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Nach dem Winter sind viele Menschen sonnenhungrig.
Nach dem Winter sind viele Menschen sonnenhungrig.(Foto: picture alliance / dpa)

Bringt mehr auch wirklich mehr?: Zu viel Vitamin D führt im Alter zu Stürzen

Viele Menschen fühlen sich in der dunklen Jahreszeit matt und ausgelaugt. Ein Vitamin D-Mangel könnte dahinterstecken. Was hohe Dosen im Alter von über 70 Jahren bringen können, untersuchen Forscher aus der Schweiz.

Vitamin D, das in Wahrheit gar kein Vitamin, sondern die Vorstufe eines Hormons ist, werden viele positive Eigenschaften zugeschrieben. Es soll, wenn es ausreichend im Körper vorhanden ist, Knochen und Muskeln stärken, zur Diabetesprävention beitragen und das Immunsystem unterstützen. Da Vitamin D mit Hilfe von Sonnenlicht vom Körper selbst gebildet wird, ist eine zusätzliche Gabe nicht notwendig, wenn man sich regelmäßig dreimal die Woche mindestens 15 Minuten mit freien Unterarmen, Gesicht und Nacken im Freien aufhält.

Im Alter allerdings kann es zu einem permanenten Vitamin-D-Mangel kommen, vor allem, wenn man in seiner Mobilität eingeschränkt und deshalb seltener draußen ist. Solche Einschränkungen können schnell zu voranschreitender Osteoporose führen. "Eine vorbeugende Einnahme von Vitamin D kann für Senioren sinnvoll sein, um sie vor Stürzen und Knochenbrüchen zu schützen und ist ein wichtiger Baustein der Osteoporose-Therapie", sagt Professor Dr. Matthias Weber von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Allerdings ist die richtige Dosis entscheidend, denn ein Zuviel an Vitamin D kann auch das Gegenteil bewirken.

Das konnten Wissenschaftler der Universität Zürich nun mit den Ergebnissen ihrer Untersuchung belegen. Sie gaben insgesamt 200 Probanden im Alter von über 70 Jahren unabhängig von ihrem Vitamin-D-Status drei unterschiedliche Dosierungen des Hormons. Ein Drittel erhielt die aktuell empfohlene von 24.000 IE pro Monat, die zweite Gruppe 60.000 IE und die dritte eine Kombination aus 24.000 IE Vitamin D und 300 Mikrogramm Calcifediol, einer aktiveren Form von Vitamin D. Alle Probanden waren in den zwölf Monaten vor Studienbeginn mindestens einmal gestürzt.

Lieber körperlich aktiv

Die Wissenschaftler wollten wissen, ob ein Vitamin-D-Gabe tatsächlich die Funktion der Muskeln verbessern und damit Stürze verhindern kann und welche Dosis dafür nötig ist. "Die Vermutung war, dass die höheren Dosierungen eine größere Wirkung erzielen", erklärt Weber, der auch Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) ist. "Die Untersuchung zeigt jedoch, dass die Senioren, die die Hochdosis oder die Kombinationstherapie erhalten haben, zwar häufiger höhere Vitamin-D-Spiegel im Blut erreichten, dass sich aber ihre Muskelfunktion nicht verbesserte." Mit 67 und 66 Prozent stürzten sie dagegen deutlich häufiger als die Vergleichsgruppe mit einer Standard-Dosierung und einer Rate von 48 Prozent erneuter Stürze innerhalb eines Jahres.

Mit diesem Ergebnis lässt sich klar zeigen, dass eine hohe Dosis Vitamin D für Senioren nicht nur die erhofften Erwartungen enttäuscht, sondern sogar schädlich sein kann. "Wichtig ist zur Sturzprophylaxe, regelmäßig körperlich aktiv zu sein. Am besten beginnt man damit bereits im jüngeren Erwachsenenalter mit der Zielsetzung, Muskelkraft und Koordination zu fördern. So kann man Stürzen und Knochenfrakturen im Alter vorbeugen."

Auch für ansonsten gesunde Menschen kann eine prophylaktische Einnahme von Vitamin D nicht empfohlen werden. Insbesondere hohe monatliche Dosen sollten nur auf Anweisung eines Arztes eingenommen werden. Ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger Bewegung im Freien sind das A und O auch für eine optimale Vitamin-D-Versorgung.

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Quelle: n-tv.de

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