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Das hat Stil Geos Gravel - schlichtes und starkes Pedelec

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Auf den ersten Blick würde man das Geos nicht für ein Pedelec halten.

Das Design von E-Bikes wandelt sich. Waren sie früher eher dick und plump, begeistern sie heute mit schicker Optik und ausgewogenen Fahreigenschaften. Den besten Beweis dafür liefert das Geos Gravel, das im Frühjahr auf den Markt kommt.

E-Bikes wohnt dank Motorunterstützung eine besondere Überzeugungskraft inne. Doch ein elektrischer Antrieb provoziert zumeist auch plumpes Design und hohes Gewicht. Die neue deutsche Fahrrad-Marke Geos hat hingegen ein E-Bike erdacht, welches beide Problemzonen im Griff hat. Das in mehrfacher Hinsicht ansehnliche Pedelec des Newcomers wiegt nur 15 Kilogramm, weshalb sich der Fahrradalltag mit besonderer Leichtigkeit meistern lässt. Und dann fährt es sich auch noch bemerkenswert gut.

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Eine Wucht sind die nahezu profillosen und breiten Reifen von Continental.

Optisch kommt das Geos in der von uns getesteten Gravel-Version im aufgeräumten Fixie-Stil daher. Kabel und Leitungen sind weitgehend innen verlegt, Firlefanz wurde weggelassen. Scheinbar auch eine Batterie, denn anders als viele Design-Pedelecs mit rahmenintegriertem Akku fallen beim Geos die Rohrproportionen recht harmonisch aus. Der Trick ist eine Aufteilung der insgesamt 30 Samsung-Zellen auf Ober- und Unterrohr, was allerdings den Einbau von zwei Batteriemanagementsystemen nötig macht. Die Kapazität des Doppelpacks liegt bei 378 Wattstunden. Das mag angesichts des weit verbreiteten 500-Wh-Standards nicht üppig klingen, doch laut Peter Hanstein, dem Gründer von Geos, erlaubt die Gesamtkapazität in Verbindung mit dem hohen Wirkungsgrad des Motors respektable Reichweiten.

Aufgeräumt und edel

Neben einem aufgeräumten Styling bietet das Geos außerdem noch eine edle Verarbeitung und feine Komponenten. Dazu gehören eine leichte Karbongabel oder der Brooks-Cambium-Sattel. Auch der Stahlrahmen ist ein Schmuckstück. Der ist mit zweieinhalb Kilogramm nicht nur leicht, sondern dank Glasperlenbestrahlung und Nickelbeschichtung außerdem noch korrosionsbeständig und kratzfest. Das matte Finish sieht jedenfalls gut aus und ist zudem widerstandsfähig, was Peter Hanstein gerne demonstriert, indem er mit einem Autoschlüssel über dem Rahmen kratzt. Anschließend kann man sehen, dass nichts zu sehen ist.

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Clever gelöst: Das magnetische Rücklicht verdeckt die im Rahmen integrierte Ladebuchse.

Auch sonst wird das suchende Auge wenig finden. Schalter, Ladebuchse, Display oder Diodenanzeige für den Akkufüllstand? Versteckt oder für überflüssig befunden. Eine unverzichtbare Ladebuchse befindet sich zwar im hinteren Ende des Oberrohrs, wird aber von einer magnetisch befestigten und entsprechend leicht abnehmbaren Rückleuchte verdeckt. Einziges Bedienelement ist ein kleiner, schwarzer Knopf am ebenfalls schwarzen Lenker, mit dem der E-Antrieb zum Leben erweckt wird. Beim ersten Drücken wird die niedrige Unterstützungsstufe aktiviert, beim zweiten wechselt man auf maximalen Schub, was ein kurzes wildes Flackern der im Lenkrohr integrierten LED-Frontleuchte bestätigt. Diese sieht edel aus, ersetzt allerdings keine vollwertige Frontleuchte.

Unkomplizierter Fahrradaltag

Optisch vorteilhaft, doch der Alltagstauglichkeit abträglich ist die Abwesenheit von Schutzblechen, denn bei Regen werfen die breiten Contact Speed von Continental reichlich Spritzwasser in den Fahrerrücken. Im Rahmen sind jedoch Anschraubpunkte für die Montage von Schutzblechen integriert, die man, wie auch einen Fahrradtaschenhalter, bei Geos dazu bestellen kann.

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Der Nabenmotor im Hinterrad ist sehr kompakt, sorgt aber für ordentlich Schub.

Ansonsten ist die Gravel-Version bestens für einen unkomplizierten Fahrradalltag gewappnet. Die hydraulischen Magura-MT4-Scheibenbremsen sind perfekt dosierbar, die Pedale rutschfest. Und die Pedalkraft wird von einem Gates-Riemenantrieb leise und sauber ans Hinterrad geleitet, in dessen Mitte ein kleiner, unscheinbarer E-Motor mit 250 Watt Nennleistung steckt, der erstaunlich motiviert und zugleich leise dem Fahrer die Beinarbeit erleichtert. Der E-Antrieb gefällt mit einer homogenen, durchaus spritzigen Beschleunigung, der recht feinfühlig den Unterstützungsgrad abhängig von der Beinarbeit variiert. Und das Bike fährt schnell, denn unser Test-Prototyp hat sogar etwas jenseits der eigentlich erlaubten 25 km/h unterstützt.

Obwohl das Gravel-Modell auf eine Alternativübersetzung verzichtet, bleibt die Trittfrequenz auch bei Höchstgeschwindigkeit angenehm niedrig. Da der eine Gang der Single-Speed-Version recht lang übersetzt ist, kommt man in den meisten Fahrsituationen gut zurecht. Hügeliges Terrain kann allerdings Probleme bereiten, denn für manche Steigung bräuchte man eine kürzere Alternativübersetzung. Wer in der schwäbischen Alp wohnt, sollte also unbedingt das Geos mit Gangschaltung bestellen. Die einzige Lösung, die der Hersteller bietet, ist eine Kettenschaltung mit elf Gängen, die sich allerdings nicht mit dem Riemenantrieb kombinieren lässt.

Verzicht auf Infodisplay

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Ein Highlight des Geos sind die hydraulischen Scheibenbremsen von Magura, die vor allem durch ihre feine Dosierbarkeit begeistern.

Wie bei puristischen Pedelecs üblich, verzichtet auch Geos auf ein Infodisplay. Dennoch kann der Fahrer Informationen über Akkufüllstand, Geschwindigkeit und Fahrstufe abrufen, sofern er eine entsprechende Geos-App auf sein Smartphone lädt. Laut dieser hat sich die Batterie nach einer gut 10 Kilometer langen Fahrt bei höchster Unterstützungsstufe um zehn Prozent geleert, was dem vom Hersteller proklamierten, großzügigen Reichweitenfenster von 100 Kilometern entspräche. Allerdings verbraucht das Rad auch Strom im Stand-by-Modus, weshalb bei einer Nutzung über mehrere Tage die gespeicherte Energie in der Regel für weniger reicht.

Ungeachtet einer elektrischen Unterstützung erfreut das Geos mit rundum angenehmen Fahreigenschaften. Der Rahmen ist steif, das Handling super, freihändiges Fahren problemlos möglich. Auch die Sitzposition ist entspannt bis leicht sportlich. Dank der voluminösen Reifen kommt sogar ein Hauch Komfort ins Spiel.

2019 will Hanstein zunächst 100 Geos produzieren lassen. Die ersten Bikes sollen dann im Sommer an Kunden ausgeliefert werden. Über den Online-Direktvertrieb kann man sich gegen Anzahlung einer Reservierungsgebühr von 1.000 Euro ein Exemplar sichern. Der Endpreis beträgt 4.800 Euro. Eine stolze Summe, doch angesichts der rundum gehobenen Qualitäten und feiner Komponenten keineswegs ungerechtfertigt. Wer so viel Geld investiert, würde bestimmt gerne eine Probefahrt machen. Die ist derzeit nur in Berlin bei LifeCycle möglich. Ab kommendem Frühjahr ist Geos dann zusätzlich auf einigen Fahrradmessen in München, Düsseldorf oder Hamburg sowie anderen LifeCycle-Dependancen in Köln, Stuttgart oder Essen erlebbar.

Quelle: n-tv.de, Mario Hommen, sp-x

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