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"Elefantenrollschuh" oder Stilikone? Der wundersame Smart

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Klein, wendig und dennoch stets ein Verlustgeschäft: Der Smart soll durch die Kooperation mit Renault endlich rentabel werden.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Eigentlich ist das Auto genial, aber bei Daimler wurde man mit dem Smart nie wirklich glücklich. Auch nach mehr als zehn Jahren steht der Kleinstwagen für Pannen und Verluste. Die Kooperation mit Renault soll den Smart endlich in die gewinnzone führen.

Er passt in fast jede Parklücke, zur Not sogar quer. Der Smart sollte zum Kult-Flitzer für den modernen Großstadtmenschen werden. Zunächst brachte er jedoch vor allem Ärger und Verluste. Pünktlich zum 10. Geburtstag im Jahr 2008 schien die Trendwende geschafft. Doch diese Hoffnungen wurden schnell zerschlagen. Der Absatz brach in den vergangenen Monaten dramatisch ein. Helfen sollen nun die nächste Generation des Smart fortwo und ein neuer Viersitzer, die mit dem neuen Renault Twingo auf Basis einer gemeinsamen Architektur entwickelt werden sollen. Bis diese bei den Händlern stehen, werden jedoch noch mindestens drei Jahre vergehen.

Jünger als 35 Jahre. Gut gebildet. Single oder Pärchen ohne Kinder. So beschreibt der Smart-Bauer MCC zum Verkaufsstart 1998 den idealen Kunden. Mit seinem Konzept des sparsamen, umweltfreundlichen City-Flitzers wollte Swatch-Uhren-Erfinder Nicolas G. Hayek die Straßen der Städte erobern.

Doch der erste Schock kam noch vor dem Verkaufsstart. Die große Schwester, die Mercedes-Benz A-Klasse, fiel beim Elchtest einfach um. Auch der Zweisitzer machte bei den Tests keine besonders gute Figur. Nach den Problemen bei der Stabilität wurde der Kleinstwagen für viel Geld tiefer gelegt und bekam breitere Reifen.

Spott von Piëch

Auch nach der Markteinführung machte der Flitzer immer wieder mit Qualitätsproblemen Negativ-Schlagzeilen. In der Branche wurde der Winzling gerne belächelt. Der heutige VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch soll den Wagen gar als "Elefantenrollschuh" bezeichnet haben.

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Mittlerweile fährt er auch elektrisch. Ursprünglich war der Kleinstwagen auf Elektrobasis geplant.

Große Pläne mit dem kleinen Auto wurden nach und nach zu Grabe getragen. Musste zuerst die Produktion des Smart-Roadsters mangels Nachfrage eingestampft werden, trennte sich der Stuttgarter Konzern schweren Herzens auch von seinem Viersitzer, dem Smart forfour. Dieser hatte sich eine Plattform mit dem Mitsubishi Colt geteilt. Überlegungen für einen kleinen Smart-Geländewagen waren gleich in der Schublade liegengeblieben.

Sanierung und Verkauf schlugen fehl

Der Versuch, den Smart mit einem milliardenschweren Sanierungsprogramm in die Spur zu bringen, scheiterte. Ebenso klappte es nicht, den ungeliebten Verlustbringer zu verkaufen. Nach dem Aus des Viersitzers wurde die defizitäre Kleinwagenmarke mit dem verbliebene Zweisitzer Smart fortwo im Jahr 2006 schließlich vollständig in die Mercedes-Organisation integriert.

Während der Absatz im Jahr 2007 stagnierte, schnellten die Verkäufe im Jubiläumsjahr um mehr als ein Drittel nach oben. "Gäbe es den Smart nicht schon seit zehn Jahren - man würde ihn spätestens heute fordern", hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche zum Jubiläum im Smart-Werk im französischen Hambach gesagt.

Absatzeinbruch von 18 Prozent

Im vergangenen Jahr ging es dann steil abwärts - mit 114.000 Smart wurden 18 Prozent weniger Kleinstwagen verkauft als ein Jahr zuvor. Viele Smart-Händler riefen zuletzt um Hilfe. Die Marke brauche dringend einen Nachfolger für den Zweisitzer. Dabei müsse es sich aber um ein von Grund auf neues Modell handeln.

Mit Renault-Nissan hat Daimler nun einen Partner gefunden, der im Kleinwagen-Geschäft groß mitmischt. Mittelfristig will Smart den Absatz nach Informationen des Magazins "auto, motor und sport" auf mehr als 200.000 Autos steigern. Um nicht wie mit dem früheren Viertürer, der sich eine Plattform mit dem Mitsubishi Colt teilte, auf die Nase zu fallen, soll dabei die Einzigartigkeit des Smart gewahrt werden.

Quelle: ntv.de, Von Stefanie Koller, dpa