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Lost in Transportation Tokio zeigt die Autotrends

Die Tokio Motor Show ist die Trendmesse unter den großen Autoausstellungen der Welt. Wer wissen will, was übermorgen läuft, kann sich hier die Einblicke für den Ausblick holen. Die Trends des Jahres 2005 heißen: Die Autos passen sich den alternden Gesellschaften an, sie werden immer mehr auf die individuellen Bedürfnisse der Benutzer maßgeschneidert, der Kampf Diesel gegen Hybrid geht erst richtig los und Brennstoffzellen-Autos sind weiter als gedacht.

Dass die großen Industrienationen rapide altern ist bekannt. Es geht nur noch schneller als gedacht. Und sogar China droht dank seiner Ein-Kind-Politik eine rapide Vergreisung seiner Bevölkerung. Die Konsequenzen für die Automobilindustrie sind erheblich. Ältere Menschen suchen andere Autos als jüngere. Besondere Anforderungen werden zum Beispiel an das Ein- und Aussteigen gestellt. Also zerbrechen sich die Designer weltweit den Kopf über Türsysteme und Einstiegshilfen. Konventionelle Klapptüren scheinen jedenfalls mittlerweile Tabu zu sein. Angesagt sind gegenläufig öffnende Türen (ohne Mittel- oder C-Säule) sowie Schiebetüren. Beispiele sind der Nissan Foria oder der Mazda Senku. In allen Fällen wird die Öffnung zum Betreten des Fahrzeugs größer. Zusätzlich entwickeln die Hersteller Sitzsysteme, die sich nach außen drehen und weitergehende Verrenkungen ersparen. Man lässt sich einfach reinplumpsen. Den Rest erledigt die Mechanik.

Noch weiter geht Toyota. Mit dem i-Swing wird das Konzept des Autos zum "Personal Mobility Tool" weiterentwickelt. Mobil bleiben außerhalb des Autos, auch wenn man schlecht zu Fuß ist – das ist das Motto. Zwei- oder dreirädrig, elektrogetrieben durch die Innenstadt – so könnte die Zukunft aussehen. Und damit auch niemand auf die Idee kommt, im i-Swing einen modernen Krankenfahrstuhl zu sehen, wird er hip auf jugendlich getrimmt. So kann die Nintendo-Generation auf großen LED-Displays in kommunikativen Austausch miteinander treten. Die Steuerung mehrerer i-Swings können sogar gekoppelt werden, was choreographisch interessante Herausforderungen stellt. Andersherum: Ein Tanztee mit gekoppelten i-Swings könnte irgendwann auch für Oldies reizvoll sein.

Kommen wir zu den technischen Hardnews. Hier wird weiter erbittert um die optimale Antriebsform gerungen. Toyota, der mittlerweile zweitgrößte Hersteller der Welt, geht bei seinem Heimspiel konsequent den Weg Richtung Hybrid-Antrieb weiter. In Tokio wurde der GS 430 h vorgestellt, womit die Koppelung von Elektro- und Benzinmotor auch in der gehobenen Mittelklasse Einzug hält. Demnächst auch bei uns zu haben. Der Hybrid-Hype hat mittlerweile alle Hersteller erfasst und so ist auf jedem Stand mindestens ein Hybrid-Fahrzeug zu sehen. Viele davon sind allerdings noch Lichtjahre von der Serienreife entfernt, wie der Mazda Premacy HRE hybrid. Er koppelt einen Wankelmotor, der sowohl mit Benzin als auch mit Wasserstoff betrieben werden kann, mit einem Elektromotor als Anfahrhilfe. Das zeigt, was in Zukunft möglich sein könnte, ist aber in der Konsequenz Unsinn: Ein Wasserstoff-Motor muss nicht mehr mit einem Hybridkonzept verbunden werden, denn der Effekt der Emissionsminderung ist beim Wasserstoffantrieb ohnehin zu 100 % erreicht.

Was die Reduzierung des Schadstoffausstoßes angeht, gehen die Deutschen bekanntlich einen etwas anderen Weg – den aber konsequent. Das Zauberwort heißt Diesel. Diese ökonomischen Motoren blasen von Hause aus rund 20 % weniger CO2 in die Atmosphäre, belasten die Luft aber zugleich mit Feistaubpartikeln und giftigen Stickoxyden. Mit Partikelfiltern lässt sich zwar der Staub minimieren, gegen die Stickoxyde helfen sie allerdings nicht. Doch auch in die Auspuffanlagen der Diesel soll demnächst buddhistische Reinheit einziehen und zwar mit einer Technik, die bereits bekannt ist: Ad Blue. Gemeint ist damit ein Harnstoff-Zusatz, ähnlich dem, wie in die Franzosen vor Jahren eingeführt haben und wie er seit 2004 in viele LKW-Motoren Einzug hält, unter anderem die von Mercedes-Benz. Mercedes-Chef Dieter Zetsche war es dann auch, der in Tokio die Marschroute vorgab: Mercedes-Diesel sollen in Kürze so sauber sein, wie die saubersten Benziner. Und er brachte auch gleich das erste Exemplar mit: Ein E 280 CDI, der mittels Ad Blue, Partikelfilter und katalytischer Abgasreinigung alle kommenden Schadstoffnormen locker unterbietet. Die Produktion kann in Kürze beginnen und Mercedes will damit nicht nur den US-Kunden den Diesel endgültig schmackhaft machen sondern auch den extrem Diesel-feindlichen japanischen Markt erobern.

Und noch ein Highlight hatte Zetsche im Gepäck: Den F 600 Hygenius. Ein Prototyp mit Brennstoffzellenantrieb, der zeigt, wie erstaunlich weit die Wasserstofftechnik mittlerweile entwickelt ist. Die Maschine leistet 85 Kilowatt bei 350 Newtonmetern Drehmoment. Mit anderen Worten, dieses Auto marschiert wie ein guter Vierzylinder-Diesel aus gleichem Hause. Die Reichweite beträgt 400 km und der F 600 ist mit allen Komfort- und Sicherheitsmerkmalen ausgestattet wie andere Mercedes-Limousinen auch. Damit zeigen die Stuttgarter in Tokio das erste Brennstoffzellen-Auto, das in allen relevanten Daten mit konventionellen Fahrzeugen mithalten kann. Die Zukunft ist also in Tokio wieder einen Schritt näher gerückt.

Christof Johann

Quelle: n-tv.de