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Bescheidenheit im neuen Audi A8 Wohnzimmer auf Sparkurs

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Dieser Audi will neue Maßstäbe in der automobilen Luxusklasse setzen. Der A8 wurde dazu kräftig aufgerüstet.

Audi hat ein neues Flaggschiff. Der A8 zeigt sich als opulentes Luxusgeschöpf, das aber auch sparsam sein kann, zumindest im Verbrauch. Ansonsten bleiben aber so gut wie keine Wünsche offen. Ein Auto wie ein Model: Leicht, schön und teuer.

Früher war irgendwie vieles einfacher. Die Welt der Oberklasse-Automobile war eine klar eingeteilte. Den Abteilungsleitern waren höchstens obere Mittelklasse-Limousine à la 5er BMW, Mercedes E-Klasse oder Audi A6 erlaubt. Dem Management blieben die Oberklasselimousinen vorbehalten, aber nur die Achtzylinder. Und der Geschäftsführer oder Inhaber fuhr (oder wurde gefahren) im Zwölfzylinder mit Vollausstattung. So simpel war die automobile Oberschicht strukturiert.

Heute stört da leider ein Problemchen diese kleine, feine Welt der Eitelkeiten. Da wäre diese lästige Debatte über Spritschlucker und Benzinverschwendung. Zwar gehören Besitzer von Oberklasselimousinen nicht zu den Leuten, die in den Geldbeutel schauen, bevor sie eine Tankstelle ansteuern. Da wird höchstens eine Tankkarte rausgeholt, der Betrag vom Firmenkonto abgebucht. Aber man ist doch irgendwie unangenehm berührt von den abfälligen Blicken und dem schlechten Image, das die kolossalen Automobile so mit sich bringen.

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Beim Antrieb setzt Audi vornehmlich auf Allrad. Damit will man die sportliche Attitüde der Limousine betonen. Nur die Sparversion des Drei-Liter-Diesel wird es mit Frontantrieb geben.

Nein, es hilft alles nichts. In Zeiten von Wirtschaftskrisen und Nachhaltigkeitsdebatten sind die Anforderungen einfach anders. Und Bescheidenheit wird zu einem Gütesiegel. Das ist auch bei den Herstellern von Luxuslimousinen angekommen. Daher hat sich der Schwerpunkt der Entwicklung verlagert. Im Innenraum muss noch mehr geklotzt werden als früher. Dafür ist bei den Motoren auf Sparsamkeit zu achten. Ein Normverbrauch jenseits der 15 Liter, was die Zwölfender älterer Bauart, wie sie in der Branche auch genannt werden, früher locker schafften, ist heutzutage nicht mehr gut zu verkaufen. Die Konkurrenz protzt schon mit sparsamen Antrieben im Siebener und einem Mild-Hybrid in der S-Klasse.

Spar-Diesel kommt im Herbst

So erklärt sich der Ansatz von Audi, beim A8 zur Premiere nur mit einem Sechszylinder und zwei Achtzylindern an den Start zu gehen. Der kleinere Diesel hat drei Liter Hubraum. Im Herbst wird es noch sparsamer, denn dann kommt der Drei-Liter-Diesel als Sparversion. 204 PS bringt der TDI dann mit, verbraucht aber nur noch sechs Liter auf 100 Kilometer und bringt 159 Gramm CO2 pro Kilometer in die Luft. Das sind durchaus erstaunliche Werte für ein Fahrzeug dieser Klasse, die auch von der neuen, serienmäßigen Achtgangautomatik von ZF unterstützt wird.

Generell haben sich die Audi-Ingenieure aber beim A8 sehr viel Mühe gegeben, den Durst der Limousinen im Zaum zu halten. Alle derzeit bekannten Motoren haben ein Bremsrekuperationssystem an Bord. Geht der Fahrer vom Gas oder bremst, dann wird die dadurch erzeugte kinetische Energie zum Laden der Batterie benutzt. Diese ist besonders geeignet für ständiges Auf- und Entladen. Wird wieder Gas gegeben, dann steigt die Spannung des Generators und er wird durch die gewonnene Energie angetrieben, was den Verbrennungsmotor entlastet. Audi verspricht eine Ersparnis von 0,1 Liter auf 100 Kilometer.

Start-Stop auch im tiefsten Winter

Neu ist auch ein Start-Stop-System, das beide Drei-Liter-TDI-Motoren an Bord haben werden. Diese Technik in Kombination mit einer Automatik ist bisher nicht oft auf dem Markt zu finden. Auf der Probefahrt erweist sich die Technik aber als sehr praktisch. Wird das Bremspedal an der Ampel gedrückt gehalten, dann schaltet sich der Motor ab. Bei Lösen der Fußbremse startet der Motor wieder. Bei Gefällen bis zehn Prozent hält das Auto selbsttätig die Position, ohne dass der Fahrer eingreifen muss.

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Vor allem den Innenraum hat Audi deutlich aufgewertet. Hochwertige Materialien kombiniert mit einer exzellenten Verarbeitung.

Audi verspricht, dank einer starken Batterie, dass diese Funktion auch bei sehr niedrigen Temperaturen funktionieren soll. Das konnten wir nicht nachvollziehen, da Spanien solche Minusgrade nicht zur Verfügung stellen konnte. Nur in der Warmlaufphase wird die Funktion abgestellt. Die Ersparnis soll bei 0,4 Liter pro 100 Kilometer im Normzyklus liegen. Der neu entwickelte Motor selbst wurde kräftig abgespeckt. 194 Kilogramm bringt er auf die Waage. Das sind 23 Kilogramm weniger als sein Vorgänger.

Leichtbau und seine Grenzen

Das Sparprogramm beginnt aber schon bei der Karosserie. Diese ist in ihrer Grundkonstruktion aus Aluminium. Damit hat Audi im Vergleich zu einer Stahlkonstruktion 40 Prozent Gewicht gespart. Dennoch ist der A8 kein Leichtgewicht. Leer bringt er 1835 Kilogramm auf die Waage (4.2 FSI). Der Grund dafür ist allerdings weniger in der Karosserie als in der Vielzahl der technischen Helferlein zu suchen, die mit ihren unzähligen Elektromotoren eben auch ihr Gewicht in die Waagschale werfen.

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Auf dem Fahrerplatz darf man sich ein bisschen wie an Borsd eines Düsenjets fühlen. Der Hebel für die Automatik ist gleichzeitig eine Ablage für das Handgelenk bei der Bedienung des Multimediasystems.

Der größte Spritverbraucher sitzt aber immer noch hinter dem Lenkrad. Diese Regel gilt auch für den A8. Unsere Testfahrt mit dem Drei-Liter-TDI ergab genau dieses Bild. Ein Verbrauch von rund sieben Litern war machbar, aber nur bei einer hohen Sensibilität im Gasfuß. Bei normaler Gangart waren es eher zwischen acht und zehn Litern. Wenn das adaptive Fahrsystem von "Comfort" auf "Dynamik" umgestellt wird, dann kann daraus auch noch deutlich mehr werden.

Unaufdringliche Kraft

Nun ist ja aber aus oben genannten Gründen der Verbrauch nur eines der Kriterien. Viel wichtiger ist aber, dass sich das Auto, mit einem Gewicht hart an der Zwei-Tonnen-Marke, auch gut fahren lässt. Das kann selbst mit der derzeit kleinsten Motorisierung uneingeschränkt bestätigt werden. Die 550 Newtonmeter des Selbstzünders schieben das Auto ordentlich nach vorne. Agil nimmt er schnelle Ecken und beim Beschleunigen zeigt er fast Sportwagenqualitäten. Der A8 ist mit dem Sechszylinder mit 250 PS absolut ausreichend motorisiert. Es ist schon gut vorstellbar, dass auch der abgespeckte Spar-Diesel ordentliche Dienste leistet. Die Lenkung ist leichtgängig, zeigte sich aber in den schweren Fahrzeugen mit größeren Motoren etwas schwergängiger.

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Schon mit dem "kleinen" Diesel sind die Fahrleistungen des A8 beeindruckend. Kein Wunder bei 550 Newtonmeter Drehmoment. Der große Diesel mit 4,2 Litern Hubraum bietet gar 800 Newtonmeter.

Im Fahrverhalten zeigt sich der A8 absolut als Gentlemen. Der Motor ist im Innenraum kaum zu hören, Windgeräusche sind selbst hoher Geschwindigkeit ebenfalls kaum wahrnehmbar. Allerdings fielen durchaus nicht zu verachtende Abrollgeräusche der Reifen auf. Nicht tragisch, aber hörbar. In Kurven, die der Allrader wie auf Schienen durchfährt, wird er gelegentlich etwas unruhig auf der Vorderachse und gibt Vibrationen nach innen weiter. Auch das nicht tragisch, aber bei einem Luxusauto erwähnenswert. Zumal sich der A8 schon immer sportlicher definiert hat als seine Konkurrenten.

Sitze als technische Wunderwerke

Um das Bild vom neuen A8 abzurunden, werfen wir noch einen Blick in den Innenraum. Da hat sich Audi im Vergleich zum Vorgänger deutlich verbessert. Materialauswahl und Verarbeitung sind absolut makellos. In der höchsten Ausstattungsvariante zieren wunderschöne Echtholzapplikationen aus Esche das Armaturenbrett, die sehr schön mit dem doppelt genähten Leder unter der Windschutzscheibe harmonieren.

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Der neue A8 hat in jedem Fall das Potenzial sich in der anspruchsvollen Oberklasse zu behaupten.

Eine Geschichte für sich sind die Hightechsitze, die die Ingolstädter auf Wunsch in ihrer Oberklasselimousine verbauen. Nahezu jedes Bauteil dieser Wohnzimmersessel ist einstellbar, die seitenführenden Polster ebenso wie die Schulterstücke oder die Wangen der Sitzfläche. Damit wird eine ausgesprochen bequeme Sitzposition ermöglicht. Das Ganze wird dann noch durch die optionale Massagefunktion getoppt, die mit fünf verschiedenen Programmen die Besatzung des vorderen Gestühls verwöhnt.

Innovatives Multimediasystem

Einen Quantensprung hat Audi mit der neusten Generation des Multimediasystems MMI hingelegt. Dort bündeln sich alle möglichen Funktionen des Autos in einer Technikzentrale, die den Fahrer mit Informationen fast überschüttet. Dennoch ist das System recht leicht zu bedienen. Grundlegende Funktionen, wie Navigation, Telefon oder Audiosystem sind schnell auffindbar und lassen sich auch ohne ein Auswendiglernen des Handbuchs schnell erfassen. Zu den Highlights gehören die Integration von Google-Earth-Daten in das Navi und das Lautsprechersystem von Bang&Olufsen. Das MMI in seinen ganzen Funktionen zu erläutern, würde aber den Rahmen dieser Vorstellung sprengen.

Die Kosten für diesen ganzen Luxus beginnen mit 72.200 Euro für den Drei-Liter-Diesel. Benziner und Diesel mit je 4,2 Liter Hubraum kosten dann schon 89.300 und 90.800 Euro. Die Serienausstattung ist dabei recht umfangreich. Leder, MMI, Tempomat und Achtganggetriebe sind immer an Bord. Dennoch lassen sich die Kosten fast beliebig nach oben treiben. Die Luxussitze mit Massagefunktion kommen beispielsweise auf insgesamt 4310 Euro. Wer die schöne Design-Kollektion für den Innenraum mit Eschenholzeinlagen und braunem Leder ordert, wird dafür mit 14.440 Euro den Preis eines ordentlichen Kleinwagens drauflegen müssen. Den Bang&Olufsen-Sound gibt es für 6500 Euro. So werden wohl die wenigsten A8 das Werk für einen Preis unter 100.000 Euro verlassen.

Keine Frage, Audi ist mit dem A8 ein sehr guter Wurf gelungen. Das Auto hat sich in schier zahllosen Einzelheiten verbessert und kann so in der Summe selbst in der anspruchsvollen Oberklasse Maßstäbe setzen. Schade nur, dass es Audi verpasst, dem Ganzen noch die Sparsamkeitskrone aufzusetzen und schon beim Start einen Spar-Diesel oder das Hybrid-Fahrzeug zu zeigen, das ab 2012 kommen soll. Vorher wird aber der Zwölfzylinder diejenigen Top-Manager und Firmeninhaber beglücken, die sich nicht vom Statussymbol lösen können. In jedem Fall müssen sich die Konkurrenten aus München und Stuttgart warm anziehen, denn dieser Audi wird so manchen Fahrer eines Siebeners oder einer S-Klasse zum Nachdenken bewegen.

Quelle: n-tv.de