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Das Zelt fürs Auto Mobilurlaub ohne Camper und Wohnmobil

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Dass man immer aus dem Dachzelt gleich ins Wasser springen kann, ist nicht garantiert, aber schlafen kann man darin ganz gut.

(Foto: Uwe Fischer)

Camper und Wohnmobile sind teuer. Wer dennoch die Freiheit des Reisens mit unterschiedlichen Anlaufpunkten genießen möchte, der kann für wesentlich weniger Geld das Auto mit einem passenden Zeltaufbau zum Camper machen. Hier einige Vorschläge.

Urlaub mit dem Caravan oder Wohnmobil ist zurzeit angesagt. Doch was tun, wenn man keine mobile Wohnung kaufen kann oder will? Als Lösung bieten sich Fahrzeug-Zelt-Kombinationen an. Aber auch da gibt es unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Hier ein paar Tipps:

Für Anfänger: Zelt zum Andocken

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Es gibt Autozelte, die sich vor allem bei Kombis als eine Art Wohnraumverlängerung bezahlt machen.

(Foto: Skoda)

Die Zeiten, als man einfach die Rückenlehne des Fahrersitzes umgeklappt hat, um so die Nacht im Auto zu bringen, sind für viele längst vorbei. Man erinnert sich im Zweifelsfall noch an verspannte Schultern und eingeschlafene Extremitäten. Zum Glück war "Rücken" eben sowenig ein Thema wie Komfort.

Mittlerweile gibt es deutlich bequemere Möglichkeiten, das eigene Auto zum Übernachten miteinzubeziehen. Dazu dienen Zelte, die vor die Heckklappe platziert werden und die mittels Schleuse direkt ans Auto andocken; sie ermöglichen, das Platzangebot des Fahrzeugs - etwa den Kofferraum eines Kombis oder eines SUV - einfach zu nutzen. Man muss also nicht aus dem Zelt, um Gegenstände aus dem Auto zu holen.

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Im Falle des Anbauzelts kann der Kofferraum eines Kombis auch als Bett genutzt werden.

(Foto: Skoda)

Die Zelte können oftmals wie etwa das von Skoda angebotene Campingzelt modular um eine Anbau- und Schlafeinheit erweitert werden. Der Aufbau geht in der Regel leicht von der Hand: Hier wird meistens gepumpt (manuell oder elektrisch), statt mühsam Stangen zu sortieren und zu verbinden. Der Abbau gestaltet sich ebenfalls unkompliziert: Ventile öffnen, Luft entweichen lassen und zusammenpacken.

Das Prinzip "Andock-Zelt" funktioniert natürlich auch bei höheren Fahrzeugen wie etwa bei einem VW-Bus. Die Zelte lassen sich entweder am Heck oder seitlich anschließen. Sie sind höher, sodass man in ihnen stehen kann, und eignen sich so auch als Wohn- der Schlafraum. Vorteil: Das Fahrzeug dient lediglich als eine Art Schrank oder Raumteiler auf dem Campingplatz. Hinzu kommt, dass diese Form des Zeltens mit einer Investition von etwa 400 Euro durchaus preiswert ist.

Zeltaufbau für den Pick-up

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Vor allem ein Pick-ups eignet sich ganz hervorragend für einen Zeltaufbau.

(Foto: Mitsubishi)

Wem die Andock-Zeltlösungen zu bodennah sind, der kann auch in die Höhe gehen. Pick-up-Besitzer haben zum Beispiel die Möglichkeit, die Ladefläche mittels des Zelts in einen kleinen Camper zu verwandeln. Die Aufbauten gibt es in verschiedenen Varianten: als klassisches Zelt oder als festen Kabinenaufsatz. Letzterer ist eher für Menschen gedacht, die öfter Abenteuerurlaub planen.

Reicht der Platz auf der Ladefläche nicht: kein Problem. Dafür gibt es wie für den Mitsubishi Pick-up L200 eine Kombination aus Ladefläche- und Dachzelt. Die Schlafkabine ist auf dem Dach, der Wohnbereich reicht über die Ladefläche des L200. Die Mitsubishi-Lösung lässt sich einfach aufblasen, eignet sich somit auch für Gelegenheits-Camper. Pick-up-Zelte sind schon deutlich teurer als die Auto-Varianten. In der Regel werden neu nicht weniger als 3000 Euro verlangt.

Das Dachzelt

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Das Dachzelt ist eine sehr einfache und zweckmäßige Art des mobilen Reisens. Allerdings dürfte eine Fahrt mit vier Personen - wie das Bild suggeriert - eher schwierig sein.

(Foto: Land Rover)

Eine weitere Version eines Aufbaus ist das Zelt für das Fahrzeugdach. Eine vor allem damals in der DDR sehr beliebte Art des Campingurlaubs. Dachzelte gibt es für fast jedes Fahrzeug, ausgenommen Cabrios. Die Hauptsache ist, dass ein Träger des Zelts zur Montage am Fahrzeugdach befestigt werden kann.

Die Zelte werden in verschiedenen Größen angeboten, zum Teil ragen sie über das Fahrzeugdach hinaus. Ganz wichtig ist, die zulässige Dachlast des Fahrzeugs zu beachten. Außerdem dürfen das Gewicht von Dachzelt, Dachträger, Insassen und Gepäck nicht die maximale Zuladung für das Fahrzeug überschreiten.

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Bei den Dachzelten machen sich vor allem Hartschalenmodelle wegen der Stabilität bei der Fahrt und beim Besteigen des Schlafplatzes bezahlt.

(Foto: Mini)

Praktisch sind Schalenmodelle. Hier befindet die Zeltkonstruktion in einer festen Schale ähnlich wie eine Skibox. Auf dem unteren Teil wird geschlafen, das obere Teil wird beim geöffneten Zelt zu einem Teil des Dachs. Ist das Zelt einmal aufs Fahrzeugdach gewuchtet und befestigt, gestaltet sich der Aufbau leicht. Entweder wird der obere Schale mittels Muskelkraft hochgekurbelt oder über Gasdruckdämpfer hochgedrückt. Ein wichtiges Utensil für diese Art des Campens ist eine Leiter, mit der man die Strecke aufs Autodach überwindet.

Wer nicht weiß, ob die Anschaffung für mindestens 1500 Euro eine Investition in die Zukunft ist, der kann ein Dachzelt auch mieten, manchmal sogar gleich mit einem passenden Fahrzeug dazu. So offerieren etwa Land-Rover-Händler den neuen Defender samt Dachzelt zum Mieten.

Das Aufstelldach für Van und Kleinbus

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Der Klassiker ist natürlich das Aufstelldach. Allerdings muss hier ein entsprechendes Fahrzeug vorhanden sein.

(Foto: Malibu)

Wer ein Campingfahrzeug, sei es einen kleinen Van, einen Bus oder einen großen Van, sein Eigen nennt, kann mithilfe eines Aufstelldachs Raum gewinnen. Diese Aufstelldächer bieten meist auf einer Liegefläche von 1,40 Meter zwei Schlafplätze. Bei Nichtbedarf oder während der Fahrt bleibt das Dach unten. Der zusätzliche Raum geht jedoch ins Geld. Je nach Größe des Fahrzeugs muss man mit wenigstens 2000 Euro rechnen.

Das Zelt zum Anhängen

Immer am Mann beziehungsweise am Fahrzeug sind die Zelt-Systeme, die in einem Anhänger transportiert werden, sogenannte Faltcaravans. Das Zelt ist auf einem Trailer verstaut. Der wiederum ist Bestandteil der Zeltkonstruktion und dient in der Regel als Schlafstätte. Die Montage erfolgt je nach Anbieter manuell oder fast automatisch, mittels Luftdruck. Diese Zelt-Variante eignet sich aber aufgrund des hohen Anschaffungspreise von mindestens 10.000 Euro nur für Menschen, die regelmäßig campen wollen. Wer den Luxus einer eigenen Toilette und anderer Annehmlichkeiten sucht, wird sogar bis zu 50.000 Euro bezahlen können. Ein Preis, der schon weit über dem von herkömmlichen Wohncaravans liegt. Erschwerend kommt hinzu, dass man wie bei denen eine Anhängerkupplung und eine größere Unterstellmöglichkeit für die Zeit abseits des Urlaubs benötigt.

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Moderne Faltcaravans bietet zum Beispiel die Firma Trigano an.

(Foto: Trigano)

Ein weiterer Nachteil ist die Aufbauzeit. Die wird zwar von einigen Herstellern optimistisch mit wenigen Minuten angegeben, aber wer vorher nicht trainiert hat, kann schon mal eine Stunde beschäftigt sein. Nicht zu vernachlässigen ist der Abbau im Regen. Nach spätestens zwei Tagen muss das Zelt zum Trocknen erneut aufgebaut werden, sonst droht Schimmel. Aber das gilt natürlich auch für alle anderen Dachzelte.

Der Faltcaravan ist übrigens eine Erfindung, die in der DDR gemacht wurde. Dort wurde er 1950 unter dem Namen "Klappfix" erstmals angeboten. Dank seiner Leichtbauweise ließ er sich sogar an den mit 26 PS wirklich nicht zugstarken Trabant 601 anhängen. Mit der Wende verschwand nicht nur das Werk in Olbernhau, sondern auch das Nachfolgemodell "Camptourist". Unterdessen sind aber wieder unterschiedliche Varianten von Faltcaravans auf dem Markt.

Quelle: ntv.de, hpr/sp-x