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Eine Mücke bei ihrer Blutmahlzeit.
Eine Mücke bei ihrer Blutmahlzeit.(Foto: imago/Westend61)
Samstag, 25. Juli 2015

Mehr als nur Plagegeister: Mücken können gefährliche Blutsauger sein

Von Jana Zeh

Ein lauschiger Platz in der Abendsonne, ein kühles Getränk und ein paar leichte Häppchen: Der Sommer könnte so schön sein, wären da nicht die Mücken, die einem schnell den Abend vermiesen können. Womit man sich vor den Biestern schützen kann, wer besonders gern gestochen wird und wieso man nicht kratzen sollte, erfahren Sie hier.

Nicht alle Mücken stechen.

Richtig! Mücken sind feingliedrige Insekten mit zwei Flügeln. Sie gehören zu den sogenannten Zweiflüglern. Nicht alle Tiere, die den Mücken zugeordnet werden, können auch stechen. Alle stechenden Arten werden zu den Stechmücken gezählt. Von ihnen gibt es weltweit mehr als 3500 Arten, 105 davon sind in Mitteleuropa bekannt. Doch auch bei dieser Insektenfamilie muss man ein weiteres Mal differenzieren, denn nur die weiblichen Tiere sind die blutsaugenden Übeltäter.

Mücken können Krankheiten übertragen.

Verschiedene Mückenpräparate.
Verschiedene Mückenpräparate.(Foto: picture alliance / dpa)

Richtig! Die Liste der übertragbaren Erreger ist lang, denn mit jedem Stich können Mücken Viren, Bakterien sowie ein- und mehrzellige Parasiten und sogar Würmer übertragen. Manche dieser Krankheiten können tödlich enden. Doch nicht jede Mücke kann auch jede Krankheit übertragen. Zu den bekanntesten durch Mücken übertragbaren Erkrankungen zählt Malaria, die von der Malaria-Mücke übertragen wird. Die Mücken selbst sind in diesem Falle nicht erkrankt. Sie sind nur die Überträger der sogenannten Plasmodien. Daneben werden Viren, die Gelb-, Dengue-, West-Nil-, Chikungunya- oder Rift-Valleyfieber auslösen, von den Insekten weitergegeben. Diese zumeist schweren Erkrankungen treten vor allem in tropischen und subtropischen Gebieten auf. Durch die Erderwärmung und die Globalisierung gibt es jedoch immer wieder Fälle in anderen Regionen der Erde. Diese werden einerseits durch infizierte Reisende und andererseits durch eingewanderte Mückenarten eingeschleppt. Neben den Viren werden auch Bakterien durch Mücken verbreitet. Eine Bakterienart führt zu Tularämie, einer Erkrankung, die von Nagetieren auf den Menschen übertragen wird. Darüber hinaus können bestimmte Mückenarten parasitär lebende Würmer übertragen, die sich dann im Lymph- oder Blutsystem des Menschen breitmachen. In Europa werden vor allem Sindbis-, Tahyna- oder Batai-Viren durch die Blutsauger weitergegeben. Die Infektionen sind in der Regel nicht schwerwiegend und gehen meist mit leichten Symptomen einer Sommergrippe einher. Aus diesem Grund sind sie auch nicht so bekannt. Der HI-Virus, der zur Immunschwächekrankheit Aids führt, kann von Mücken nicht übertragen werden.

Mücken ernähren sich von Blut.

Falsch! Auch die blutsaugenden Mückenweibchen ernähren sich wie ihre männlichen Artgenossen nicht von Blut, sondern von Pflanzensäften. Das Blut, das sie nach einem Stich aus ihrem Opfer saugen, brauchen sie für die Fortpflanzung. Genauer gesagt: Sie benötigen Proteine und Eisen aus dem Blut ihres Opfers, um Eier zu produzieren. Nach der Blutmahlzeit, bei der eine Mücke auf das doppelte ihres Körpergewichtes kommen kann, legen heimische Mückenarten 100 bis 300 Eier auf die Oberfläche von stehenden Gewässern ab. Ein Mückenweibchen kann bei guten Bedingungen im Jahr bis zu einer Million Eier ablegen. In solchen Jahren gibt es sogenannte Mückenplagen.

Vor allem süßes Blut lockt Mücken an.

Falsch, denn süßes Blut gibt es nicht. Aber Mücken sind tatsächlich wählerisch. Wenn die Blutsauger die Auswahl haben, dann bevorzugen sie Frauen, Schwangere und Kinder, vor allem wegen ihrer höheren Körpertemperatur. Neben dieser gibt es jedoch noch andere Merkmale, die Mücken anlocken. Welche das sind, haben Forscher untersucht und konnten feststellen, dass auch bestimmte Bestandteile des Körpergeruchs die Blutsauger anziehen. Diese wiederum werden wahrscheinlich von den Genen beeinflusst. Welche Gene genau Menschen zum Mückenliebling machen, muss noch herausgefunden werden.

Mit Knoblauch oder Bier kann man sich vor Mücken schützen.

Mücken werden erst betrunken, wenn das Blut ihrer Opfer rund fünf Promille Alkohol enthält. Dieser Wert ist tödlich für Menschen.
Mücken werden erst betrunken, wenn das Blut ihrer Opfer rund fünf Promille Alkohol enthält. Dieser Wert ist tödlich für Menschen.(Foto: picture alliance / dpa)

Falsch! Dass Menschen mit einer Bier- oder Knoblauchfahne unangenehme Ausdünstungen verbreiten, scheint Mücken nicht zu interessieren. In wissenschaftlichen Untersuchungen jedenfalls konnten diese Annahmen nicht bestätigt werden. Manche Mückenopfer sind sich sicher, dass Bierausdünstungen die Tiere sogar anlocken.

Gegen Mücken hilft nur die Chemiekeule.

Falsch! Fliegengitter, Moskitonetze oder Gaze-Rollos sind wirksame Mittel gegen Mücken, die man nicht im Haus, Zelt oder Wintergarten haben möchte. Selbst Ventilatoren, Lagerfeuer oder Räucherstäbchen können die stechenden Biester auf Abstand halten, da Mücken Luftbewegungen und Rauch nicht mögen. Duftende Teelichter oder Gartenfackeln, Klebeblättchen mit ätherischen Ölen oder spezielle Armbänder können dagegen nicht viel ausrichten. Wer sich wirklich über einen längeren Zeitraum vor Mückenstichen schützen will, der muss tatsächlich zur Chemiekeule in Form von Anti-Mücken-Sprays oder -Lotionen greifen. Stiftung Warentest hat herausgefunden, welche die wirksamsten sind.

Tanzende Mückenschwärme sind ungefährlich.

Ein Mückenschwarm.
Ein Mückenschwarm.(Foto: imago stock&people)

Richtig. Ganze Schwärme von tanzenden Mücken in sommerlicher  Abendsonne sind keine Seltenheit. Bei fast allen Insekten gibt es nämlich die sogenannte Schwarmbildung. Bei den Mücken schwärmen allerdings nur die Männchen. Mit ihrem Summen und Tanzen locken sie die Weibchen an. Jedes Mückenweibchen, das in einen solchen Schwarm fliegt, findet also auch einen Partner. Die Befruchtung erfolgt in der Luft, beim sogenannten Hochzeitsflug. Kurz danach verlässt das Weibchen den Schwarm wieder und begibt sich auf die Suche nach Blut, denn nur mit diesem kann sie auch Eier produzieren und ablegen.

Wenn Mücken summen, braucht man keine Angst vor ihnen zu haben, denn das sind nur die nicht stechenden Männchen.

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Falsch, denn beide Mückengeschlechter summen oder genauer, geben Geräusche von sich. Diese entstehen nicht durch die Mund- beziehungsweise Saugrüsselpartie der Tiere, sondern durch die Muskulatur im vorderen Teil ihres Körpers. Beim Schlagen der Flügel ziehen sich diese Muskeln blitzschnell zusammen und entspannen sich wieder. Dadurch wird die Luft in Schwingung versetzt. So entsteht das typische Mückengeräusch, das sich zwischen den Geschlechtern unterscheidet. Mückenweibchen summen etwas tiefer als Mückenmännchen, weil sie etwas langsamer mit ihren Flügeln schlagen. Durch die unterschiedlichen Frequenzen können sich die Geschlechter erkennen und unterscheiden.

Licht aus, dann gibt es auch keine Mückenstiche.

Falsch! Mücken werden, anders als andere Insekten, nicht vom Licht angezogen. Sie reagieren eher auf (Körper-)Wärme, Kohlendioxid aus der Atemluft und im Schweiß enthaltene Stoffe, aber auch auf Parfüm. Es gibt tag- und nachtaktive Mücken. Tagaktive sind vor allem in Feucht- oder Überschwemmungsgebieten zu finden. Die nachtaktiven Tiere, wie zum Beispiel die Hausmücken, die bevorzugt in menschlichen Siedlungen leben, finden ihre Opfer auch nachts ganz ohne Licht. Insektenvernichtende UV-Lampen können deshalb gegen diese Mückenart gar nichts ausrichten.

Mücken können nicht durch Kleidung stechen.

Falsch! Manche Mücken schaffen es sogar, durch eine Jeans zu stechen. Dennoch kann Kleidung ein wirksames Mittel gegen Mückenstiche sein, vor allem wenn sie dicht gewebt und hell ist, denn Mücken bevorzugen dunkle Kleidung. Zudem sollte sie nicht dicht am Körper anliegen, denn ansonsten hätten die Blutsauger wieder eine gute Chance durchzustechen. Kleidung, die vor Mücken schützen soll, sollte so viel Haut wie möglich bedecken.

Wenn man nicht kratzt, dann passiert auch nichts.

Falsch! Alle Mückenstiche jucken. Bei manchen Menschen mehr als bei anderen. Das Jucken ist eine Begleiterscheinung, denn das Immunsystem des Körpers reagiert sofort auf das Insektengift, das beim Stechen über den Speichel des Insektes in den Körper des Opfers übertragen wird. Die Bildung des Botenstoffes Histamin führt dann zwangläufig zu Jucken, Hautrötung und Quaddelbildung. Damit beide Symptome gelindert werden, ist Kühlen das beste Mittel der Wahl. Wie stark der Körper auf einen Stich reagiert, ist von Mensch zu Mensch und auch von Mücke zu Mücke verschieden. Starke Reaktionen gibt es vor allem dann, wenn man eine Insektengiftallergie oder die Mücke einen Krankheitserreger beim Stechen übertragen hat. Dennoch ist der Hinweis, nicht zu kratzen, ein guter Rat. Wer an seinen Mückenstichen kratzt, riskiert nämlich nicht nur, dass der Stich noch weiter anschwillt und deshalb noch mehr juckt, sondern auch eine Infektion an der Einstichstelle.

Quelle: n-tv.de

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