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Neuheiten für das Caravaning Fünf Innovationen im Reisemobil

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Sollte es den Camper mal in unwirtliche Gegenden verschlagen, ist das kein Problem, der Allradantrieb holt ihn hier wieder raus.

Der Reisemobil-Boom bringt es mit sich: Der Kundenkreis wächst, die Wünsche der Kunden werden differenzierter, Vielfalt ist gefragt. Die Branche reagiert und bietet inzwischen einiges an Innovationen, die die Kundschaft begeistern dürfte.

Die großen Caravaning-Messen entwickeln sich immer mehr zu Neuheiten-Schauen. Die Reisemobil- und Wohnwagenbranche hat dabei längst mehr zu bieten, als mit ein paar abgewandelten Grundrissen, neuen Möbeldekoren und hübscheren Polstern die Abkehr vom "Gelsenkirchener Barock" zu zementieren. Innovatives bringen zwar vor allem die Autohersteller in die Reisemobil-Szene, aber auch die Auf- und Ausbaumarken stellen immer öfter ihren Ideenreichtum unter Beweis, was mit fünf Beispielen untermauert werden soll.

Freie Antriebsauswahl

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VW hat mit dem Crafter als Wohnmobil die Steilvorlage für alle anderen geliefert.

Der VW Crafter hat im Reisemobil-Sektor vor zwei Jahren die Zukunft bei den Basisfahrzeugen eingeläutet - mit einem modernen Cockpit, einer ganzen Armada von Assistenzsystemen und der Möglichkeit der freien Antriebswahl: Front-, Heck- oder Allradantrieb. Der neue Mercedes Sprinter hat in allen Belangen nachgezogen und bietet ebenfalls die Qual der Antriebswahl.

Umgesetzt in einem einzelnen Modell hat dies bisher nur die Marke Knaus mit dem Van TI Plus, mit dem MAN TGE als Basis, dem baugleichen Halbbruder des Crafter. Nur hier hat der Kunde die schwere Wahl zwischen dem preisgünstigsten Frontantrieb, dem 1970 Euro teureren Heckantrieb, der wegen des auf der Hinterachse lastenden Aufbaugewichts Traktionsvorteile hat, oder gar dem permanenten Allradantrieb als Traktionsoptimum. Mit einem relativ günstigen Aufpreis von 4320 Euro ist dieser Vierradantrieb im Wettbewerbsumfeld ein verlockendes Angebot.

Konnektivität

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Eine gute Ergänzung zum Infotainment MBUX ist die neue "Mercedes-Benz Advanced Control", kurz MBAC.

(Foto: Daimler AG)

Zu den großen Pluspunkten des neuen Sprinters zählt zweifellos das aus der A-Klasse übernommene, lernfähige Multimedia-System "Mercedes-Benz User Experience" (MBUX), das mit seiner Sprachsteuerung das Infotainment im Reisemobil auf ein neues Niveau hievt. Die perfekte Ergänzung dazu stellt die neue "Mercedes-Benz Advanced Control", kurz MBAC, dar, die auf der Stuttgarter CMT präsentiert wurde und demnächst auch als Option verfügbar sein soll. Dabei handelt es sich um ein Schnittstellenmodul, das die Trennung zwischen Basisfahrzeug und Wohnbereich aufhebt.

Während einige Caravaning-Firmen durchaus schon im Wohnraum die Fernbedienung per App anbieten, werden bei MBAC die Komponenten vor und hinter der B-Säule vernetzt, so dass eine bequeme Regelung aller Funktionen entweder über ein zentrales Display im Fahrerhaus, im Wohnraum oder auch per Smartphone-App möglich ist. Den Füllstand des Dieseltanks kann man dann ebenso kontrollieren wie Frisch- und Abwasser. Heizung und Klimaanlage lassen sich regulieren, die Markise lässt sich elektrisch ausfahren und auch der Grauwassertank per Knopfdruck entleeren, ohne dreckige Finger zu bekommen.

Sichere Sitze

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So sieht das umgebaute Knaus-Sofa mit Sicherheitsgurten aus.

(Foto: Christian Haasz)

Wer mit mehr als zwei Personen im Reisemobil unterwegs ist, muss zwangsläufig im Fahrbetrieb Sitzgelegenheiten im Wohnraum nutzen. Die feste Verankerung mit Anbringung von Dreipunktgurten bereitet aber oft Probleme, speziell bei L-Sitzgruppen oder bei der aktuell sich immer stärker durchsetzenden Lounge-Anordnung. Zwei gegenüberliegende Längssofas lassen sich eben nicht so einfach in gurtgesicherte Sitze in Fahrtrichtung umwandeln.

Ohne Umbau geht das nicht. Knaus hat hier eine neuartige Lösung umgesetzt: Die Rückenlehne des Längssofas wird abgenommen, ein kleiner Teil der Sitzfläche vorn wird heruntergeklappt, das Polster zur Beinstütze umfunktioniert und am anderen Ende der Sitzfläche ein massiver Teil mitsamt eines Dreipunktgurtes in eine aufrechte Position gebracht. So entsteht eine Rückenlehne, die sich über einen seitlichen Hebel einfach justieren lässt und die optimale Position für bequemes Sitzen auch auf langen Fahrten ermöglicht.

Flexible Möbel

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Hubbetten können wahre Wunder vollbringen. Beim Challenger 274 geht das soweit, dass überhaupt kein fest installiertes Bett mehr an Bord ist.

(Foto: Sassoulas Sebastien)

Um den immer differenzierteren Wünschen der Kunden nachzukommen, ist ein Höchstmaß an Flexibilität und Variabilität gefragt. Hubbetten können wahre Wunder vollbringen. Beim Challenger 274 geht das so weit, dass überhaupt kein fest installiertes Bett mehr an Bord ist, sondern hinten ein Doppelbett und vorn zwei übereinander angeordnete Kinderbetten heruntergelassen werden können. Knaus bietet beim neuen Boxlife sogar zwei Doppelbetten als Hubbett in zwei Etagen an, so dass in einem Sechs-Meter-Kastenwagen bis zu sechs Personen nächtigen können. Und im neuen Kronos-Alkoven 290 M reicht eine Höhenverstellung des Doppelbetts im Heck aus, um in der riesigen Heckgarage ein Quad unterzubringen.

Fahrradträger

Das Fahrrad ist an Ort und Stelle im Urlaub das beliebteste Fortbewegungsmittel der Reisemobilisten. Immer häufiger in Form von E-Bikes. Da wird die Heckgarage bevorzugt. Eine saubere Lösung, die für leichtes Beladen und Ordnung im Laderaum sorgt, ist der Thule Velo Slide. Auf Montageschienen wird ein rechts wie links ausziehbarer Träger installiert, auf dem sich die Räder außerhalb des Fahrzeugs einfach festzurren lassen. Zurück in die Garage schieben und zur besseren Raumnutzung an die Rückwand heranrücken - fertig.

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Auf Ford-Transit- und demnächst auch Fiat-Ducato-Kastenwagen ausgelegt ist der Agito-Van-Heckträger.

Die Garage muss freilich hoch und groß genug sein, was den Velo Slide auch wegen eines Preises knapp über 700 Euro eher für die reisemobile Oberklasse prädestiniert. Auf Ford-Transit- und demnächst auch Fiat-Ducato-Kastenwagen ausgelegt ist der Agito-Van-Heckträger, bei dem der beladene Träger mit einem Schwenkarm komplett zur Seite geklappt werden kann. Für 1350 Euro allerdings kein billiges Zubehör. Caravanern ermöglicht die Firma Fendt ihre Fahrräder beim Sondermodell Bianco Rosso auf einer Kugelkupplung am Wohnwagenheck mit einem gängigen Pkw-Trägersystem zu transportieren.

Quelle: n-tv.de, Michael Lennartz, sp-x

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