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Pampersbomber mit Stern T-Klasse - ist das der Luxus-Hochdachkombi?

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Den Metalliclackton Rubellitrot gibt es nur für die Mercedes T-Klasse.

(Foto: Dieter Rebmann)

Die T-Klasse ist mit Sicherheit der letzte Versuch von Mercedes, den Hochdachkombi Citan in die Herzen der Luxus-Zielgruppe zu fahren. Auf Basis des neuen Renault Kangoo hat man in Stuttgart hart daran gearbeitet, den Flair in den City-Titanen zu bringen, den man gemeinhin vom Stern gewohnt ist. Aber reicht das aus?

So richtig gebrummt hat der Mercedes Citan nie. Der aus einer Kooperation mit Renault entstandene Stadtlieferwagen, dessen Basis der Kangoo ist, war trotz aller Bemühungen der Stuttgarter immer mehr Franzose als ein echter Sternenträger. Da half dem City-Titanen, so die Idee des Namen Citan, auch der original McGyver nicht, der vor fast elf Jahren in Spots die Werbetrommel schlug.

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Die Mercedes T-Klasse baut auf dem neuen Renault Kangoo auf.

(Foto: Dieter Rebmann)

Aber auch der Typ, der mit der Büroklammer eine Bombe entschärft und mit dem Sekundenkleber eine Tür öffnet. Oder war es umgekehrt? Egal, auch der konnte nicht verhindern, dass der Citan nicht wirklich in die Erfolgsspur rollte. Schon gar nicht als familientauglicher Hochdachkombi mit dem Beinamen Tourer. Insofern holt Mercedes zu einem letzten Schlag aus, bevor die Zusammenarbeit mit Renault endet, macht den Citan kurzerhand zur T-Klasse und stellt das Ganze unter den Slogan "Life gets big".

Was eigentlich nur heißt, dass die neue T-Klasse Platz für die ganze Familie bietet und dass - man staune - sich bis zu drei Kindersitze auf der Rückbank befestigen lassen. Genau, das können andere Hochdachkombis auch und insofern zeichnet das eine T-Klasse nun wirklich nicht vor der weitaus preiswerteren Konkurrenz aus. Denn, aufgemerkt: Für so einen Pampers-Bomber mit Stern muss die interessierte Familie mindestens 29.315 Euro hinlegen.

Und was ist das Besondere?

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Mercedes hat viel von den digitalen Neuerungen ihrer Pkw in die T-Klasse übertragen.

(Foto: Dieter Rebmann)

Also was ist es dann, das die T-Klasse vor Kangoo, Berlingo und wie sie alle heißen auszeichnet? Da wäre zum Beispiel das serienmäßige MBUX-Infotainmentsystem, das sich zwar auf einem mit 7 Zoll recht bescheidenen Zentraldisplay präsentiert, aber doch weit über dem ist, was hier handelsüblich bei anderen Herstellern verbaut wird. Auch die elektrische Parkbremse, die 17-Zoll-Räder, der schlüssellose Zugang, das Ambientelicht und die Sitzpolster in Ledernachbildung sind feine Beigaben, die dem Stern gut zu Gesicht stehen. Nur muss sich der Interessent darüber klar sein, dass wir hier von den feinen Sachen aus der Optionsliste reden, die allesamt zuzahlungspflichtig sind.

Um da mal kurz eine Zahl aufzumachen: Die hier genannten extra Zutaten - die 17-Zöller ausgenommen - gibt es zusammengefasst mit feinen Zierelementen und Ziernähten sowie elektrischen Fensterhebern in den Schiebetüren für 3633 Euro. Dafür muss man in die Sicherheit nichts mehr investieren. Hier hat Mercedes umfänglich gearbeitet und Reifendrucküberwachung, Mercedes-Benz Notrufsystem und zahlreiche Fahrassistenzsysteme bereits in der Serienausstattung verbaut. Dazu gehören Berganfahr- und Seitenwind-Assistent, Müdigkeitswarner, aktiver Brems-Assistent mit Kreuzungsfunktion, aktiver Spurhalte-Assistent, Totwinkel- und Geschwindigkeitslimit-Assistent.

Der Luxus will bezahlt werden

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Unter dem T 160 sollte man weder beim Benziner noch beim Diesel mit der T-Klasse anfangen. Hier droht eine Untermotorisierung.

(Foto: Dieter Rebmann)

Wer einen Abstands-Assistenten und einen adaptiven Spurhalteassistenten möchte, der muss noch etwas warten, diese Funktion wird es erst im Laufe des Jahres geben. Wer es nicht so mit dem Ein- und Ausparken hat, kann sich für zusätzliche 1107 Euro den Parkassistenten mit Rückfahrkamera in die T-Klasse buchen. LED-Scheinwerfer gibt es wiederum für 988 Euro und eine Anhängerstabilisierung für weitere 676 Euro, denn es dürfen bis zu 1,5 Tonnen an den Haken genommen werden. Wer das alles mitnimmt und sich dann vielleicht auch noch für das wirklich pfiffige Fahrradarretier-System entscheidet, das einfach in die umgeklappten Rücksitzlehnen gehakt wird, der zahlt für seinen Luxus-Hochdachkombi mal locker 36.000 Euro.

Ach, Moment, und hier sprechen wir noch von den 160er-Modellen. Also dem T 160 d, dem Diesel mit 95 PS, und dem T 160 mit 102 PS. Zwei Motorisierungen, die mit Blick auf den Gebrauch einer T-Klasse, die eher im Transport als im Solobetrieb liegt, deutlich untermotorisiert sein dürfte. Diese Annahme ergibt sich auch aus den ersten Testfahrten mit dem T 180. Der schöpft nämlich aus den gleichen 1332 Kubikzentimetern Hubraum des Vierzylinders 131 PS und generiert ein maximales Drehmoment von 240 Newtonmeter. Die Kraft kann bei den leistungsstärkeren Motoren entweder manuell über eine Sechs-Gang-Schaltung verteilt werden oder über ein wirklich sehr charmant arbeitendes Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe.

Keine Eile bitte

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Die drei Sitze in der zweiten Reihe der T-Klasse sind in der Lage, jeweils einen Kindersitz aufzunehmen.

(Foto: Mercedes)

Das kann aber auch nicht verhindern, dass der Antritt mit einer Sprintzeit von mindestens 12 Sekunden auf Landstraßentempo recht behäbig ausfällt. Hinzu kommt, dass das Ansprechverhalten des Triebwerks auf Gasbefehle doch sehr verhalten vonstattengeht und auch die Dosierbarkeit über den rechten Fuß sehr indifferent ist. Und wer es eilig hat, der muss Geduld mitbringen. Denn der T 180 ist im Datenblatt zwar mit einer Höchstgeschwindigkeit von 183 km/h angegeben - ehe die erreicht sind, braucht er aber einige Kilometer Anlauf.

Besser ist es, sich mit Tempo 160 zu bescheiden, denn bei jedem km/h darüber gibt es definitiv keine Reserven mehr. Zudem entwickelt das Triebwerk ab 130 km/h eine nicht zu überhörende Geräuschkulisse, die im Zusammenspiel mit den Roll- und Windgeräuschen auf der Langstrecke nicht wirklich angenehm ist. Die Triebwerke stammen im Übrigen ausnahmslos von Renault. Was dann am Ende aber auch nicht erklärt, warum der Verbrauch im ersten Test trotz sehr verhaltener Fahrweise rund um den Starnberger See bei üppigen 8,3 Litern lag.

Fein abgestimmt

Ein Kompliment muss dem Familientransporter allerdings für sein Fahrwerk gemacht werden. Das nimmt auch bei schnelleren Kurven das Gewicht aus dem Hochbau gut mit und lässt das T dann auch ganz flink ums Eck wuseln. Auch die Lenkung bereitet gemessen an dieser Klasse eher Freude. Sie ist ausreichend direkt und führt den Van wirklich dahin, wo ihn der Fahrer richtungstechnisch platziert. Und am Ende gilt natürlich: Ein Hochdachkombi ist kein Sportwagen und muss auch nicht wie einer fahren.

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Die Zusatzsysteme, wie zum Beispiel die Fahrradhalterung für die T-Klasse, sind wirklich pfiffig.

(Foto: Holger Preiss)

Wichtiger ist da schon ein Stauraum von bis zu 2390 Litern, die sich wahlweise durch die zwei seitlichen Schiebetüren oder die weit aufschwingende Heckklappe bestücken lassen. Und neben den vielen Ablagen und den Klapptischen in der mit üppiger Beinfreiheit gesegneten zweiten Reihe machen natürlich die extra für den Stuttgarter entwickelten Transport- und Freizeitsysteme den Reiz eines solchen Autos aus. Neben dem schon erwähnten Fahrradtransportsystem gibt es eine passende Hundebox, einen Picknicktisch mit vier integrierten Hockern oder eben den Platz für ein Surfbrett. Und wenn wirklich etwas nicht in die T-Klasse passt, dann kann es dank der Dachreling auch aufgeschnallt werden.

Ob das aber in Summe einen Aufpreis von über 3000 Euro gegenüber einem nahezu identisch ausgestatteten Renault Kangoo, der mit allen Schikanen 33.250 Euro kostet, wert ist, das muss der Interessent für sich entscheiden.

Quelle: ntv.de

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