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Wenn man in einer WG alleingelassen wird, kommt es zu mietrechtlichen Herausforderungen.
Wenn man in einer WG alleingelassen wird, kommt es zu mietrechtlichen Herausforderungen.(Foto: imago/Jochen Tack)
Mittwoch, 26. Juli 2017

Tenhagens Tipps: Wie geht es nach der WG-Auflösung weiter?

Alles hat ein Ende - auch die WG-Zeit. Im Falle mehrerer Hauptmieter beginnt dann meist das große Taktieren. Im Interview mit n-tv.de erklärt Experte Hermann-Josef Tenhagen, ob einer der Mieter die Wohnung behalten kann und was mit dem alten Mietvertrag passiert.

n-tv.de: Wie sinnvoll ist ein gemeinsamer Mietvertrag für WG-Partner und Vermieter?

Hermann-Josef Tenhagen: Wenn mehrere Personen einen Mietvertrag mit einem Vermieter abschließen, ist das aus Sicht des Vermieters so, dass jeder dieser Mieter im Zweifel für die gesamte Mietschuld aufkommt. Eine Nebenkostenabrechnung und Kündigung muss der Vermieter dann aber auch an alle Mieter schicken.

Beispiel: Sie gründen eine Dreier-WG, bei der alle im Vertrag stehen. Sie können dann auch nur gemeinsam den Mietvertrag kündigen. Das kann bei Wohngemeinschaften ungünstig sein, wenn nur einer ausziehen will. Er kann dann nicht einfach seinen Anteil an der Wohnung, meist ein Zimmer, gesondert kündigen. Die Kündigung eines WG-Mitgliedes klappt nur dann, wenn alle übrigen Mitmieter und der Vermieter zustimmen. Deshalb sollte im Mietvertrag festgehalten sein, dass an eine Wohngemeinschaft vermietet wurde. Zieht dann ein Mitbewohner aus, können die verbleibenden Mieter vom Vermieter verlangen, dass sie neue Mitglieder in ihre Wohngemeinschaft aufnehmen können. Das ist der Vorteil des gemeinsamen Mietvertrags: Wenn alle drinstehen, darf auch jeder Einzelne in der Wohnung wohnen. Zugleich sind aus Sicht des Vermieters alle drei im Zweifel auch diejenigen, an die er sich halten kann. Denn jeder von ihnen ist gesamtschuldnerisch haftbar.

Der Vermieter kontaktiert dann auch diejenigen, die gar nicht mehr in der WG wohnen?

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Er wird sich aus praktischen Gründen natürlich erstmal an denjenigen halten, der dort noch wohnt. Der soll dafür sorgen, dass die Miete überwiesen wird. Wenn dieser dazu aber nicht in der Lage ist, kann das auch die schon lange Ausgezogenen treffen - weil sie noch im Mietvertrag stehen und nicht einzeln kündigen konnten.

Ein Gemeinschaftsmietvertrag ist demnach durchaus sinnvoll für Vermieter.

Ja, denn wenn einer kein Geld habt, dann kann er sich an die anderen halten. Aber: In allererster Linie hat der Vermieter ein Interesse daran, dass die Mietzahlungen kontinuierlich weiter erfolgen und dass ihm keiner die Immobilie ruiniert. Von daher möchte er, dass derjenige alles managt, der in der Wohnung wohnt. Wenn diese Person nicht zuverlässig ist, hält sich der Vermieter an die anderen Mieter. Oder alle müssen ausziehen, das wäre auch eine Option.

Was kann ein WG-Partner tun, wenn er aus dem Gemeinschaftsmietvertrag raus möchte?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur bei Deutschlands größtem gemeinnützigen Finanzratgeber Finanztip.
Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur bei Deutschlands größtem gemeinnützigen Finanzratgeber Finanztip.

Ausziehen können sie jederzeit. Der Vermieter kann sie ja nicht daran hindern, in eine neue Wohnung zu ziehen. Wenn sie aber auch aus dem Vertrag rauswollen, kann es ein Problem geben, wenn sich alle nicht einig sind. Stimmt der Vermieter und die anderen Mieter zu, kann der WG-Mitbewohner nicht nur ausziehen, sondern auch aus dem Mietvertrag entlassen werden.

Was passiert mit Verträgen mit einem Haupt- und einem Untermieter, wenn der Hauptmieter kündigen will?

Dann hat der Untermieter ein Problem, weil es sein Untermietvertrag mit dem Hauptmietvertrag steht und fällt.

Wenn es aber zwei oder mehrere Hauptmieter sind?

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Der verbleibende Mieter hat einen Anspruch darauf, den bestehenden Mietvertrag fortzuführen, muss allerdings die gesamte Miete zahlen. Ist er sich mit dem Vermieter einig, kann er neue WG-Mitbewohner in den Vertrag aufnehmen.

Ist dann eine Untervermietung erlaubt?

Solange der Hauptmieter selbst weiter in der Wohnung wohnt, geht das. Man darf immer einen Teil seiner Wohnung untervermieten, wenn dem keine gravierenden Gründe entgegenstehen. Man muss es nur mitteilen. Ohne Mitteilung geht es nicht. Normalerweise ist das rechtlich unproblematisch. Der Vermieter hat nur eine Handhabe, wenn der neue Untermieter bei ihm Mietschulden hat oder etwa versucht hat, einen Kinderwagen im Haus anzuzünden.

Was ist, wenn der Lebenspartner des Hauptmieters der neue Mitbewohner sein soll?

Grundsätzlich kann eine andere Person immer in die Wohnung einziehen. Nahe Familienangehörige des Hauptmieters wie Ehegatte und dessen Kinder sind automatisch Teil des Mietvertrags, auch wenn sie darin nicht namentlich erwähnt sind.

Das ist aber dem Vermieter mitzuteilen?

Das würde ich in jedem Fall tun. Rechtlich muss man dem Vermieter jeden Untermieter mitteilen - Besuch allerdings nicht. Dieser sollte nach sechs oder acht Wochen auch Besuch gewesen sein. Sonst könnte der Vermieter stutzig werden.

Thema Mieterhöhung: Welchen Handlungsrahmen hat ein Vermieter bei einem neuen Mietvertrag?

Bei einem neuen Mietvertrag sowie einer Neuvermietung darf der neue Mietpreis gemäß Mietpreisbremse zehn Prozent über dem Mietspiegel liegen, sofern die Wohnung in einer Stadt oder Gemeinde liegt, in der die Mietpreisbremse gilt.

Was kann man tun, wenn die Mieterhöhung diese zehn Prozent übersteigt?

Dann hat man die Möglichkeit, die Mietpreisbremse einzufordern.

Wie ist das mit möglichst wenig Aufwand machbar?

Dafür gibt es Rechtsdienstleister wie zum Beispiel wenigermiete.de. Diese kümmern sich darum, dass die Miete wieder auf die rechtlich zulässigen zehn Prozent über Mietspiegel gesenkt wird. Man kann sich auch an den örtlichen Mieterverein wenden. Manchmal hilft es aber bereits, bei persönlichen Gesprächen mit dem Vermieter im Voraus lieb zu sein und zu säuseln - um eine maximale Mieterhöhung abzuwenden.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Christoph Rieke

Quelle: n-tv.de

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