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Neue Aussichten Mehr Glas am Wagen

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Schöne Aussicht auch bei schlechtem Wetter: Das versenkbare Hardtop des Mégane Coupé-Cabriolets besteht fast vollständig aus Glas.

(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Mehr Licht im Innern macht Autos heller und somit freundlicher. Dieser einfachen Gleichung tragen die Hersteller zunehmend Rechnung und verbauen große Glasflächen in die Karosserien. Doch das ist nicht unkompliziert.

Autofahrer können sich über eine bessere Aussicht freuen: Setzten die Designer viele Jahre auf immer kleinere Fensterflächen, wächst derzeit der Glaseinsatz am Auto wieder.

Auch werden für viele neue Modelle sogenannte Panoramadächer angeboten. "Wollten die Designer ihren Kunden bislang eine intime, geborgene Atmosphäre vorspielen, geht es jetzt immer häufiger um lichte und luftige Räume", sagt der Marktbeobachter Nick Margetts vom Analyseinstitut Jato Dynamics in Limburg.

Glasdach im versenkbaren Hardtop

Selbst vor Cabrios macht dieser Trend nicht halt. "Damit man auch bei schlechtem Wetter schöne Aussichten genießen kann, wurde auch beim neuen Mégane Coupé-Cabriolet ein Glasdach in das versenkbare Hardtop integriert", sagt Renault-Pressesprecher Thomas May-Englert. Volkswagen hat beim Eos in das transparente Verdeck sogar noch ein Schiebdach integriert.

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Sonnenschein im Cockpit: Die verlängerte Frontscheibe des Citroën C3 endet erst weit hinter den Köpfen.

(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Die Autobauer schneiden aber nicht nur immer größere Löcher ins Dach. Beim Citroën C3 wurde die Frontscheibe so weit verlängert, dass sie erst weit hinter den Köpfen endet. Solch große Scheiben sind nach Angaben der Hersteller kein Problem für die Stabilität der Karosseriestruktur. "Glas ist bei entsprechender Verarbeitung sogar widerstandsfähiger und verwindungssteifer als Blech", sagt Peugeot-Sprecher Bernhard Voss in Saarbrücken. Bei der Marke finden sich große Fensterflächen etwa im Kombi 308 SW oder der Großraumlimousine 5008.

Schwierige Produktion

Auch bei einem Unfall droht kein Unheil: "So wie die Frontscheiben sind auch die transparenten Dächer aus einem speziellen Sicherheitsglas gefertigt", erläutert Voss. Folien zwischen den Glasschichten sollen dafür sorgen, dass Panoramadächer selbst bei einem Überschlag nicht splittern.

Während der Einsatz offenbar unkompliziert ist, stellt die Produktion eine große Herausforderung dar. Vor allem stark gebogene Glasflächen sind extrem schwierig zu fertigen, hört man bei Opel in Rüsselsheim. Dort jedenfalls ist man von den Erfahrungen beim letzten Astra GTC so weit kuriert, dass die Panoramafrontscheibe beim nächsten Astra-Dreitürer nach Informationen aus Unternehmenskreisen aus der Optionsliste gestrichen werden soll.

"Wellness auf Knopfdruck"

Die wachsenden Glasflächen bergen auch noch andere Probleme: Durch sie kann sich das Auto unangenehm stark aufheizen. Das erfordert bislang die Entwicklung aufwendiger Rollos, Jalousien oder Vorhänge. Die wiederum benötigen viel Mechanik, brauchen viel Platz und bringen zusätzliches Gewicht ins Auto.

(Bild: Renault/dpa/tmn) (Bild: Citroën/dpa/tmn) (Bild: Daimler/dpa/tmn)

Mercedes arbeitet an einem Panoramadach, das sich auf Knopfdruck tönen lässt und so die Sonne abhält.

Um das zu vermeiden, entwickelt Mercedes gerade eine alternative Beschattungstechnik: Scheiben, die sich in Sekundenbruchteilen komplett verdunkeln, sollen "Wellness auf Knopfdruck" ermöglichen, so Entwickler Andreas Zygan. Möglich machen das mikroskopisch kleine Metallpartikel in einer Flüssigkeit, die zwischen zwei Glasschichten eingegossen ist. Die Partikel treiben nach dem Zufallsprinzip in der Trägerlösung und bilden so eine Blockade für das Sonnenlicht. Legt man dagegen eine elektrische Spannung an, richten sich diese Sperrstifte senkrecht aus und lassen die Strahlen passieren - wie eine Jalousie, deren Lamellen man ins Licht dreht.

Weniger Aufpreis

"Damit können wir den Klimakomfort im Auto deutlich steigern", sagt Uwe Renz, ebenfalls ein Entwickler des Herstellers. Er verspricht eine baldige Serienreife zu Preisen, die weit unterhalb der bisherigen Maybach-Lösung liegen. Dort kostet das von japanischen Teehäusern inspirierte Dach, das auf Knopfdruck mal transparent oder trübe wie weißes Milchglas wird, fast so viel wie ein Kleinwagen. Für die neue Lösung rechnet Renz mit wenigen hundert Euro Aufpreis.

Die Wirkung sei in Tests bereits bewiesen, erzählt Andreas Zygan von Sonnenfahrten durch das für extreme Temperaturen bekannte Wüstental Death Valley in Kalifornien: "Zum ersten Mal ist es dort unter dem Glas auch ohne Klimaanlage auszuhalten - zumindest für ein paar Minuten." Damit verbunden ist laut Uwe Renz ein weiterer Vorteil: "Wenn sich das Auto nicht so stark aufheizt, muss die Klimaanlage weniger leisten und braucht deshalb auch weniger Sprit."

Quelle: n-tv.de, dpa

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