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Die Marke Saab könnte selten werden: Die Schweden stehen vor dem Ende.
Die Marke Saab könnte selten werden: Die Schweden stehen vor dem Ende.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 28. August 2014

"Vage und nicht dokumentiert": Saab droht das Aus

Ende einer Traditionsmarke? Ein schwedisches Gericht lehnt den Antrag auf Gläubigerschutz für Saab ab. Den Autobauer plagen hohe Schulden. Einen nenneswerten Umsatz gab es 2013 praktisch nicht. Die Eigentümer wollen gegen die Entscheidung vorgehen.

Der schwedische Autobauer Saab steht möglicherweise vor dem Aus. Ein Gericht wies den Antrag der Eigentümergesellschaft auf Gläubigerschutz zurück. Die von der Gesellschaft vorgeschlagenen finanziellen Maßnahmen seien "vage und nicht dokumentiert". Die National Electric Vehicle Sweden AB (NEVS), hinter der chinesische Investoren stehen, hatte am Donnerstag Gläubigerschutz beantragt, um ihr Geschäft zu restrukturieren und um sich Zeit für die Gespräche mit potenziellen Investoren zu verschaffen.

Das Gericht merkte jedoch an, dass NEVS nicht über die nötige Liquidität verfüge, um ihren Verpflichtungen während der Restrukturierungsphase nachzukommen.

Entscheidung soll angefochten werden

NEVS-Sprecher Mikael Östlund sagte, man habe die Ablehnung durch das Gericht zur Kenntnis genommen und werde die Entscheidung anfechten. Die Verhandlungen mit zwei großen internationalen Automobilkonzernen über eine gemeinsame Produktentwicklung oder eine mögliche Anteilsübernahme gingen voran. Die Gespräche nähmen jedoch mehr Zeit in Anspruch als ursprünglich erwartet.

In dem Antrag an das Gericht kündigte das Unternehmen seine Pläne an, die Architektur für sein Phoenix-Modell und die damit verbundene Belegschaft und Ausrüstung in eine neue Tochtergesellschaft auszulagern. Die Hälfte der Anteile an dem neuen Unternehmen sollen an eine der Autofirmen gehen, mit denen NEVS derzeit verhandelt. Der dabei herausspringende Erlös würde reichen, um die ausstehenden Verbindlichkeiten zu bedienen.

"Wir beabsichtigen, die Schulden bei unseren Lieferanten voll und ganz zu bezahlen", wurde NEVS-Chef Mattias Bergman in einer Unternehmensmitteilung zitiert.

Im schon lange andauernden Kampf ums Überleben des kleinen schwedischen Autoherstellers hatte NEVS vor zwei Wochen mitgeteilt, dass kein Geld mehr da sei, um die Lieferanten zu bezahlen. Das Unternehmen hatte die ohnehin schon auf Sparflamme laufende Produktion der Saab-Fahrzeuge bereits gestoppt, nachdem es in finanzielle Schwierigkeiten geraten war.

Minus übersteigt Umsatz um das 14-fache

NEVS hatte die Marke Saab 2012 aus der Insolvenz gekauft und die Produktion der Limousine Saab 9-3 in Schweden letztes Jahr wieder aufgenommen. Es wurden nur sechs Fahrzeuge pro Tag gebaut und über das Internet verkauft. Das Unternehmen hatte Pläne für ein Elektroauto, das ab 2014 in China verkauft werden sollte.

Im Antrag an das Gericht vermeldet NEVS für 2013 einen Umsatz von 41 Millionen Schwedischen Kronen, umgerechnet knapp 4,5 Millionen Euro. Der Verlust betrug nach Sondereffekten mit 601 Millionen Kronen ein Vielfaches. NEVS teilte außerdem mit, seiner Besitzgesellschaft, der auf den britischen Jungferninseln registrierten National Modern Energy Holdings Limited, 1,14 Milliarden Kronen zu schulden. Die externen Verbindlichkeiten beliefen sich auf 400 Millionen Kronen.

Das Unternehmen hofft, letzten Endes eine ganze Palette neuer Modelle, die auf der Phoenix-Architektur basieren, auf die Straße zu bringen. Die Entwicklung dieser Architektur begann bereits, als Saab Automobile noch zu General Motors gehörte. Die Amerikaner verkauften Saab 2010 an die niederländische Spyker NV.

Quelle: n-tv.de