Die Strahlkraft der ExotenSupersportler als Hingucker
Trotz des Wirbels um Elektromobile und Sparwunder hat der Luxus in Sachen Autos nichts von seiner Anziehungskraft verloren: Supersportwagen und motorisierte Exoten werden auf der IAA viele zum Träumen und wenige zum Kaufen anregen.
Auch in Zeiten von Sparmobilen und Elektromotoren haben Supersportwagen und andere motorisierte Exoten mit reichlich Pferdestärken kaum etwas von ihrer Anziehungskraft verloren. Das trifft zum einen auf jene Autoliebhaber zu, die im echten Leben eher Alltägliches fahren, aber nicht aufhören mögen, von Ferrari und Co. zu träumen. Weil es aber auf der Welt noch genügend Reiche und Superreiche gibt, sind teure und starke Sportwagen für die Hersteller ein lohnendes Geschäft. Daher werden auf der Internationalen Automobilausstellung gleich mehrere Neuheiten dieser Kategorie vorgestellt.
Wie üblich machen die Autobauer im Vorfeld der Messe ein Geheimnis daraus, was sie zeigen. Trotzdem gibt es schon die eine oder andere Information. Offiziell angekündigt ist die Premiere des Mercedes SLS AMG - ein Sportwagen, der nicht weniger sein soll, als die moderne Interpretation des legendären Flügeltürers 300 SL aus den 50er Jahren. Auch der von der Tuning-Tochter AMG entwickelte SLS bekommt daher die nach oben schwingenden und an Flügel erinnernden Türen.
Vielversprechende Ankündigungen
VielsagendeTechnisch allerdings befindet sich der SLS auf aktuellem Niveau. So dient als Antrieb ein Achtzylinder mit 6,3 Litern Hubraum und einer Leistung von 420 kW/571 PS. Damit beschleunigt der Zweisitzer in weniger als vier Sekunden auf Tempo 100, Schluss soll erst bei 315 km/h sein. Der Preis soll nach bisherigen Angaben "deutlich unter 200.000 Euro" liegen - zu hören ist von 165.000 Euro. Weil man momentan aber nicht nur von Leistung und Preisen reden mag, wird als Feigenblatt auch ein elektrischer SLS als Studie vorgestellt.
Nicht ganz so offiziell wie beim SLS sieht es im Hinblick auf die Pläne von Audi aus: Immer wieder wird von einer Spyder genannten offenen Version des R8 berichtet, die auf der IAA Premiere haben soll. Bestätigt wird das zwar noch nicht - trotzdem sind die Aussagen von Audi-Sprecher Josef Schlossmacher in Ingolstadt vielsagend: "Es ist kein Geheimnis, dass wir da was machen. Die Chancen stehen gut, dass in Frankfurt etwas zu sehen sein wird." Das Motorenprogramm dürfte dem des geschlossenen R8 entsprechen, über Preise ist noch nichts bekannt. Ähnlich wie Mercedes mit dem SLS AMG wird Audi vermutlich auch einen elektrischen R8 als Studie zeigen.
Ferrari hat bereits die (Raub-)Katze aus dem Sack gelassen: So wird auf der IAA der Nachfolger des Sportwagens F430 vorgestellt. Der 458 Italia erhält einen Achtzylinder-Mittelmotor mit 4,5 Litern Hubraum und 419 kW/570 PS. Damit soll der Zweisitzer in weniger als 3,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigen und eine Höchstgeschwindigkeit von 325 km/h erreichen. Außerdem gibt Ferrari den Verbrauch optimistisch mit knapp 14 Litern an.
Viel Auswahl für wenige Kunden
Zu dem, was in Sachen Supersportwagen in absehbarer Zeit zu erwarten ist, gehört neben dem Ferrari 458 Italia ein Lamborghini mit der Bezeichnung Gallardo LP 550-2 Valentino Balboni. Das Modell ehrt einen gleichnamigen langjährigen Testfahrer: Das Auto selbst wird in einer auf 250 Exemplare limitierten Sonderserie produziert und trotz 405 kW/550 PS ausschließlich mit Heck- und nicht mit Allradantrieb angeboten. Der Preis soll bei etwas weniger als 200 000 Euro liegen.
Ebenfalls limitiert ist die Grand Sport genannte offene Version des 736 kW/1001 PS starken Bugatti Veyron. Der mehr als 400 km/h schnelle Zweisitzer soll nur 150 Mal gebaut werden und gut 1,6 Millionen Euro kosten. Die ersten 50 Käufer müssen zudem schon einen "normalen" Veyron besitzen.
Fast schon eine unendliche Geschichte ist das Supersportwagen-Projekt der Toyota-Nobelmarke Lexus: Von dem Auto mit der Bezeichnung LF-A werden immer wieder Studien auf den Automessen gezeigt, sogar auf Rennstrecken wurden schon Prototypen gesichtet. Doch Endgültiges gibt es über den Sportwagen mit einem vermutlich 368 kW/500 PS starken Zehnzylindermotor bis heute nicht. Immerhin kursieren schon Gerüchte, dass ein kommender Supersportwagen von Lotus ebenfalls mit diesem Aggregat angetrieben wird.
Wenn diese Autos auf den Markt kommen, bedeutet das eine ziemlich umfangreiche Auswahl für einen derzeit recht begrenzten Kundenkreis. In den Jahren 2007 und 2008 wurden laut dem Automobilforscher Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen jeweils 4500 bis 5500 Supersportwagen in Deutschland verkauft. 2009 werden es voraussichtlich nur noch 2500 sein. "Die Zahl hat sich durch die Krise halbiert."