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Wird das reichen? Ford Kuga - ein bisschen wie Porsche

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Aus dem eher unscheinbaren Kuga hat Ford einen Hingucker im engen Sportanzug gemacht.

(Foto: Ford)

Auch in der dritten Generation punktet der Ford Kuga mit bewährten Tugenden, wartet aber auch mit einer modernen Hybrid-Motorenpalette auf. Optisch hat er sich sogar etwas von Porsche geholt. Aber kann das die Schwächen deckeln?

Wirklich gut läuft das Europa-Geschäft von Ford nicht und die aktuelle Entwicklung ist alles andere als rosig. Wie gut, dass der Autobauer einen neuen Hoffnungsträger in petto hat: die dritte Kuga-Generation. Das Kompakt-SUV, das bereits vor fast einem Jahr seine Premiere gefeiert hat, läuft in den USA unter dem Namen Escape schon seit Monaten recht erfolgreich und wartet nach vorläufigen Plänen ab Ende April auch bei den deutschen Händlern auf die Kundschaft. Die muss mindestens 26.300 Euro investieren, doch dabei dürfte es nur selten bleiben.

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Bestechend sind die Langstrecken-Qualitäten des neuen Ford Kuga.

(Foto: Ford)

Wer das Basis-Modell ordert, bekommt zwar einen Infotainment-Touchscreen, Tempomat und eine manuelle Klimaanlage, ansonsten aber nur wenige Komfort-Extras. LED-Scheinwerfer, WLAN-Hotspot, eine elektrisch betätigte Heckklappe, den praktischen Türkantenschutz, der beim Öffnen automatisch ausfährt, und leider auch die meisten Assistenten (unter anderem Geisterfahrer-Warner, Ausweichassistent, Tot-Winkel-Überwacher und Stau-Assistent) gibt es nur in den höheren Versionen. Gleich sechs weitere Ausstattungslinien hat Ford geschnürt, dazu gibt es vier Options-Pakete; separat auszuwählende Extras bleiben da nur wenige.

Es reicht nicht zum Stromern

Auch für den von uns im ersten Test gefahrenen Kuga mit EcoBlue-Hybrid-Diesel muss man tiefer in die Tasche greifen. Er startet in der Cool-&-Connect-Version bei 32.600 Euro. Dafür bekommt man einen Zweiliter-Vierzylinder-Selbstzünder, der 150 PS und 370 Newtonmeter Drehmoment mobilisiert und von einem mit 48 Volt betriebenen Riemenstarter-Generator unterstützt wird. Der E-Motor, der die herkömmliche Lichtmaschine ersetzt, steuert vor allem beim Anfahren bis zu 16 PS und 50 Newtonmeter bei.

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Der Kuga mit EcoBlue-Hybrid-Diesel kostet mindestens 32.600 Euro.

(Foto: Ford)

Das reicht allerdings nicht zum Stromern, soll den Verbrenner aber entlasten. Der Kuga tritt richtig kräftig an und der Normverbrauch liegt bei nur knapp über fünf Litern. Allerdings geht dem Ford bei höheren Geschwindigkeiten schnell die Puste aus. Der sich flott anfühlende Sprint auf Tempo 100 dauert nach Uhr dann doch 9,6 Sekunden und maximal darf der Mild-Hybrid 175 km/h laufen, dann wird abgeregelt. Ein weiteres Manko des Diesel-Hybrids ist, dass er ausschließlich mit einem etwas knorpeligen Sechsgang-Schaltgetriebe angeboten wird. Die konventionellen Selbstzünder mit 120 PS und 190 PS gibt es auch mit Achtgang-Automatik. Die ist bei den Top-Modellen Serie, zusätzlich fährt der mindestens 39.500 Euro teure Diesel immer mit Allradantrieb vor.

Alle anderen Kugas geben aktuell ihre Kraft über die Vorderräder an die Straße ab. Zumindest auf Benziner-Seite will Ford bald nachlegen: Ein für Ende des Jahres angekündigter Voll-Hybrid (ohne Steckdosenanschluss, aber mit geringer E-Reichweite) soll mit einem zusätzlichen E-Motor an der Hinterachse zum 4x4-Modell werden. Bereits von Beginn an ist ein Plug-in-Hybrid (ab 39.300 Euro) erhältlich, dessen Kombination aus Vierzylinder-Benziner und E-Motor 204 PS freisetzt und der 56 Kilometer mit seinem E-Antrieb kommen soll. Außerdem in der Preisliste: Zwei Dreizylinder-Nur-Benziner mit 120 PS und 150 PS.

Fahrwerk ist immer top

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Zwischen 475 und 1534 Liter fasst der Kofferraum des Ford Kuga.

(Foto: Ford)

Egal für welchen Motor man sich entscheidet: Das Fahrwerk ist immer top. Ford-typisch gut abgestimmt und dank der neuen Plattform bis zu 90 Kilogramm leichter als der Vorgänger, liegt der neue Kuga satt auf der Straße und lässt sich dynamisch bewegen. Schade, dass die bequemen, großen Sitze so wenig Seitenhalt bieten, sonst könnte man das um neun Zentimeter auf 4,61 Meter gewachsene SUV noch ambitionierter in die Kurven zwingen. Punkte sammeln kann der neue Kuga auf der Langstrecke: Trotz aller sportlichen Talente bügelt der Unterbau die Straße ordentlich glatt und auch in Sachen Laufkultur überzeugt der Kuga; der Hybrid-Diesel knurrt nur unter Volllast kräftig.

Ein leises Murren dürfte auch dem einen oder anderen nach dem Einsteigen entfahren. Zwar ist der Kuga übersichtlich und ordentlich verarbeitet und nicht nur vorne, sondern auch auf der verschiebbaren Rückbank gibt es genug Platz. In eine Wohlfühloase tritt man aber nicht ein: Bei der Materialauswahl haben die Controller reichlich Hartplastik durchgesetzt, auch die Auskleidung des 475 bis 1534 Liter großen Kofferraums wirkt ziemlich billig.

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Ein dem Fahrer abgewandter Monitor und viel billige Plastik machen die Wohnlichkeit im Ford Kuga zunichte.

(Foto: Ford)

Hinzu kommt, dass das neue Infotainment-System, das zumindest den Mäusekino-Status hinter sich gelassen hat, mit 8-Zoll keineswegs überdimensioniert ist. Und gefühlt schaut der auf dem Armaturenbrett aufgesetzte Bildschirm eher in Richtung Beifahrer. Und dann das Head-Up-Display. Ford setzt auf eine ausklappbare Plastikscheibe hinter dem Lenkrad, die vor allem großen Fahrern die relevanten Daten auf der Motorhaube statt vor dem Wagen darstellt.

Tadellos ist dagegen das den höheren Ausstattungen vorbehaltene, digitale Kombiinstrument, dessen Anzeige sich den verschiedenen Fahrprogrammen (Normal, Eco, Sport, Rutschig und ein Offroad-Modus) anpasst. Und auch das neue Design kann sich sehen lassen: Aus dem eher unscheinbaren SUV hat Ford einen Hingucker im engen Sportanzug gemacht, der von schräg-vorne sogar ein bisschen nach Porsche aussieht.

Quelle: ntv.de, Michael Gebhardt, sp-x