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Endgültiges Aus durch Corona? Genfer Autosalon könnte bald Geschichte sein

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Der Genfer Autosalon wird in diesem Jahr seine Türen nicht öffnen.

(Foto: dpa)

Das Coronavirus hat jetzt auch die Türen des renommierten Genfer Autosalons geschlossen. Das trifft die Aussteller hart. Doch unangenehmer sind die Vorzeichen für den Salon selbst. Am Ende könnte Covid-19 ihn nämlich auf dem Gewissen haben.

Eigentlich war die Messe Genf entschlossen, den Autosalon in seiner 90. Auflage trotz des Coronavirus stattfinden zu lassen. Mit der Aufforderung an die Hersteller, ihre Mitarbeiter vor Antritt der Reise auf Covid-19 prüfen zu lassen, und einigen hygienischen Maßnahmen im Messeumfeld fühlte man sich scheinbar im Veranstaltungsort Palexpo sicher.

Bereits im Vorfeld hatte Toyota Europa entschieden, nur ein sehr kleines Team nach Genf zu entsenden, das den Messestand betreuen soll. "Alle nationalen Vertriebsgesellschaften werden nicht am Genfer Automobilsalon teilnehmen", hieß es in einem internen Schreiben. "Somit wird auch seitens Toyota Deutschland kein Vertreter anwesend sein." Zuvor hatte bereits der Bremsen-Spezialist Brembo und der Hi-Fi-Komponenten-Hersteller Harman/Kardon die Teilnahme an der Messe abgesagt, um ihre Mitarbeiter zu schützen.

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Die Messe steht, aber die Hallen im Palexpo werden keine Besucher sehen.

(Foto: dpa)

All das waren für die Messeveranstalter in Genf zwar Signale, aber noch lange kein Grund, den Autosalon abzusagen. Ein Spiel mit dem Feuer, denn allein im vergangenen Jahr besuchten an den zehn Messetagen 600.000 Menschen das Palexpo-Gelände. Angesichts dieser Zahl und der zunehmenden Corona-Erkrankungen in der Schweiz hat die Regierung jetzt alle Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abgesagt und damit auch die Türen des Autosalons geschlossen, bevor sie sich noch für Presse und Publikum haben öffnen können. "Wir bedauern diese Situation, aber die Gesundheit aller Beteiligten ist für uns und unsere Aussteller absolute Priorität. Dies ist ein Fall von höherer Gewalt", sagt Maurice Turrettini, Präsident des Stiftungsrates der Genfer Messe in einem offiziellen Schreiben.

Braucht es den Genfer Autosalon noch?

Für die Betreiber und für die Hersteller ist dieser Umstand natürlich ein finanzielles Desaster. Längst sind seitens der Messe die Einnahmen über die Besuchertickets eingeplant gewesen. "Für die Aussteller, die massiv in ihre Präsenz in Genf investiert haben, ist dies ein herber Verlust. Wir sind jedoch überzeugt, dass alle Betroffenen diese Entscheidung verstehen werden", führt Turrettini weiter aus. Tatsächlich geben die Hersteller für Messen der Größenordnung eines Autosalons Millionen aus.

Doch während die Autobauer durchaus damit rechnen können, dass wenigstens durch die Fachmedien über die neuen Produkte berichtet wird, geht in Genf noch eine andere Angst um: Sollten die Hersteller nach dem Aus der Messe zu dem Schluss kommen, dass es auch ohne den millionenschweren Auftritt in der Schweiz geht, könnte die diesjährige Absage schlicht und ergreifend das endgültige Ende des Genfer Autosalons bedeuten.

Und die Wahrscheinlichkeit ist hoch. Zum einen wird den Autoherstellern mit ihren Messekonzepten Ideenlosigkeit vorgeworfen, zum anderen kostet die Umrüstung auf CO2-freie Antriebe Unsummen, die an anderer Stelle eingespart werden müssen. Und warum sollte das nicht auch der Genfer Salon sein?Schließlich hat es der IAA in Frankfurt bereits im letzten Jahr den Garaus gemacht. Als erster deutscher Autobauer reagierte übrigens BMW auf die veränderte Situation und lud die Journalisten am Montag zu einer virtuellen Pressekonferenz ein. Auf der, so die Bayern, werde man zeigen, was auch auf dem Genfer Salon vorgestellt worden wäre.

Quelle: ntv.de