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Beatmungsgeräte statt Autos Die Autoindustrie im Kampf gegen Corona

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Statt Fahrzeugen fertigt die Autoindustrie im Kampf gegen das Coronavirus jetzt Teile für Beatmungsgeräte.

(Foto: Seat)

Im Kampf gegen das Coronavirus werden keine Autos gebraucht, sondern medizinisches Equipment. Das haben auch die Autokonzerne verstanden und unterstützen Krankenhäuser nicht nur mit Geld, sondern sogar mit einem selbst entwickelten Beatmungsgerät.

Produktionsstopp, Kurzarbeit und Werksschließungen - aufgrund der Corona-Krise steht momentan die Autoindustrie in Deutschland und weltweit vor der größten Herausforderungen seit dem Zweiten Weltkrieg. Doch statt im Krisenmodus zu erstarren, kommen von den Industrieriesen deutliche Impulse, der Corona-Krise entgegenzutreten.

VW und Audi spenden

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Aus Scheibenwischermotoren werden jetzt Motoren für Beatmungsgeräte.

(Foto: Seat)

Die Autohersteller in Deutschland haben bereits Maßnahmen ergriffen, um den Engpässen in der medizinischen Versorgung zu entgegnen. So stellt VW Beschäftigte mit medizinischer Qualifikation für 15 Tage bei voller Lohnfortzahlung frei, wenn diese sich freiwillig im Gesundheitswesen einbringen wollen. Außerdem haben die Wolfsburger nach eigenen Aussagen medizinisches Equipment im Wert von 40 Millionen Euro, unter anderem Atemschutzmasken, aus China nach Deutschland geholt, um es Ärzten und Krankenhäusern zur Verfügung zu stellen.

Audi will insgesamt fünf Millionen Euro für die Anschaffung von medizinischer Ausrüstung zur Verfügung stellen. Unabhängig davon hat das Unternehmen bereist 600.000 Euro sowie 15.000 Atemschutzmasken an Kliniken und Katastrophenschutz an den Produktionsstandorten Ingolstadt und Neckarsulm übergeben.

Mercedes druckt Medizinteile

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Mercedes hat seine gesamten 3D-Drucker-Kapazitäten in den Dienst der Medizin gestellt.

(Foto: Mercedes)

Daimler hat angekündigt, mithilfe von 3D-Druckern einzelne Bauteile fertigen zu wollen, die für die Produktion von medizinischem Equipment benötigt werden. Bei Mercedes werden jährlich 150.000 Bauteile für Fahrzeuge mithilfe von 3D-Druckern hergestellt. Diese Kapazität soll jetzt im gesamten Umfang der Produktion für Teilen der Medizintechnik zur Verfügung stehen.

Seat baut eigenes Beatmungsgerät

Die spanische VW-Tochter Seat hat die Produktion am Firmensitz in Matorell umgestellt. Statt des Leon werden dort jetzt mechanische Beatmungshilfen gebaut. Zudem sind insgesamt 13 Ingenieure dabei, ein eigenes Beatmungsgerät zu entwickeln, das so schnell wie möglich in Serie gehen soll. Ein Prototyp des OxyGEN getauften Gerätes existiert bereits und sein Beatmungsgerät wird von einem umgebauten Scheibenwischer-Motor angetrieben.

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Das Beatmungsgerät OxyGEN von Seat steht kurz vor der Zertifizierung.

(Foto: Seat)

Seit März arbeiten 150 Mitarbeiter aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen daran, eine Montagelinie für des OxyGEN aufzubauen. Das Zulassungsverfahren für die neu entwickelte Beatmungshilfe läuft bereits, teilt Seat mit, und wird momentan umfangreichen Prüfungen unterzogen.

GM und Ford in den USA gefordert

In den USA müssen auf Geheiß von Präsident Donald Trump die beiden US-Autoriesen General Motors (GM) und Ford innerhalb von 100 Tagen die Produktion von 100.000 für Corona-Patienten oft lebenswichtigen Beatmungsgeräten gewährleisten. Ford hat entsprechend angekündigt, in Zusammenarbeit mit General Electric in den kommenden 100 Tagen 50.000 Atemgeräte zu produzieren.

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Ford und GM wollen in den kommenden 100 Tagen zusammen 100.000 Beatmungsgeräte bauen.

(Foto: Ford)

Im Komponentenwerk Rawsonmille/Michigan sollen ab dem 20. April Beatmungsgeräte vom Typ Airon Model A-E von General Electric vom Band laufen. Bereits bis Anfang Juli will man die Produktionszahl von 50.000 diese für ein Beatmungsgerät unabdingbaren Komponente erreichen. Bis dahin sollen mindestens 30.000 Beatmungsgeräte pro Monat hergestellt werden.

General Motors hat angekündigt, in die Massenfertigung von Beatmungsgeräten einzusteigen. GM will diese in Zusammenarbeit mit Ventec Life Systems im Werk Kokomo im US-Bundesstaat Indiana anlaufen lassen. Auch hier wurde das Ziel von 50.000 Beatmungsgeräten in 100 Tagen ausgegeben.

Bosch entwickelt Schnelltest

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Bosch, eher bekannt für seine Assistenzsysteme in Fahrzeugen, hat einen Corona-Schnelltest entwickelt.

(Foto: Bosch)

Auch einige Zulieferer der Autoindustrie zeigen Engagement beim Kampf gegen Corona. So hat Bosch einen Corona-Schnelltester entwickelt. Dabei handelt es sich um einen molekularidagnostischen Schnelltest auf Basis des Analysegeräts Vivalytic der Bosch-Abteilung Healthcare Solutions. Ein Abstrich der Testperson wird in das Analysegerät eingeführt, das innerhalb von zweieinhalb Stunden ein Ergebnis liefern soll. Das ab April erhältliche Gerät sollen Personen ohne medizinische Qualifikation bedienen können. Innerhalb von 24 Stunden lassen sich 10 Tests durchführen.

Atemmasken aus Klimaanlagenfilter

Zulieferer Mahle liefert ein in Klimaanlagen eingesetztes Filtermedium an den Schweizer Unterwäschehersteller Triumph, der daraus Atemmasken fertigt. Diese sollen an behördliche Stellen geliefert werden. Geplant ist eine Fertigungskapazität von 1,5 Millionen Masken pro Monat.

Aufgrund einer Anfrage der französischen Regierung haben sich in Frankreich die Unternehmen Air Liquide, PSA, Schneider Electric und Valeo darauf verständigt, zwischen Anfang April und Mitte Mai 10.000 Atemgeräte herzustellen. Mit einer Taskforce und 100 Partnerunternehmen wolle man die Produktion von Beatmungsgeräten von Air Liquide Medical Systems kurzfristig massiv ankurbeln. Unter anderem soll im PSA-Werk Poissy dafür eine Spezialwerkstatt mit 50 Mitarbeitern eingerichtet werden.

Quelle: ntv.de, hpr