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Neustart mit Bewährtem Renault Kadjar holt Design-Punkte

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Die 19 Zoll großen Alufelgen sind Bestandteil der höchsten Ausstattungslinie des Renault Kadjar.

(Foto: Busse/Textfabrik)

SUV-Modelle erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. Zu den bestverkauften Fahrzeugen dieses Segments zählt in Deutschland der Nissan Qashqai. Jetzt will auch Renault etwas vom SUV-Kuchen abhaben - und holt sich für seinen Kadjar Hilfe bei Nissan.

Warum nicht von Partnern lernen? Mit dem Modell Kadjar versucht Renault zum zweiten Mal innerhalb von acht Jahren, im Segment der kompakten SUV zu reüssieren. Entwicklungshilfe leistet die Kooperation mit Nissan. Im neuen Renault steckt viel von einem echten Verkaufsschlager.

Viel bedeutet in diesem Falle rund 60 Prozent, denn so viele Bausubstanz teilen sich die Modelle Nissan Qashqai und Renault Kadjar. Der Franzose, der im spanischen Palencia gebaut wird und demnächst zum Chinesen mutieren soll, wenn das Werk in Wuhan ans Netz geht, trumpft aber selbstbewusst mit einem eigenständigen Design auf. Ab 12. Juni wird er in Deutschland mit drei Motorvarianten starten.

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Etwa 60 Prozent der Produktsubstanz teilt sich der Kadjar mit dem Nissan Qashqai.

(Foto: Busse/Textfabrik)

Crossover- und SUV-Modelle bescheren den Herstellern seit Jahren enorme Wachstumsraten. Der Nissan Qashqai gehört in Deutschland zu den bestverkauften Fahrzeugen seines Segments. Im vergangenen Jahr zählte das Kraftfahrtbundesamt mehr als 24.500 Neuzulassungen. Die Kunden suchen Alleskönner: Die Autos sollen Familienkutsche und Freizeitmobil sein, abseits befestigter Wege souverän vorwärtskommen und als Kombi eine ordentliche Ladekapazität haben. Bei Renault haperte es zuletzt etwas mit der Nachfrage, das Modell Koleos kam nicht so richtig in Schwung. Zwar schätzen die Deutschen Smartphones von Samsung, Autos anscheinend weniger: Das Fahrzeug, das in Asien als Samsung QM 5 verkauft wird, wollten bislang nur etwa 13.600 Kunden haben.

Fast 1,5 Kubikmeter Kofferraum

Diese Zahl dürfte für den Kadjar keine Hürde sein. Das von Laurens van den Acker verantwortete Design fügt sich bündig in die Optik der kürzlich erschienenen Modelle Captur und Espace ein. Blickfang im Zentrum der Frontpartie ist die Renault-Rhombe, Chromspangen dehnen sich nach außen zu den flachen und schräg angesetzten Scheinwerfergläsern. Außer dem LED-Tagfahrlicht flammen hinter den Gläsern als Option auch noch Hauptscheinwerfer in Leuchtdioden-Technik auf. Tief sitzende Nebelscheinwerfer und ein angedeuteter Unterfahrschutz vervollständigen die robuste Erscheinung.

Bei einer Gesamtlänge von 4,45 Metern kommt das Auto auf einen Radstand von 2,65 Metern, was die Voraussetzung für komfortable Platzverhältnisse auf der Rückbank ist. Die Inneneinrichtung wirkt hochwertig, das Gestühl ist auf Anhieb bequem und bietet vorn stabil ausgeformte Seitenpolster, die guten Halt geben. Die asymmetrische Architektur des Cockpits wird von dem schräg angebauten Haltegriff akzentuiert, der auf der Beifahrerseite die Mittelkonsole begrenzt. Die Karosserie ist nur 1,40 Meter hoch, so dass das Fahrzeug mit seiner Bodenfreiheit von 200 Millimetern kaum über 1,60 Meter Gesamthöhe hinaus ragt. Dennoch herrscht auf allen Plätzen ausreichend Kopffreiheit.

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Das Panorama-Glasdach ist ein Highlight im Kadjar.

(Foto: Busse/Textfabrik)

Die praktischen Qualitäten sind unter anderem an einem großen Kofferraum abzulesen. 472 Liter Volumen erlauben es fünf Passagieren, eine Menge Habseligkeiten einzuladen. Legt man die Rücksitze um, entsteht eine ebene Ladefläche, auf der bis unters Dach fast 1,5 Kubikmeter Volumen nutzbar sind. Mittels beweglicher Einlegeböden kann der Raum so aufgeteilt werden, dass Einzelteile in scharfen Kurven nicht herumfliegen und sicher fixiert sind. Nur die mit 78 Zentimetern recht hohe Ladekante kann bei schweren Lasten zu einem Problem werden. Das maximale Zuladungsgewicht ist bei 506 Kilogramm erreicht.

Von den drei Motorversionen, die in Deutschland vertrieben werden, ist eine mit einem elektronisch geregelten Allradantrieb kombinierbar. Wer eine Frontantriebs-Version bestellt, kann auf die Ausstattungslinie "XMOD" ausweichen, die über eine so genannte "Extended Grip"-Option verfügt. Es handelt sich dabei um eine erweiterte Traktionskontrolle, die auch auf schwierigem Untergrund ein Durchdrehen der Räder verhindern soll. Mit einem Drehschalter an der Mittelkonsole kann der Fahrer die Traktionskontrolle an die Erfordernisse des Fahrens auf Sand oder Schnee einstellen.

Einen Drehschalter finden auch die Insassen der Allradvariante in der Konsole. Nach Qashqai-Muster kann zwischen reinem Frontantrieb, einer automatischen Kraftverteilung und einem festen Verhältnis von 50:50 zwischen den Achsen unterschieden werden. Bei Renault Deutschland geht man davon aus, dass etwa ein Viertel der Kunden sich für den Allradantrieb entscheiden wird, was sie automatisch zu Benutzern des 130-PS-Dieselmotors macht.

Souverän jenseits der Straße

Dieser Motor erwies sich im Fahrtest als munter und zugkräftig. Mit immerhin 320 Newtonmetern Drehmoment bringt das 1,6-Liter-Aggregat das knapp über 1600 Kilogramm schwere Fahrzeug in Bewegung, schnurrt dabei unauffällig und kultiviert durch die Kulisse der 6-gängigen Handschaltung. Die gute Geräuschdämmung macht sich dabei ebenso bemerkbar wie das anstrengungsfreie Handling. Die etwas zu leichtgängige Lenkung ist ausreichend präzise, um diesen Kadjar auch in höherem Tempo zielgenau über holperige Schotterpisten zu manövrieren. Rätsel gaben unterwegs weder die übersichtliche Instrumentierung noch das geschmeidig schaltende Getriebe auf. Das Fahrzeug meisterte auch anspruchsvolle Steppen-Passagen bravourös, quittierte diese Leistung aber mit erhöhtem Durst: 7,1 Liter je 100 Kilometer anstelle des EU-Wertes von 4,9 wies der Bordcomputer am Ende aus.

Ebenfalls über 130 PS Leistung verfügt der 1,2 Liter große Vierzylinder-Benzinmotor, den das Einstiegsmodell für 19.990 Euro an Bord hat. Da er jedoch sein Zugkraft-Maximum von 205 Newtonmetern erst jenseits von 2000 Touren entwickelt, wurde er im Praxisbetrieb als nicht annähernd so temperamentvoll empfunden wie das selbstzündende Schwestermodell. In langsamen Passagen und engen Kurven, beim Abbiegen oder an langen Steigungen sollte man deshalb ruhig einen Gangwechsel mehr einkalkulieren, da es sonst an Beschleunigungsvermögen fehlen kann. Für die 110-PS-Dieselvariante bietet Renault alternativ noch ein Doppelkupplungs-Automatikgetriebe an, das jedoch nicht für einen Fahrtest zur Verfügung stand.

Zwar gilt Design als wichtigstes Entscheidungskriterium für SUV-Kunden, doch darauf will man sich bei Renault nicht allein verlassen. Ebenso wie die meisten Wettbewerber fährt der Hersteller auch für den Kadjar ein breites Spektrum an Sicherheits- und Assistenzsystemen auf, die zwar als Einzel-Extras geordert werden können, aber sämtlich in der 33.490 Euro teuren Top-Version verwirklicht sind. Dazu zählen Einparkhilfe vorn und hinten, Notbremsassistent, Verkehrszeichenerkennung, Spurhaltewarner, Navigationssystem und Fernlichtassistent. Für den Aufpreis von 13.500 Euro gegenüber dem Einstiegsmodell sind dann auch noch schick polierte 19-Zoll-Leichtmetallfelgen, ein klangstarkes Bose-Soundsystem, Klimaautomatik, LED-Scheinwerfer sowie eine Leder-/Stoff-Polsterung enthalten.

Quelle: ntv.de