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Altes Blechkleid, neue SicherheitVespa GTS 300 Super bleibt liebenswert

30.04.2014, 10:42 Uhr
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So soll eine Vespa aussehen: Die GTS 300 Super hat sich äußerlich nur dezent verändert. (Foto: Vespa)

Seit ihrem Erscheinen 2008 dominiert die Vespa GTS 300 Super den Markt der Kraftroller in Deutschland. Jetzt hat sie ein leichtes Update erhalten - und endlich auch ein wichtiges Sicherheitsfeature.

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5790 Euro kostet der überarbeitete Roller. (Foto: Vespa)

Erfolgreicher als die Vespa GTS 300 Super war in den letzten Jahren in Deutschland kein anderer Kraftroller: Mehr als 10.500 Neuzulassungen belegen, dass die Deutschen die stärkste und größte Vespa aller Zeiten ins Herz geschlossen haben. Über 2600 Stück kamen allein 2013 neu hinzu, mehr als je zuvor. Und das, obwohl die GTS 300 Super erstens mit zuletzt 5390 Euro nicht billig und zweitens nie ein perfekter Scooter war: das Helmfach arg klein, die Federelemente nicht besonders haltbar, der rostanfällige Auspuff, die Fahreigenschaften im Vergleich zu anderen 300er Rollern nur so lala. Aber sie war und ist halt eine Vespa. Wer mit einem kompakten, auch für Überlandfahrten halbwegs geeigneten Motorroller liebäugelt, wird sie fast zwangsläufig in Betracht ziehen. Im Mai schickt der italienische Hersteller Piaggio jetzt die 2014er Version zu den Händlern, optisch ist sie nur dezent aufpolierte, technisch allerdings gibt es wichtige Veränderungen.

Die sichtbaren Neuerungen gegenüber dem bisherigen Modell sind erst auf den zweiten Blick erkennbar, und auch dann nur von Vespa-Experten. Geänderte Blinker vorne mit jetzt integrierten LEDs und ein anderes Rücklicht mit Chromeinfassung und ebenfalls LEDs, eine leicht modifizierte "Krawatte" - so nennt man bei Vespa den länglichen Kunststoffeinsatz in der Mitte des Frontschilds – und eine neue Instrumenteneinheit im Stil der jüngst präsentierten Primavera.

Auf den Aufkleber kommt es an

Am wichtigsten aber ist ein kleiner Aufkleber an der Verkleidung der vorderen Schwinge: ABS/ASR. Dezent weist er darauf hin, dass die neue GTS in allen Motorisierungen ab sofort über ein Zweikreis-ABS für Vorder- und Hinterrad sowie über eine Schlupfkontrolle fürs Hinterrad verfügt. Wer unbedingt will, erhält auch eine GTS 300 Super "ohne". Dann kostet sie 5490 Euro statt der sonst fälligen 5790 Euro.

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Sicherheitstechnisch hat Piaggio seinen Roller aufgerüstet. (Foto: Vespa)

Das neue ABS stammt von Continental Automotive und ist auf der Höhe der Zeit. Ein Druckmodulator überwacht Vorder- und Hinterrad separat und regelt den Bremsdruck, falls die Radsensoren der Zentraleinheit eine Radblockade melden. Das funktioniert dezent im Hintergrund, ganz so, wie es heute bei Motorrädern längst Stand der Technik ist. Die mit dem ABS verbundene Traktionskontrolle nimmt, vereinfacht gesagt, "das Gas raus", wenn das Hinterrad etwa auf schlüpfrigem Untergrund durchzudrehen beginnt. Zumindest schadet das System nicht, und wer viel auf Kopfsteinpflaster fährt, wie es in Rom oder Mailand der Fall ist, wird das ASR schätzen.

Die Bremse an sich reicht für Otto Normalfahrer gut aus, ohne aber ein Highlight zu sein: Die hintere Bremse, durch den linken Handhebel betätigt, wirkt ausreichend kräftig, während die vordere sehr viel Handkraft benötigt, um das Vorderrad in die Nähe der Blockiergrenze zu bringen. Falls es dann wirklich gelingt, regelt das ABS aber feinfühlig.

Wohin mit den Helmen?

Neu für die GTS ist die schon in der Primavera verbaute Vorderradführung mit dem Kürzel ESS. Sie macht ihre Sache spürbar besser als die frühere Schwinge, so dass man mit dem Fahrverhalten auch auf schlechten Straßen zufrieden sein kann.

Der Motor der GTS 300 Super besitzt einen Zylinder und 278 Kubikzentimeter Hubraum, leistet unverändert 21,5 PS, läuft sanft, zieht brauchbar und konsumiert - von der Fahrweise abhängig - zwischen 3,0 und zumeist 3,8 Liter Super pro 100 Kilometer.

Vollkommen unverändert gibt sich das Blechkleid der GTS. Vorteilhaft daran ist fraglos, dass diese Vespa so aussieht, wie sie schon immer aussieht. Genau das kann man allerdings auch anders sehen, vor allem, seit Vespa vor kurzem das kleinere Modell Primavera vorgestellt hat, das deutlich frischer und irgendwie auch pfiffiger wirkt. Denn das Beharren auf der GTS-Karosse bringt in einem Punkt zudem einen echten Nachteil mit sich: Das schon immer zu kleine Helmfach verdient auch heute seinen Namen nur für die Träger italienischer Miniaturhelme. Von denen passen jetzt, nach eingehender Überarbeitung des Untersitz-Stauraums, zwar zwei in das nun recht lange Verließ, aber herkömmliche Jet- oder gar Integralhelme in für mitteleuropäische Schädel passenden Größen müssen auch weiterhin draußen bleiben.

Aber alles in allem ist sie liebenswert, die neue Vespa GTS 300 Super. Und die Italiener haben sie technisch auf jeden Fall verbessert, auch wenn die GTS nach wie vor ein Stück von der Perfektion entfernt ist. Aber hat es die seit Jahren stark wachsende Zahl von Harley-Fans je gestört, dass es bessere Motorräder gibt? Harley fahren ist Lifestyle. Vespa fahren ebenso.

Quelle: ntv.de, kse/sp-x