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Wenn der Tod sie scheidet: So hoch ist die Witwenrente

Von Isabell Noé

Einer der Vorteile am Heiraten ist ja: Wenn der Partner stirbt, steht man finanziell nicht komplett im Regen. Es gibt schließlich Hinterbliebenenrente. Aber wie viel eigentlich? Und für wie lange?

Für junge Witwen und Witwer gibt es oft nur die kleine Hinterbliebenenrente.
Für junge Witwen und Witwer gibt es oft nur die kleine Hinterbliebenenrente.(Foto: imago/Westend61)

Jahrelang ist das Paar zusammen, schmiedet sogar Heiratspläne, doch für die Hochzeit ist irgendwie nie der richtige Zeitpunkt. Erst als die Frau an Krebs erkrankt, treten die beiden vor den Traualtar. Sieben Monate später ist die Partnerin tot. Der Witwer klagt auf Hinterbliebenenrente. Vergebens, entscheidet das hessische Landessozialgericht. Denn seit 2002 gelten strenge Regeln. Witwenrente gibt es bis auf wenige Ausnahmen nur noch, wenn das Paar zuvor mindestens ein Jahr verheiratet war. Ansonsten geht die Rentenversicherung von einer Versorgungsehe aus und zahlt nicht. Die volle Rente hätte der Mann aber ohnehin nicht bekommen – dafür war er mit Mitte 40 zu jung. Was steht Witwern und Witwen heute überhaupt zu?

Es ist wie so oft: Es kommt drauf an. Zum einen darauf, ob altes oder neues Recht gilt. Und zu anderen darauf, ob man die große oder die kleine Witwenrente bekommt. Dass die Sache so kompliziert ist, liegt daran, dass es 2002 eine Gesetzesänderung gab. Seitdem existieren beide Systeme parallel. Das alte Recht greift, wenn der Partner vor 2002 gestorben ist. Außerdem für alle Ehen, die vor 2002 geschlossen wurden, wenn der verstorbene Partner Jahrgang 1961 oder älter war. Für alle anderen gelten die neuen Regeln, die in einigen Punkten weniger großzügig sind.

Wer jung ist, hat nicht ausgesorgt

Egal, ob altes oder neues Recht: Die Zahlungen an die Hinterbliebenen orientieren sich am Rentenanspruch des Verstorbenen. Voraussetzung ist, dass er mindestens fünf Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat.

Bei der kleinen Witwenrente bekommt man 25 Prozent der Rente des Partners. Das dürfte in den wenigsten Fällen zum Leben reichen, aber der Gesetzgeber geht davon aus, dass man sich in jüngeren Jahren selbst versorgen kann. Deshalb ist die Rente nach neuem Recht auch auf 24 Monate begrenzt. Nach altem Recht fließt sie lebenslang. Für Hinterbliebene, die bis zum dritten Lebensjahr ein Kind erzogen haben, gibt es bei der neuen Regelung einen Kinderzuschlag zwischen rund 12 und 27 Euro.

Für die große Witwenrente gibt es keine zeitliche Begrenzung. Anspruch haben Hinterbliebene, die zum Todeszeitpunkt mindestens 45 Jahre und 5 Monate alt sind. Bis zum Jahr 2029 verschiebt sich die Altersgrenze auf 47 Jahre. Auch Jüngere bekommen die große Witwenrente, solange sie ein Kind unter 18 Jahren erziehen. Nach altem Recht gibt es 60 Prozent der Rente des Verstorbenen, nach neuem 55 Prozent. Dafür  fließen auch hier Kinderzuschläge zwischen 27 und 58 Euro.

Einkommen wird angerechnet

Sinn und Zweck der Hinterbliebenenrente ist es, die Angehörigen abzusichern. Das muss natürlich nicht sein, wenn sie auch bisher nicht auf die Einkünfte des Verstorbenen angewiesen waren. Der alleinverdienende Ehemann etwa, braucht nach dem Tod seiner Frau keine Hinterbliebenenrente. Das eigene Einkommen wird deshalb angerechnet, was dazu führen kann, dass die Zahlungen niedriger ausfallen oder auch komplett gestrichen werden. Die Ermittlung anhand verschiedener Freibeträge und des sogenannten "rechnerischen" Nettoeinkommens ist kompliziert. Lebt der besserverdienende Partner länger, ist es gut möglich, dass er leer ausgeht.

Ein Beispiel: Der Ehemann hat Einkünfte von 2500 Euro brutto, die Frau hat längere Zeit nicht gearbeitet und nur einen Rentenanspruch von 500 Euro. Gibt es keine minderjährigen Kinder, bekommt der Witwer gar keine Hinterbliebenenrente, bei einem Kind stehen ihm gerade mal 34 Euro zu. Hatte die verstorbene Frau dagegen Anspruch auf 800 Euro Rente, bekommt der Witwer auch ohne Kinder 136 Euro ausgezahlt. Im Netz findet man verschiedene Rechner, mit denen man die Ansprüche ermitteln kann.

Bei Wiederheirat ist das Geld weg

Die erste Zeit nach dem Tod des Partners ist nicht nur seelisch besonders belastend, sondern oft auch finanziell. Um diese Härte etwas abzufedern, gibt es im sogenannten Sterbevierteljahr besondere Unterstützung. Dann zahlt die Rentenversicherung drei Monate lang die Rentenansprüche des Verstorbenen in voller Höhe aus, und das unabhängig vom eigenen Einkommen.

Egal, ob große oder kleine Rente, altes oder neues Recht: Hinterbliebenenrente fließt nur, wenn die Ehe oder die eingetragene Lebenspartnerschaft bis zum Todeszeitpunkt bestanden hat. Stirbt der Ex nach einer Scheidung, gibt es also keine Witwenrente. Ob man bis zum Tod zusammengelebt hat, ist dagegen unerheblich. Findet man irgendwann einen neuen Partner, sollte man sich gut überlegen, ob man nochmal eine Ehe eingeht. Denn dann ist Schluss mit der Rente. Das gilt auch dann, wenn man im Ausland nach dortigem Recht heiratet, wie das Sozialgericht Berlin gerade klargestellt hat (S 105 R 6718/14). So ganz unattraktiv ist die Wiederheirat aber auch nicht, immerhin erhält man eine Abfindung in Höhe von zwei Jahresrenten.

Quelle: n-tv.de

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