlässt. Was Witwer und Witwen wissen müssen, verrät "Finanztip"-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen.

Die Witwen- oder Witwerrente gibt es in klein und in groß.
Die Witwen- oder Witwerrente gibt es in klein und in groß.(Foto: imago stock&people)

Stirbt der Ehepartner, muss nicht nur die Trauer bewältigt, sondern auch finanzielle Dinge geregelt werden. Gut, wenn der oder die Verschiedene Ansprüche aus der gesetzlichen Rente hinterlässt. Was Witwer und Witwen wissen müssen, verrät "Finanztip"-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen.

Wer bekommt Witwen- oder Witwerrente?

Hermann-Josef Tenhagen: Der ehemalige Ehepartner oder Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft von jemandem,  der verstorben ist, wenn eine solche Verbindung lange genug Bestand hatte. Wobei lange genug in der Regel ein Jahr heißt. Zudem muss der "Vererbende" für eine Witwenrente mindestens fünf Jahre in die Rente eingezahlt haben. Außerdem entscheidet das Lebensalter des Hinterbliebenen darüber, ob es eine kleine oder große Witwenrente gibt.

Was ist denn der Unterschied?

Um die große Witwenrente zu beziehen, muss man zum Zeitpunkt des Todes des Partners 45 Jahre und 4 Monate alt sein. Wenn ein minderjähriges oder aber behindertes Kind erzogen wird oder der oder die Hinterbliebene selbst erwerbsgemindert ist, gibt es auch die große Witwenrente. Auch dann, wenn das oben genannte Mindestalter noch nicht erreicht ist.

Die Zahlung beträgt bei der großen Witwenrente 55 Prozent der Rente, die die Versicherung dem verstorbenen Partner zum Todeszeitpunkt gezahlt hat oder hätte, wenn die Verbindung seit 2002 amtlich ist. Für davor geschlossene Ehen gibt es 60 Prozent. Ungeachtet dessen wird die große Witwenrente lebenslang gezahlt. Außer bei Wiederheirat - dann entfällt der Anspruch. Es gibt dann aber die Möglichkeit, eine Abfindung zu beantragen. Dann erhält der Hinterbliebene zwei Jahresrenten aufgrund der Bezüge des vorangegangenen Jahres. Zusätzlich zum neuen Ehepartner.

Und bei der "Kleinen"?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.
Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Sie beträgt 25 Prozent der (möglichen) Rente des verstorbenen Versicherten. Für nach 2002 geschlossenen Ehen oder Lebenspartnerschaften ist die Zahlung aber in der Regel auf zwei Jahre befristet. Es sei denn, man wird in dieser Zeit 45 Jahre und fünf Monate – dann rutscht man in die "Große". Wer vor 2002 geheiratet hat und ein Ehepartner vor dem 2. Januar 1962 geboren wurde, hat hingegen lebenslangen Anspruch auf die kleine Witwenrente.

Wie werden Kinder berücksichtigt?

Die führen wie erwähnt eventuell zu einem höheren Rentenanspruch. Außerdem gibt es auch noch einen Zuschlag pro Kind. So gibt es für das erste Kind bei der großen Witwenrente mehr als 50 Euro und zwischen 25 und 30 Euro für jedes weitere Kind. Bei der kleinen Witwenrente gibt es rund 25 Euro und für jedes weitere 13 Euro.

Wird eigenes Einkommen auf die Rente angerechnet?

Ja. Hier gibt es aber Freibeträge. Sowohl für den Rentenbezieher selbst als auch für mögliche Kinder. Wenn der Freibetrag abgezogen ist, wird geschaut, was dann für ein Einkommen übrig ist. Von diesem Betrag werden dann wiederum 40 Prozent abgezogen. Um das System mit gegriffenen Zahlen zu verdeutlichen: Von einem Einkommen von 2000 Euro würden fürs Rechnen Freibeträgen von 1000 Euro abgezogen. Von den verbleibenden 1000 Euro würden 40 Prozent ermittelt, in dem Fall 400 Euro, und die dann mit der eigentlichen Witwenrente verrechnet. Bei einer möglichen Witwenrente von 800 Euro bekäme man dann nur die Hälfte.

Im Sterbevierteljahr gibt es aber die volle monatliche Altersrente des Verstorbenen, oder?

Ja, aber nur nach dem Antrag.

Wie lange muss die Ehe mindestens Bestand haben, um eine Hinterbliebenenrente zu beziehen?

Mit einem Jahr ist man sicher. Besteht die Ehe oder Lebenspartnerschaft kürzer, wird geschaut, ob es sich um eine sogenannte Versorgungsehe gehandelt haben könnte - also nur geheiratet wurde, um dem Hinterbliebenen eine Rente zu sichern. Dies wird dann immer per Einzelfall entschieden und landet nicht selten als Streitfall vor Gericht. Grundsätzlich gilt: Auch bei einer Witwenrente sollte man sich von den Mitarbeitern der Rentenversicherung beraten lassen. Die helfen dann etwaige Fallstricke zu vermeiden

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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