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Keine Erfolgsgeschichte E10 bleibt Problem

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An den Tankstellen verwaisen die E10-Zapfsäulen und ratlose Autofahrer greifen weiter zum herkömmlichen Super.

(Foto: picture alliance / dpa)

Seit einem Jahr gibt es E10 an deutschen Tankstellen. Kein Grund zum Jubeln, denn eine Erfolgsgeschichte hat der Biosprit noch nicht geschrieben. Die Einführung stockt, die Kunden sind verunsichert und richtig Geld lässt sich auch nicht sparen.

Die Einführung des Biokraftstoffes E10 ist am Anfang eine lustige Show aus Pleiten, Pech und Pannen. Die erste Meldung, die die Verbraucher bezüglich des Umweltkraftstoffs erreicht, ist: E10 wird nicht wie geplant ab Januar 2011 verfügbar sein, sondern erst im Februar. Die Mineralölindustrie beteuerte, sie könne sich nicht so schnell auf die neuen Produktionsanforderungen umstellen. Dabei sollte der Biosprit schon viel früher eingeführt werden. Erstmals wurde das Projekt durch den damaligen Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) im April 2008 auf Eis gelegt.

Egal. Die Autofahrer in Deutschland zeigen sich zukunftsfroh, denn schließlich werden für E10 Preisnachlässe von bis zu neun Cent in Aussicht gestellt. Eine Vorgabe, die sich allerdings bis heute nicht erfüllt hat.

Unterdessen machen Meldungen die Runde, dass E10 den Motor mehr verschleiße, ihn sogar zerstöre, weil bestimmte Modelle den Umweltsprit gar nicht verkraften. An den Tankstellen verwaisen die E10-Zapfsäulen und ratlose Autofahrer greifen weiter zum herkömmlichen Super. Bis heute tankt nur jeder zehnte Kraftfahrer E10, weil er befürchtet, dem Motor mit Ökosprit den Garaus zu machen.

E10 zerstört den Motor

Die Bundesregierung rudert mutig gegen solche Argumente  – 90 Prozent aller Autos vertragen das neue Superbenzin, heißt es. Welche genau? Die Frage gibt man geflissentlich an die Hersteller und die Mineralölkonzerne weiter. Die können sie aber nicht beantworten und geben sich ähnlich verunsichert wie die Autofahrer. Garantien für die Verträglichkeit von E10 will keiner übernehmen.

Monatelang gibt es irreführende Angaben zur Verträglichkeit. Letztlich wächst der Druck auf die Autobauer so stark, dass sie Unbedenklichkeitslisten für ihre Fahrzeuge ausgeben. Mittlerweile liegen die an allen Tankstellen. Dem ADAC ist im Übrigen bis heute kein Fall bekannt, bei dem der Motor eines Autos durch E10 geschädigt wurde. Dennoch, Langzeitstudien gibt es noch nicht und die Ungewissheit fährt weiter mit.

Auch die Annahme, dass durch den erhöhten Ethanol-Anteil im Kraftstoff währende des Verbrennungsprozesses die Wassermengen im Motor zu nimmt,  hat sich nicht bestätigt. Nach Angaben von BMW ist der Kondensationseffekt eine normale Nebenerscheinung. Dabei gelangt auch nicht - wie fälschlich angenommen - Wasser ins Öl und verdünnt es. Wer dennoch unsicher ist, sollte alle 1000 bis 1500 Kilometer den Peilstab ziehen und sich von der Richtigkeit des Ölstandes überzeugen.

Leistungsschwund gibt’s überall

Und noch etwas ließ und lässt den Glauben an E10 schwinden: der vermeintliche Leistungsschwund. Tatsächlich ist der Energiegehalt des Biosprits geringer als der von Super. Ob tatsächlich mehr Sprit für weniger Leistung getankt werden muss, darüber scheiden sich die Geister. Die einen sagen, dass sich der geringere Energiegehalt kaum auf den Spritverbrauch auswirke.

Die anderen sind fest davon überzeugt, dass der Verbrauch deutlich steigt. Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe geht davon aus, dass Bioethanol nur 65 Prozent des Brennwertes von konventionellem Benzin hat. Demnach muss die Motorsteuerung den Verbrauch bei E10 um etwa 3,5 Prozent erhöhen, um eine vergleichbare Motorleistung zu erzeugen.

Naturschützer laufen Sturm

Auch die Naturschützer sind von dem Ökosprit nicht überzeugt. Seit Jahren warnen sie vor den Folgen der Biospritproduktion. Der BUND befürchtet, dass der großflächige Anbau von sogenannten Energiepflanzen den Nahrungsmittelanbau verdrängt und die Lebensmittelpreise weiter in die Höhe treiben wird. Noch ist dieser Effekt nicht eingetreten und der Aufschrei der Verbraucher bleibt bis dato aus.

Alles in allem ist die E10 keine Erfolgsgeschichte und wird wohl auch keine werden. Wenn die Bundesregierung will, dass sich E10 durchsetzt, dann bleibt ihr nur die politische Keule. Sie müsste dafür sorgen, dass Super von den Tankstellen verschwindet. Für die verunsicherten Autofahrer eine grausige Vorstellung.

Quelle: ntv.de

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