Auto
Montag, 13. August 2007

"Unverschämtes Abkassieren": Normalbenzin vor dem Aus?

Wegen des immer geringeren Preisunterschiedes von Super- und Normalbenzin fürchten Automobilclubs das Ende des günstigeren Sprits. "Es deutet alles auf die mittelfristige Abschaffung von Normalbenzin hin. Super wird das neue, dann aber teurere Normal", sagte der Präsident des Automobilclubs von Deutschland (AvD), Wolfgang-Ernst Fürst zu Ysenburg gegenüber der "Bild"-Zeitung. Die Ölkonzerne hatten ohne Ankündigung den Preisvorteil von Normalbenzin gegenüber Super halbiert. Seit zwei Wochen beträgt der Abstand nur noch einen Cent.

Ysenburg forderte ein Eingreifen des Kartellamtes. "Dieses unverschämte Abkassierprogramm bedeutet eine neue, eiskalte Abzocke zulasten des Normalverbrauchers." Auch ADAC-Präsident Peter Meyer kritisierte die Ölkonzerne. "Den Mineralölfirmen geht es bei dieser Maßnahme natürlich nur um eines: Ertragssteigerung." Ein anderer Grund für die Verringerung der Differenz sei nicht erkennbar.

Als Grund für die Preisentwicklung nennen die Konzerne die weltweit hohe Nachfrage nach Normalbenzin, das auch als 91-Oktan-Benzin bezeichnet wird. Zeitweise sei Normal auf den internationalen Märkten sogar teurer gewesen als das eigentlich hochwertigere Super mit 95 Oktan. Betroffen von der Preiserhöhung sind vor allem Fahrer einfacherer und älterer Autos, die oft noch mit Normalbenzin laufen. Teure und sportliche Autos sind dagegen eher auf Super oder gar auf das noch teurere Super Plus ausgelegt.

Branchenkenner vermuten seit Jahren, die Ölkonzerne wollten Normalbenzin lieber heute als morgen abschaffen: Der Wechsel auf Super würde zusätzliche Millioneneinnahmen bringen. Gleichzeitig würden die Kosten fallen, weil weniger Zapfpistolen gebraucht würden und weniger getrennte Tanks. Alle großen Konzerne weisen aber diese Spekulation zurück.

Die Mineralölkonzerne sagen, sie wollten in Deutschland weiterhin Normalbenzin mit 91 Oktan an den Tankstellen anbieten. So lange Normalbenzin rund 28 Prozent des Marktes für Otto-Kraftstoffe ausmache, werde diese Nachfrage auch befriedigt, erklärten Sprecher der Unternehmen Shell und ExxonMobil.

Quelle: n-tv.de