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Schwedischer Reiseluxus Mit dem Kabe Imperial in den Winter

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Dort halten und für ein paar Tage bleiben. Das ist das Credo der Camper. So richtig luxuriös wird es im Kabe Travel Master Imperial 810 LXL.

(Foto: Holger Preiss)

Das Campen im Winter kommt immer mehr in Mode. Klar sind die Plätze zu dieser Jahreszeit in der Regel leer. Wichtig ist aber, an dieser Stelle ein Gefährt zu haben, das auch den Außentemperaturen trotzt, wie zum Beispiel den Travel Master Imperial 810 LXL von Kabe.

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Kabe hat den Travel Master Imperial 810 LXL bis zu Temperaturen von minus 35 Grad ausgelegt.

(Foto: Holger Preiss)

Wer sich für Camper und Wohnmobile interessiert, der kennt Hymer, Dethleffs, Carthago oder Bürstner - alles renommierte Hersteller in diesem Metier. Aber haben Sie schon mal den Namen Kabe gehört? Nein? Sollten Sie aber. Das schwedische Unternehmen hat sich in 60 Jahren als Hersteller von hochwertigen Campinganhängern und ebensolchen Wohnmobilen einen Namen in Skandinavien gemacht. Hierzulande fahren die Nordländer eher unter dem Radar, dabei sollten vor allem Freunde des Wintercampings die Produkte auf dem Schirm haben. Denn gerade in diesem Bereich haben die Schweden einiges in ihre Fahrzeuge gepackt, das die Urlaubsfahrt auch bei klirrender Kälte zur kuschligen Erholung werden lässt.

Zugegeben - die Produkte von Kabe laufen nicht in der Black-Friday-Kategorie. Sie sortieren sich vielmehr am oberen Ende der Fahnenstange ein und kosten eine ganze Stange Geld. Dafür haben die Schweden in ihren Luxuslinern aber auch einiges zu bieten. n-tv.de hatte die Möglichkeit, die Wohnlichkeit des Travel Master Imperial 810 LXL zu testen. Und wie schon der Name erahnen lässt, handelt es sich hier um eines der vollintegrierten-Highend-Modelle von Kabe. Allein die Länge des inneren Wohnbereichs beträgt berauschende 5,56 Meter. In der Breite können sich die Bewohner auf 2,18 Metern bewegen und was die Stehhöhe mit 1,96 Meter betrifft, dürften die wenigsten Menschen Probleme beim Aufrichten haben.

Warm von allen Seiten

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Für den auf Sprinter-Basis fahrenden Travel Master Imperial 810 LXL gibt es ganz eigene Lederpolster.

(Foto: Holger Preiss)

Tatsächlich gehört der 810 LXL zu den Bestsellern von Kabe. Die Schweden sagen, dass er die Käufer vor allem durch seine praktischen Lösungen und die Bequemlichkeit besticht, die sein Innenleben bietet - und das über das ganze Jahr. Um auch im Winter bei bis zu minus 35 Grad Celsius bestehen zu können, hat Kabe eine "Sandwich-Wandkonstruktion" entwickelt, die aus einem Außenblech, einer Ecoprim-Isolierung, einem Innenblech und einer Wandtapete besteht. Der Clou ist, dass das Innenleben die Wärme gleichmäßig über die Wände verteilt. Für Kuschelstimmung sorgt auch die von Kabe entwickelte Fußbodenheizung. Die sogenannte AGSII ist von Kabe zum Patent angemeldet und sorgt mit vier Heizschlingen, die bis direkt an den Einstieg, unter Küchenbank und Toilette reichen, für eine Fußwärme, wie man sie so in alltäglichen Wohnmobilen nicht kennt.

Die Fußbodenheizung ist im Übrigen mit dem Konvektor-Heizkörper verbunden, so dass die Luft nach dem Einschalten der Heizung durch das ganze Wohnmobil zirkulieren kann. Von Vorteil ist, dass das System sowohl mit Flüssiggas als auch mit Strom betrieben werden kann. Und noch was: Ein großes Ärgernis im Wohnmobil ist Kondenswasser, das sich bei stark schwankenden Innen- und Außentemperaturen an den Wänden und am Fußboden breitmachen kann. Im Kabe sorgt die lüftungsaktive Tapete dafür, dass die warme Luft an den Wänden zirkulieren kann. Kondenswasser wird am Boden von einer entlang den Kanten verlegten Matte aufgefangen und verdunstet, sobald die Heizung eingeschaltet wird. Auch bei den Fenstern hat sich Kabe für reisende Winterfreunde etwas einfallen lassen. Hier handelt es sich nämlich um Polyurethan-gerahmte Fenster mit doppelt verglasten Scheiben.

Cinderella brennt alles weg

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Die Verbrenner-Toilette von Cinderella ist ein echter Gewinn. Nicht nur ökologisch.

(Foto: Holger Preiss)

So umsorgt, kann einem der Winter im Travel Master Imperial 810 LXL wirklich nichts anhaben. Natürlich gehört zum Wohlfühlprogramm mehr als die Wärmeversorgung. Um das rollende Eigenheim komplett zu machen, haben die Schweden einen Einbauofen in die Küche integriert, bieten eine netzunabhängige Stromversorgung, ein Premium-Sound-System samt Wi-Fi und ein wirklich geräumiges Badezimmer mit einer Verbrennungstoilette. Ja, Sie lesen richtig. Eine Toilette von der Firma Cinderella, die die ihr zugeführten Exkremente nicht in einen mit Chemikalien angereicherten Behälter plumpsen lässt, sondern das ganze Zeug einäschert. Wie das funktioniert? Bevor das Geschäft - groß oder klein - beginnt, muss der Edelstahl-Klappmechanismus mit einer speziellen Tüte bedeckt werden, ohne geht es nicht. Das ist, wenn man es richtig macht, absolut hygienisch und sauber.

Beim Anheben des Deckels geht die Toilette in Bereitschaft: heißt, das Gebläse startet. Nun kann sich der Bedürftige erleichtern. Ist alles erledigt, wird der Deckel geschlossen und der Knopf mit der Flamme gedrückt. Mit einem kurzen Saug-Schluck-Schlag-Geräusch rauscht die Tüte jetzt mit Inhalt in die Brennkammer. Mit einem kurzen Plopp geht die Flamme an und beginnt, ihre Arbeit zu verrichten. Die Abgase entweichen dabei über ein Kaminrohr nach außen. Allerdings ist der Brennvorgang für die Insassen nicht ganz geruchlos. Zwar gibt es einen Katalysator, aber der kann die Geruchsbildung nicht vollends vermeiden. Der 3-kW-Brenner arbeitet jetzt je nach abgeworfener Menge ein bis zwei Stunden. In dieser Zeit sollen lediglich 110 Gramm Gas verbraucht werden. Das scheint glaubhaft, denn die Flamme erlischt, sobald der Brandtopf heiß genug ist. Am Ende bleibt nichts als Asche. Kein lästiges Entleeren des Toilettenbehälters, kein Gestank und peinliches Rollen zum Entsorgungsplatz.

Separater Wassertank mit Glykol-Heizanlage

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Serie im Kabe Travel Master Imperial 810 LXL: das Kingsize-Bett.

(Foto: Holger Preiss)

Was den vollintegrierten Schweden aber neben den oben geschilderten pfiffigen Lösungen bei Heizung und Toilette auszeichnet, ist die Verarbeitung. Die Einbauschränke kommen aus der Kabe-eigenen Tischlerei und verfügen über versenkte Schranktüren und Schubladen. Der dreiflammige Herd hat eine vollständige klappbare Abdeckung, was eine zusätzliche Abstellfläche bietet. Zur Ausstattung gehört auch ein vollautomatischer Kühlschrank, der nicht nur selbständig auf die zur Verfügung stehende Energiequelle umschaltet, sondern dessen Tür sich auch in beide Richtungen öffnen lässt.

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Das Bad ist ausreichend groß. Vor allem aber die Dusche ist für Wohnmobilverhältnisse geräumig.

(Foto: Holger Preiss)

Typisch schwedisch ist, dass neben dem Kingsize-Bett mit Federkernmatratze und elektrisch verstellbarem Kopfteil im Heck des Travel Master Imperial 810 LXL, so wie in jedem vollintegrierten Modell, ein absenkbares Doppelbett ganz vorn im Fahrzeug verbaut ist. Das bedeutet, dass mit obligatorischer Dinette insgesamt bis zu sechs Schlafplätze verfügbar sind. Mitreisende finden während der Fahrt einen recht bequemen Platz auf dem Slide-out-Sofa, das selbstredend auch mit Sicherheitsgurten ausgestattet ist. Insgesamt finden vier Fahrgäste im 810 LXL Platz.

Werfen wir noch mal einen Blick ins Bad. Dort gibt es nämlich neben der schon erwähnten Cinderella-Toilette auch eine richtig große Dusche. Die bedient sich an einem 150 Liter fassenden Frischwassertank. Nun ist es häufig so, dass die Heizung nicht mit dem Duschaufkommen Schritt halten kann. Nicht so im 810 LXL. Hier ist ein separater Wassertank verbaut, der mit der Glykol-Heizanlage verbunden ist. Das Frischwasser wird dort vorgewärmt, bevor es in den Warmwassertank des Heizkessels fließt, was eine kontinuierliche Warmwasserversorgung ermöglicht. Das dort und in der Küche verbrauchte Wasser fließt in den 90 Liter fassenden Grauwasser-Tank.

Was den Schweden antreibt

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Auch in der Küche des Travel Master Imperial 810 LXL bleiben keine Wünsche offen.

(Foto: Holger Preiss)

Doch was treibt den insgesamt 8,32 Meter langen Luxusliner an? Die Basis für den Kabe liefert die neueste Sprinter-Generation. Zu erkennen ist das aber weder außen noch im Innenraum - nur am Lenkrad mit dem Stern. Für den Vortrieb sorgt ein 177 PS starker Diesel, dessen Kraft über eine 9-Gang-Automatik an die Vorderräder weitergereicht wird. Die Kraft braucht es auch, denn fahrfertig wiegt der 810 LXL 4,3 Tonnen, das zulässige Gesamtgewicht beträgt 5,5 Tonnen. Leider kann an dieser Stelle nicht gesagt werden, wie sich das Luxus-Schiff auf Sprinter-Basis fährt. Dazu war während der Präsentation keine Gelegenheit.

Fakt ist, dass es nicht ganz einfach ist, sich mit acht Metern Länge sicher im Straßenverkehr zu bewegen. Noch unangenehmer kann es werden, wenn es gilt, das Ungetüm auf einem Campingplatz in den unter Umständen recht schmalen Stellplatz zu bugsieren. Hier sind Rückfahrkamera und Parkpiepser eigentlich unerlässlich.

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Das Einzige, was an den Mercedes Sprinter erinnert, ist das Cockpit mit allen seinen Vorzügen.

(Foto: Holger Preiss)

Was das System zudem bietet, ist eine intelligente Sprachsteuerung, 3D-Grafik, ein Navi mit dynamischer Zielsteuerung und Stauwarnung. Wer dem Navi-Braten nicht traut, der kann auch sein Smartphone über Android-Auto, Apple CarPlay oder Mirror-Link auf dem Display spiegeln. Auch die Fahrassistenzsysteme wie adaptiver Spurhalteassistent, Auffahrwarner und adaptiver Abstandsradar sind natürlich an Bord.

So gesehen könnte die Reise in unbekannte Gefilde eigentlich nur durch eins gestoppt werden: den Preis. Kabe ruft für den Travel Master Imperial 810 LXL in der Grundausstattung 183.215 Euro auf. Insofern ist das schwedische Wohnmobil dann tatsächlich vergleichbar mit einer rollenden Eigentumswohnung. Wer aber das Geld hat, der dürfte mit dem Kabe sehr luxuriös unterwegs sein und auf den Campingplätzen Europas reichlich Bewunderer, aber auch Neider finden.

Quelle: ntv.de