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Solange Ferreira wäscht ihren José Wesley. Der Junge leidet mutmaßlich wegen einer Zika-Virusinfektion während der Schwangerschaft an einer Mikroenzephalie.
Solange Ferreira wäscht ihren José Wesley. Der Junge leidet mutmaßlich wegen einer Zika-Virusinfektion während der Schwangerschaft an einer Mikroenzephalie.(Foto: AP)

Treffen zu grassierendem Zika-Virus: Südamerika-Staaten beschließen Aktionsplan

Die Sorge vor einer weiteren Ausbreitung des Zika-Virus wächst. Eine sexuelle Übertragung scheint möglich. Die Mercosur-Länder kommen zusammen, um ein gemeinsames Vorgehen abzusprechen. Hoffnung kommt aus Deutschland.

Die Gesundheitsminister des südamerikanischen Wirtschaftsblocks Mercosur haben sich auf einen Aktionsplan zur Bekämpfung des Zika-Virus geeinigt. Die Minister aus 14 Ländern beschlossen bei ihrem Treffen in Uruguays Hauptstadt Montevideo neben einer besser abgestimmten Gesundheitspolitik unter anderem Aufklärungskampagnen für die Bevölkerung. Eine der vordringlichsten Maßnahmen sei das Ausräuchern der Brutstätten von Moskitos, erklärte der guatemaltekische Gesundheitsminister, Alfonso Cabrera. Auch sollten Schwangeren besondere Verhaltensmaßregeln nahe gelegt werden, hieß von offizieller Seite. In Guatemala gibt es 105 bestätigte Fälle von Zika.

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Insbesondere die Geschwindigkeit, mit der sich das vor allem für Schwangere gefährliche Zika-Virus ausbreite, sei beunruhigend, sagte die Direktorin der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation OPS, Carissa Etienne, nach dem Treffen. Laut Etienne sind bereits 26 Länder betroffen, bis Ende 2016 werde mit einem Anstieg der Krankheitsfälle auf vier Millionen gerechnet.

Expertin: Geld genügt nicht

Zu Angaben aus den USA, wonach das Virus auch durch Sexualkontakte übertragen werden könne, äußerten sich die Teilnehmer des Treffens zurückhaltend. "Wenn dies bestätigt wird, wird das dem Problem eine ganz neue Dimension geben", sagte Etienne. Die OPS stelle den betroffenen Ländern 850.000 Dollar (780.000 Euro) im Kampf gegen das Virus zur Verfügung, gebraucht werde aber die zehnfache Summe.

Das von der Gelbfiebermücke übertragene Virus grassiert derzeit in Süd- und Mittelamerika. Brasilien ist besonders von der Epidemie betroffen: Die Zahl der Zika-Infektionen wird dort auf 1,5 Millionen geschätzt, nach Angaben der Behörden sind seit Oktober knapp 4000 Babys mit Verdacht auf Mikrozephalie auf die Welt gekommen, 404 Fälle sind bislang bestätigt. Der Kopf der Kinder ist deutlich zu klein und die Gefahr groß, dass sie geistig behindert bleiben oder unter neurologischen Schäden leiden werden. Ein Zusammenhang mit dem Zika-Virus wird vermutet.

Wegen Sex-Übertragung beunruhigt

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigte sich über die mögliche sexuelle Übertragung des Virus beunruhigt. "Der aus den USA berichtete Fall ist Anlass zur Sorge und wir können die Besorgnis eines jeden verstehen", erklärte WHO-Sprecher Gregory in Genf. Allerdings gehe man weiter davon aus, dass "beinahe 100 Prozent aller Ansteckungen durch Stechmücken erfolgen".

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Die WHO arbeite intensiv daran, Forschungsprojekte zu organisieren, die klären sollen, auf welchen anderen Wegen und unter welchen sonstigen Umständen Zika übertragen werden könnte. Das Wichtigste sei es aber weiterhin, zu verhindern, dass Menschen Zika-übertragenden Mücken ausgesetzt sind.

  Am Dienstag war in Dallas im US-Bundesstaat Texas eine durch ungeschützten Sex erfolgte Zika-Infektion gemeldet worden. Der Patient oder die Patientin habe sich beim Sex mit jemandem infiziert, der oder die aus einem vom Virus betroffenen Land zurückgekehrt war. Die US-Gesundheitsbehörde CDC empfahl daraufhin Männern, die aus Zika-Gebieten kommen, den Gebrauch von Kondomen.

Der US-Staat Florida rief in vier Counties (etwa: Landkreisen) den medizinischen Notstand aus. Zuvor waren neun Fälle mit Zika-Viren in Florida bekannt geworden, alle Patienten hatten sich bei Reisen in betroffene Gebiete infiziert. "Obwohl alle neun Fälle von Auslandsreisen stammen, müssen wir vorbereitet sein und eine Ausbreitung verhindern", sagte Gouverneur Rick Scott.

Deutsche Diagnosegeräte sollen helfen

Brasilien will im Kampf gegen das Virus auf neue Diagnosetests aus Deutschland setzen. Wie die Gesundheitsbehörde Anvisa mitteilte, werde man landesweit Antikörper-Tests des Unternehmens Euroimmun aus Lübeck zulassen. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben das "weltweit erste Komplett-Paket für den serologischen Nachweis von Zika-Virus-Infektionen entwickelt". Neben Zika sollen mit dem Testsystem in Brasilien auch das Dengue- und das Chikungunya-Fieber schneller festgestellt werden können. Euroimmun firmiert als Aktiengesellschaft, ist aber eigenen Angaben zufolge nicht an der Börse notiert.

Mangelhafte Diagnosetests sind ein Grund dafür, dass es in dem weltweit am stärksten betroffenen Land bisher nur grobe Schätzungen zur Zahl der Infektionen gibt. "Es ist das erste Mal, dass die Vermarktung dieser Produkte zugelassen worden ist", sagte der Vertreter des Unternehmens in Brasilien, Gustavo Janaudis. Die Regierung von Staatspräsidentin Dilma Rousseff steht unter Druck, wegen der Zika-Ausbreitung Schutz- und Diagnoseverfahren zu verbessern.

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Quelle: n-tv.de

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