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Das das Auto sich im Parkhaus selber seinen Stellplatz sucht wünschen sich viele Autofahrer.
Das das Auto sich im Parkhaus selber seinen Stellplatz sucht wünschen sich viele Autofahrer.(Foto: Daimler AG)
Mittwoch, 30. Mai 2018

Mambo 2018: So findet Herbert heute einen Parkplatz

Von Holger Preiss, Stuttgart

Die Zeit, die Autofahrer pro Jahr für die Suche nach einem Parkplatz aufwenden, ist enorm. Locker geht da eine Arbeitswoche drauf. Klar, dass dafür Lösungen gefunden werden müssen. Einige Ansätze präsentiert Daimler im Mercedes-Museum in Stuttgart.

Die Parkhausschranke einfach mit einer Handy-App öffnen und darüber bezahlen. Auch das wird es bald geben.
Die Parkhausschranke einfach mit einer Handy-App öffnen und darüber bezahlen. Auch das wird es bald geben.

Bereits im Jahr 1984 greinte Herbert Grönemeyer in seinem Song Mambo: "Ich finde keinen Parkplatz, ich komm zu spät zu dir mein Schatz. Du sitzt bei Kaffee und Kuchen und ich such' hier rum." Die Problematik der Stellplatzsuche ist also nicht neu. Vielmehr ist sie nach Auto-Gesichtspunkten nach 34 Jahren ein echter Oldtimer. Heute, so haben Statistiker errechnet, ist es sogar so, dass Autofahrer hierzulande im Jahr gut 55 Stunden mit der Parkplatzsuche verbringen. Das ist mehr Zeit, als ein Arbeitnehmer im Schnitt pro Woche an der Werkbank verbringt. Kein Wunder also, dass auch die Autoindustrie auf der Suche nach Lösungen für diese Problematik ist.

Daimler zum Beispiel hat gemeinsam mit Bosch ein System zum fahrerlosen Parken in Parkhäusern entwickelt. Ja, vorgestellt wurde das sogenannte Valet Parken schon 2017. Aber erst jetzt konnten Journalisten in einem der Testwagen Platz nehmen und sich die Arbeit des virtuellen Fahrers ansehen. Grundlage für die Fahrt auf der Suche nach Parkraum ist eine entsprechende Infrastruktur. Jede Menge installierte Säulen mit Sensoren überwachen den Lauf des Fahrzeuges von außen. Die Steuerung selbst erfolgt durch eine WLAN-Anbindung, nutzt also keine der im Fahrzeug befindlichen Sensoren, Radar oder Kamera. Selbst vor das Auto eilende Menschen werden darüber wahrgenommen und veranlassen das Auto per Bremseingriff zum zackigen Stillstand. Vorteil, das System ist herstellerübergreifend nutzbar, funktioniert also auch bei Autos, die mit der teuren Technik nicht ausgestattet sind.

Immer einen Parkplatz

Bereits im Vorfeld wissen wo ein Parkplatz ist, oder ihn bis zu 30 Tage im Voraus mieten. Auch das wird es in Zukunft geben.
Bereits im Vorfeld wissen wo ein Parkplatz ist, oder ihn bis zu 30 Tage im Voraus mieten. Auch das wird es in Zukunft geben.

Seitens der Fahrer bedarf es also eigentlich nur einer App, die das Auto startet und ohne weiteres menschliches Zutun rollt der Wagen auf den ihm zugewiesenen Stellplatz. Zugegeben, das geschieht noch etwas ruckelig. Die Bremseingriffe sind aus Sicherheitsgründen - wie schon erwähnt - recht heftig und die Fahrt als solches eher betulich. Ein zu vernachlässigender Umstand, denn eigentlich ist ja kein Mensch mehr im Auto. Leider geht das in Deutschland nicht wirklich, denn erst hinter der Parkschranke darf der Fahrer den Wagen verlassen. Eben dann, wenn das Auto auf privatem Grund und Boden autonom chauffiert werden kann.

Hätte also der Herbert seinerzeit schon diese Möglichkeit gehabt, dann wäre er nicht zu spät zu Kaffee und Kuchen gekommen. Aber von einem Parkhaus singt der Bochumer ja gar nicht. Nur darüber, dass er keinen Parkplatz findet. Hier bietet die Mercedes-Tochter Smart Hilfe. Sie hat ihre "ready to"-App, um die Funktion -park erweitert. Auf der Basis der Parkopedia-App kann sich der Nutzer sämtliche Parkmöglichkeiten, Auslastung und Preis pro Stunde anzeigen lassen. Gemeinsam mit den Anbietern coop (Alles für Ihren Einkauf) und ampido (Parkplatz Sharing) wird so auch die Entrichtung anfallender Gebühren möglich. Wer will, kann einen Parkplatz sogar 30 Tage im Voraus buchen. So dass er, wenn er denn bei der Liebsten zum Kaffee-Kränzchen geladen ist, keine Angst haben muss sinnlose Runden drehen zu müssen.

chark.me erledigt alles im Auto

Über chark.me kann man sich die Einkäufe ins eigene Auto liefern lassen.
Über chark.me kann man sich die Einkäufe ins eigene Auto liefern lassen.

Aber 1984 hatte noch niemand ein Smartphone, auch der Herbert nicht. Wenn er es nämlich gehabt hätte, dann hätte er sich mit Sicherheit auch noch die chark.me-App geladen. Noch handelt es sich hierbei um ein Pilotprojekt aus Stuttgart, dass aber schon bald zum Alltag gehören soll wie, ja sagen wir, die Parkplatzsuche. Chark steht für "Change the way you park". Frei übersetzt heißt das "Organisiere deine Wege während du parkst". Über die App wird es möglich in der eigenen Abwesenheit, Dienstleistungen ins Auto zu holen. Zum Beispiel könnten Pakete geliefert oder abgeholt werden. Lebensmittel können bestellt und ebenso durch einen Lieferservice im Fahrzeug verstaut werden. Zudem ist es möglich in der Abwesenheit das Auto waschen zu lassen oder die schmutzige Wäsche an einen entsprechenden Dienstleister zu übergeben.

Das Prinzip ist bei allen Anbietern das gleiche: Über die App wird der Auftrag ausgelöst, ein Zeitfenster festgelegt, in dem die Lieferung erfolgt und der Wagen durch den Überbringer entriegelt werden kann. Die Rückmeldung über die einzelnen Arbeitsgänge erfolgt über die App, sodass der Besitzer des Wagens über alle Schritte informiert ist, bis hin zum Foto. Herbert hätte also die Chance während er Kaffee trinkt noch den Einkauf zu erledigen. Bleibt die Frage was der Spaß kostet. Das ist noch nicht klar. Auch die Bezahlung ist noch etwas kompliziert. Die kann momentan nur über die Seite des jeweiligen Anbieters erfolgen, nicht aber über die App. Ein Umstand der doch sehr leidig ist.

Das junge Team um chark.me betont aber, dass sich das Projekt ohnehin noch in der Erprobung befindet, in der Alpha-Phase also. Bis dato sind 250 Probanden in das Projekt involviert und nutzen die App und deren Vorteile. In den nächsten Monaten soll die Zahl verdoppelt werden. In welcher Form sie am Ende zu den Verbrauchern kommt, welche Partner daran beteiligt sein werden und welche Kosten dem Nutzer entstehen, bleibt abzuwarten. Der Wunsch ist natürlich, dass sich die 55 Stunden Parkplatzsuche im Jahr auf ein Minimum reduzieren und dem Anwender zudem Zeit geschenkt wird. Zeit die er nicht mehr in irgendwelchen Warteschlangen zubringen muss, sondern die er zum Beispiel beim Kaffeetrinken mit der Liebsten nutzen kann. Der er dann auch noch ganz nebenbei den Einkauf besorgen kann.

Quelle: n-tv.de