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Briefe aus dem Outback IV "Natürlich gibt es auch Risiken"

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Nur selten geht es auf der Land Rover Experience mit solchem Tempo voran, normal sind 10 bis 30 km/h.

(Foto: Busse/Textfabrik)

Mensch und Maschine trotzen gemeinsam den Unbilden der Natur: Hitze, Staub, unwegsame Pisten und umgestürzte Bäume - meist Folge von Buschbränden - fordern die Teilnehmer der Land Rover Experience 2015 im australischen Outback immer wieder heraus.

Das Camp am Koolatong River bietet Raum für Urlaubsgefühle: Jetzt, kurz vor der Regenzeit, ist der Wasserstand niedrig, das steinige Flussbett von Sandbänken durchzogen, die einen idealen Bauplatz für das Nachtlager bieten. In Deutschland war "Swag" das Jugendwort des Jahres 2011, in Down Under bezeichnet es einen Ein-Personen-Schlafschlauch mit durchaus komfortablen Liegeeigenschaften. Inzwischen ist jeder so gut mit der Handhabung seiner Segeltuch-Behausung vertraut, dass das Herrichten nur noch Minuten in Anspruch nimmt. Die Warnung vor den ebenso gut getarnten wie hungrigen Krokodilen hat seine Wirkung nicht verfehlt: Nur wenige wagen sich zur Morgentoilette mehr als knietief und den gemütlich dahin plätschernden Wasserlauf.

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Direkt am Koolatong River haben die Expeditions-Teilnehmer ihre Swag-Zelte aufgestellt.

(Foto: Busse/Textfabrik)

Kaum mehr als 20 Stundenkilometer Durchschnittstempo schafft der in drei Gruppen aufgeteilte Konvoi an diesem Vormittag, die Strecke ist tückischer als erwartet und einzelne Passagen vom letzten Regen so ausgewaschen, das manches Fahrzeug in bedenkliche Schräglage gerät. Eine geologische Besonderheit ist Zwischenziel in dem an sehenswerten Naturschauspielen reichen Northern Territory. Ein Erdfall oder Sinkhole, wie die Einheimischen die schroffe, mehr als 100 Meter tiefe Verwerfung nennen, bindet die Aufmerksamkeit der Offroad-Piloten. Ein durch Wasser hervorgerufener, unterirdischer Hohlraum stürzte schließlich ein – und wurde bei seiner Entdeckung durch einen Buschpiloten 1950 noch für einen Meteoriten-Krater gehalten.

Ein heiliger Ort

Den Aborigines gelten die Sinkholes als heilige Orte, ein weiteres in der Nähe darf von Fremden nicht aufgesucht werden. Nicht einmal von den eigenen Frauen. Die Gesellschaft der Ureinwohner ist heute noch nach archaischen Verhaltensregeln organisiert. Das Organisieren liegt dem Elektro-Ingenieur Steffen Tabke, selbst wenn es schnell gehen muss. Der 29-jährige war eigentlich davon ausgegangen, dass die Australien-Expedition ohne ihn stattfindet.

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Steffen Tabke (29) ist zwar kein Australien-Neuling mehr, aber zum ersten Mal am Sinkhole.

(Foto: Busse/Textfabrik)

"Ich bin erst als Nachrücker in die Endqualifikation gekommen. Der Mitteilungstermin für die Benennung war schon überschritten und ich hatte mir keine Hoffnungen mehr darauf gemacht." Jetzt freut sich Tabke, dass er das Land erneut besuchen kann. Bereits seit seiner Kindheit ist der Ingenieur vom fünften Kontinent begeistert. Als Kind sah er im Fernsehen die Serie um Malcolm Douglas und seine Krokodil-Farm.

Die erste Reise unternahm Tabke mit seiner Freundin vor einigen Jahren. "Wir hatten gemeinsam darauf gespart, uns einen geländegängigen Camper zu mieten und sind die Westküste von Perth nach Darwin raufgefahren. So kommt es auch, dass das Offroad-Fahren im Outback nicht so ganz neu für mich ist, wenngleich hier viel größere Anforderungen an die Autos und an die Leistungen der Fahrer und Fahrerinnen gestellt werden."

Nächste Tour wieder gemeinsam

Jetzt, wo Tabke wieder in Australien ist und sie zu Hause bleiben muss, sieht sie das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn die gemeinsame Reise des Paares endete damals genau dort, wo jetzt die Land-Rover-Experience gestartet ist. "Damit meine Freundin nicht allzu traurig ist, habe ich ihr versprochen, dass wir die nächste Tour Richtung Ostküste wieder gemeinsam unternehmen", verspricht der junge Mann.

Bei der Qualifikation für die Reise haben de Australien-Erfahrungen von Tabke aber keine Rolle gespielt. Vielmehr als die Kenntnisse übe das Land ging es hier um Teamfähigkeit uns soziale Kompetenz. Ein Abenteuer bleibt es für Tabke aber in jedem Fall. "Klar birgt so ein zeitweiliger Ausstieg aus der Zivilisation auch Risiken, aber als aufgeschlossener Mensch, der nicht auf den Kopf gefallen ist, bin ich jemand, der fremde Informationen zu analysieren und ihnen auch zu vertrauen weiß. Ich denke, dass wir uns auf "sicherem" Terrain bewegen. Wir haben jetzt die Aufgabe, uns der Natur und den hier lebenden Menschen gegenüber respektvoll zu verhalten."

Am 29.11. und am 6.12. wird Norman Adelhütte in "PS - Das Automagazin" (immer sonntags um 08.10 Uhr bei n-tv) die Geschichte des Trails durch das Outback im Bewegtbild präsentieren. Ein Roadmovie gibt dann einen detaillierten Einblick in die Land Rover Experience Tour.

Quelle: ntv.de, aufgezeichnet von Axel F. Busse