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Eine Rallye-Legende kehrt zurück Die Auferstehung des Audi S1

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Der Audi S1 erreichte schon zu damaligen Zeiten Beschleunigungswerte von 3,1 Sekunden im Sprint von 0 auf 100 km/h.

(Foto: Abdruck fuer Pressezwecke honorarfrei)

Es gibt legendäre Fahrzeuge, die heute nur noch Geschichte sind, aber von denen man überzeugt ist, dass es sie wieder geben sollte. Und manchmal erstehen sie eben wieder auf. So wie der Audi S1, mit dem Walther Röhrl in den 80er Jahren für Furore sorgte. Auf einer DVD ist die Auferstehung dokumentiert.

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In den 1980er Jahren galt der Audi S1 als das Nonplusultra im Rallye-Rennsport.

Der Sound ist brachial - es röhrt, schreit und böllert aus den Endrohren, dass es eine Lust hat. Und nichts an diesem infernalischen Getöse ist künstlich. Das, was da hinten raus kracht, ist echt. Kein Soundaktuator verstärkt hier die Akustik. So klang nur einer in den 80er Jahren: der Audi S1. Ein Geschoss, zusammengefrickelt aus einem Audi 80 und einem Audi Coupé, um in der stärksten Rallye-Klasse bestehen zu können, in der B-Klasse. Von 1982 bis 1986 war sie die spektakulärste Motorsportklasse in Europa. In ihr durften die wahren PS-Giganten starten. Mit seinem Fünfzylinder, der bei 7500/min 560 PS leistet und bereits bei 5000/min ein sagenhaftes Drehmoment von 580 Newtonmeter an alle vier Räder weitergibt, ist der S1 hier der Meister aller Klassen.

"Eigentlich ist der Ofen zu heiß"

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Die Klasse B wurde nach mehreren tödlichen Unfällen mit Zuschauern eingestellt.

Das Zauberwort in den 80er Jahren heißt quattro. Dabei hat Audi den Antrieb, der die Kraft auf beide Achsen verteilt, gar nicht erfunden. Aber er wird von den Ingolstädtern konsequent weiterentwickelt. Walter Röhrl, der damals das Kraftpaket steuern durfte, sagt in einem Interview: "Eigentlich ist dieser Ofen zu heiß für das menschliche Gehirn." Wenn man mit dem S1 mit 80 km/h aus der Kehre kommt und anschließend Gas gibt, braucht es den Bruchteil einer Sekunde und der Wagen ist bei 110 km/h. Röhrl vergleicht diese Beschleunigung damals mit dem Start einer Rakete. Aber mit eben jener Rakete gewinnt "Der Lange" mit Beifahrer Christian Geistdörfer unter anderen 1985 die Rallye San Remo und stellt beim Pikes Peak International Hill Climb einen neuen Rekord für die 19,99 Kilometer lange Bergstrecke auf den Gipfel auf.

Doch die Rallyes der B-Klasse sind nicht nur für die Piloten extrem gefährlich. Seinerzeit steht das zu begeisternde Volk so dicht an der Strecke, dass es immer wieder zu tödlichen Unfällen kommt. "Du hast immer draufgehalten, denn die sind ja weggesprungen. Und so war es Gott sei Dank auch immer", meint Geistdörfer mehr als 25 Jahre nach dem Ende der Rennserie. Nach einigen Toten, die es an der Rennstrecke gibt, wird die Serie B 1986 eingestellt. Doch bis heute ist sie das Größte, was die Rallye-Fans je erleben durften.

Eine Rallye-Legende kehrt zurück

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Volker Gehrt hatte die Idee zur Auferstehung des Audi S1.

Kein Wunder also, dass der Lackiermeister Volker Gehrt aus Thüringen auf den Gedanken kommt, den einstigen Erfolgswagen in allen Details nachzubauen. Aber nicht nur das - wenn der S1 quattro fertig ist, soll ihn kein anderer fahren als Walter Röhrl. Da der Bolide legendär und die Idee ausgefallen ist, findet sich auch sofort ein Filmteam, das die Arbeiten begleitet. So entsteht die DVD "Audi S1 - Eine Rallye-Legende kehrt zurück" - ein Muss für Motorsportnostalgiker, Freunde von dicken Motoren und Fans des Rallye-Sports.

Es ist spannend, mitzuerleben, wie schwierig sich die Wiederbelebung des einstigen Meisters aller Klassen gestaltet. Baupläne von damals gibt es nicht, lediglich die grundsätzlichen Parameter liegen vor. Während sich die Lackiererei von Gehrt um die Karosserie kümmert, baut eine Firma in Bayern den Motor der Replik. Auch sämtliche Anbauteile müssen einzeln angefertigt werden. Da die auch noch aus Kevlar sind, einem Material, das heute nur noch von einer Firma angeboten wird, gibt es auch an dieser Stelle keinen Spielraum für Improvisationen. Soweit es geht, soll alles original sein. Das Einzige, was sich nicht mehr nachbauen lässt, ist das Fahrwerk. Hier muss auf Vorhandenes von KW zurückgegriffen werden.

Als Bonus mit Röhrl in die Kehre

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Walter Röhrl und Christian Geistdörfer in ihrem Element.

Es macht Spaß, zu beobachten, wie der neue alte S1 immer mehr Form annimmt, bis zu dem Punkt, an dem Walter Röhrl tatsächlich in den Wagen steigt, um mit quietschenden Reifen über den Asphalt zu krachen. Aber die Dokumentation wäre nur halb so spannend, wenn sie nicht von historischen Filmausschnitten ergänzt würde. Allerdings hätte man etwas mehr Material sammeln können, denn nach der dritten Wiederholung einer Szene ist dann auch mal gut. Fast anrührend sind die persönlichen Momente, die die Auferstehung des S1 für Röhrl haben. Immer wieder zeigt sich der Meister begeistert und betont, dass es eine Zeitreise ist, auf der er sich 20 Jahre jünger fühlt. Ob sich der Zuschauer der DVD jünger fühlt, hängt wohl von seinem Alter ab. Unabhängig davon ist es aber ein Stück spannender Auto- und Rallye-Geschichte, die es lohnt, auch zweimal anzusehen. Als Bonus gibt es eine Fahrt mit Röhrl und Geisdörfer im neuen alten S1 - als wäre man selbst dabei.

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Quelle: n-tv.de