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Der Knick ist der Clou Stadtfuchs - ein etwas anderes Fahrrad

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Der Stadtfuchs von Urwahn macht im Fahreinsatz seinem Namen alle Ehre.

Es ist schlicht, schick, innovativ und teuer: Stadtfuchs heißt ein Design-Fahrrad, welches nicht nur durch seine Optik beeindruckt. Im Praxiseinsatz verblüfft der flotte Flitzer von Urwahn Bikes auch die Sinne des Fahrers - mit überraschenden Folgen.

Urwahn heißt eine junge deutsche Fahrradschmiede, die mit ihrem Erstlingswerk, dem urbanen Designrad Stadtfuchs, für gewisses Aufsehen inner- und außerhalb der Fahrradszene sorgt. Es ist vor allem die ungewöhnliche Rahmenkonstruktion und ein insgesamt sehr schlichter Stil, der dieses elegante Bike zum Halsverdreher macht. Doch fährt es sich auch so gut wie es aussieht?

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Schick ist der Stadtfuchs auch in der Basisversion ohne Schutzbleche und Gepäckträger.

Für die feine Optik ist vor allem der Rahmen verantwortlich, der nicht nur erfreulich schlank, sondern auch durchdacht ist, denn unter anderem integriert er in besonders schicker Weise Vorder- und Rücklicht. Der Clou der Konstruktion: Sogenannte Verbindungselemente werden im 3D-Druckverfahren hergestellt, was Freiheiten in Hinblick auf die Formgebung erlaubt.

So lassen sich zum Beispiel in das gedruckte Lenkrohr kleine LED-Strahler integrieren, die erfreulich gut den vorderen Bereich ausleuchten. Im Alltag könnte man eigentlich auf einen Zusatzscheinwerfer verzichten, allerdings ist das im Stadtfuchs verbaute Licht nicht StVZO-konform. Das Druckverfahren erlaubt auch die Integration eines Mini-Rücklichts am oberen Ende des Sitzrohrs.

Einzigartiges Konstruktionsprinzip

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Im Lenkrohr sind zwei kleine LED-Leuchten integriert, die für gute Sicht im Dunkeln sorgen.

Der besondere Clou ist allerdings der Knick, den dieses auf halbem Weg zum Tretlager macht und dabei Richtung Hinterrad abbiegt. Dank dieser Bauweise übernimmt das Sitzrohr auch die Aufgabe der Sitzstrebe, die bei klassischen Diamantrahmen eigentlich mit Kettenstrebe und Sitzrohr ein festes Dreieck bildet. Dieses einzigartige Konstruktionsprinzip sorgt nicht nur für einen ungewöhnlichen optischen Akzent, es spart auch Material und damit Gewicht.

Zudem soll sich der Verzicht auf ein starres Dreieck positiv auf den Komfort auswirken, da die laut Urwahn-Günder Ramon Thomas im Vergleich zu klassischen Rahmen "elastischere Konstruktion" Schwingungen aufnehmen kann.

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Auch das kleine Rücklicht ist smart in den Rahmen integriert.

Die im 3D-Druckverfahren hergestellten Elemente werden mit Stahlrohren mit tropfenförmigem Profil zusammengesteckt und verlötet. Am fertigen Rahmen lässt sich diese besondere Bauweise nicht erkennen. Alles ist glatt und formschlüssig, zumal Leitungen für Bremsen und Licht teilweise oder ganz in den Rahmen verlegt wurden. Fast möchte man meinen, der Rahmen wäre aus Carbon gefertigt.

Trotz dieser Stahl- und Steckkonstruktion ist der Stadtfuchs mit zwölf Kilogramm verblüffend leicht. Der Rahmen hinterlässt dabei einen soliden Eindruck. Beim Aufsatteln fühlt man sich sogleich wohl. Man nimmt eine leicht nach vorne gebeugte, sportliche und für längere Fahrten durchaus entspannte Haltung ein.

Auf leisen "Sohlen"

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Als Gangschaltung kommt eine Alfine-Nabe mit elf Gängen zum Einsatz.

Anders als bei der aktuellen Flut neuer Design-Stadträder verzichtet Urwahn (vorläufig) auf einen E-Antrieb. Hier ist noch klassische Beinarbeit der allerdings leichtfüßigen Art angesagt. Angenehm einfach findet man auf den Plattform-Pedalen mit rutschfester Oberfläche Halt und dank einer elfstufigen Alfine-Nabenschaltung auch die für eigentlich jede Fahrsituation passende Übersetzung. Ob gemütliches Cruisen, ambitionierte Temposause oder Anstiege – auf jedem Streckenprofil kommt man locker, spritzig und flott voran.

Besonders verblüfft, wie lautlos der Stadtfuchs dahingleitet. Unter anderem dank CDX-Riemenantrieb bleiben mechanische Geräusche aus, auch die Reifen rollen auf trockenem Untergrund nahezu lautlos ab. Was man während der Fahrt akustisch wahrnimmt, ist lediglich das rhythmische Rutschen des Hosenstoffs auf den Oberschenkeln der Beine.

Wendig und komfortabel

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Die Plattform-Pedale mit rutschfester Oberfläche sind im Alltag sehr hilfreich.

Der Stadtfuchs verblüfft nicht nur akustisch, sondern auch mit seiner Wendigkeit. Zackige Richtungswechsel und das enge Umkurven von Hindernissen machen mit diesem Allrounder richtig Laune, was unter anderem auch dem recht kurzem Radstand geschuldet ist.

Souverän für Verzögerung sorgen die Scheibenbremsen von Tektro, wenngleich Stopper wie etwa die Magura MT4 mit ihrer feineren Dosierbarkeit eine vielleicht passendere Alternative wären. Obwohl man angesichts der Abwesenheit von Federelementen und des puristischen Designs spartanische Härte erwarten würde, fühlt man sich nicht nach jeder Fahrt gebeutelt. Das dürfte auch an der von den Urwahn-Machern proklamierten Elastizität des Rahmens liegen. Ebenfalls für etwas Komfort sorgen auch die Grand-Prix-Urban-Reifen von Continental und der angenehme Ergon-Sattel.

Fazit

Die Komponentenausstattung des Stadtfuchs, die auch ein Nabendynamo von Son und ein im Lenker integriertes GPS-Trackingsystem von Sherlock umfasst, ist weitgehend edel. Angesichts des Preises möchte man dennoch mehr erwarten. Bei 4000 Euro für die Basisversion sollte eigentlich auch eine Rohloff-Schaltung drin sein. Doch der Rahmen, der ausschließlich in Deutschland und mit viel Handarbeit gefertigt wird, ist ein veritabler Kostentreiber. Insofern ist der Stadtfuchs ein Traumrad mit einer besonders individuellen Note, das zumindest in finanzieller Hinsicht seinem künftigen Besitzer einiges abverlangt.

Quelle: ntv.de, sni/sp-x