Praxistest

Premium aus Korea Hyundai Santa Fe - alte Tugend neu verpackt

Noch zeigt der neue Hyundai Santa Fe nicht die Kante, die künftig das Design bei den Koreanern bestimmen wird. Und das ist gut so, denn damit verbindet das mächtige SUV alte Tugenden mit neuer Technik und zeigt sich im ntv.de-Praxistest als eine, wenn auch etwas durstige, Premium-Alternative.

Ob es Glück oder Unglück ist, dass der Hyundai Santa Fe sich noch nicht dem neuen Design der Koreaner unterwerfen musste, liegt im Auge des Betrachters. Denn wohin die Reise geht, hat Hyundai mit dem Tucson und dem Ioniq 5 gezeigt. Hier dominiert die Kante, während der Santa Fe von einer eher gefälligen Linienführung geprägt ist. Einzig der mächtige Kühlergrill mit Integrierten Hauptscheinwerfern und einem "Lidstrich" in Form des LED-Tagfahrlichts lässt das 4,79 Meter lange SUV hier ausbrechen. Doch ohnehin hätte der Interessent eine Wahl, wenn ihm das Blechkleid des Santa Fe nicht pässlich wäre. Er könnte sich kurzerhand für den Konzernbruder Kia Sorento entscheiden, der dem Santa Fe technisch sehr ähnlich ist.

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LED-Licht gehört auch beim Hyundai Santa Fe zum technischen Standard.

(Foto: Holger Preiss)

So wundert es nicht, dass auch unter der mit Powerdomes bewährten Haube des Hyundai Santa Fe der neue 2,2-Liter-Diesel mit 202 PS werkelt, der auf nachdrücklichen Wunsch des Fahrers ein maximales Drehmoment von 440 Newtonmetern an alle vier Räder weiterreicht. Wie die Kraft dargeboten wird, wird nicht nur über den Gasfuß entschieden, sondern auch über den Drehsteller in der Mittelkonsole, der neben den Fahrmodi Eco, Comfort, Sport und Smart auch über den Grip bei verschiedenen Untergründen wie Schnee, Kies oder Schlamm entscheidet. Wem das ständige Kurbeln am Rädchen zu viel ist, der hat über die Einstellung Smart die Möglichkeit, das System je nach Fahrstil entscheiden zu lassen, welcher Fahrmodus der momentan beste ist.

Ein echter Langläufer

Doch während der Treibsatz, gekoppelt an eine neue Achtgang-Automatik im Zusammenspiel mit den Fahrmodi, echte Fahrfreude aufkommen lässt, entspricht der Verbrauch beim Einlaufen in die Tankstelle nicht ganz den Versprechungen der Koreaner und auch nicht den Erwartungen des Testers. Unter acht Litern ist hier nichts zu machen. Auf der Langstrecke fordert der Vierzylinder-Diesel trotz eines neuen Einspritzsystems mit 2200 bar sogar weit über neun Liter. Das ist im Vergleich zu anderen Selbstzündern dieser Leistungsklasse nicht wenig. Schade eigentlich, denn ansonsten hat der Koreaner alles, was einen echten Langläufer auszeichnet: etwa hervorragende Polster, die auch nach 600 Kilometern am Stück dem Fahrer nicht das Gefühl geben, er müsse sich jetzt über Stunden entfalten. Vielmehr laden sie dazu ein, weitere 300 Kilometer zu verweilen.

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Mit 4,79 Metern ist der Santa Fe neun Zentimeter länger als ein Skoda Kodiaq.

(Foto: Holger Preiss)

Auch das Ansprechverhalten des Treibsatzes erfreut - in knapp neun Sekunden ist Landstraßentempo erreicht. Erst bei Tempo 205 ist laut Datenblatt Schluss. Wer es wirklich mal wissen will, kann unter einem leichten Reizhusten fast 210 km/h schnell werden. Der Husten wird übrigens nicht beim Fahrer ausgelöst, sondern wie schon bei den Vorgängern wird hier über die Einspritzanlage abgeregelt. Dem Motor wird also schlicht und ergreifend die Versorgung mit Treibstoff gekappt, so dass er einfach nicht mehr schneller werden kann. Denn das Potenzial wäre zweifelsohne da, allerdings würde der Verbrauch dann wohl auch in den zweistelligen Bereich klettern.

Achtung bei Verkehrszeichen

Nun, wie dem auch sei, die beste Reisegeschwindigkeit liegt ohnehin auf den freien Strecken irgendwo zwischen 150 und 180 km/h. Hier fühlt sich nicht nur der Motor wohl, sondern auch die Insassen. Die Geräuschkulisse des Antriebs ist ebenso verhalten wie die Wind- und Rollgeräusche. Und das trotz der mächtigen 20-Zoll-Räder, die dem Santa Fe einen wirklich imposanten Stand geben. Wer nun aber so beschwingt unterwegs ist, der möge neben den durch die Verkehrszeichenerkennung auf Wunsch auch in ein Head-up-Display projizierten Geschwindigkeiten die Verkehrszeichen im Blick behalten. Ganz sattelfest schien die Technik beim Erkennen der Vorgaben am Straßenrand jedenfalls nicht. Entweder begrenzte er das Tempo länger als nötig oder er ließ den Piloten fahrlässig schnell in eine Begrenzung düsen.

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Der Innenraum des Hyundai Santa Fe hat etwas Edles, ist ein wenig nostalgisch und doch hochmodern.

(Foto: Holger Preiss)

Ansonsten muss über die reichhaltig vorhandenen Assistenzsysteme kein böses Wort verloren werden. Da ist zum Beispiel der Autobahnassistent, der aus einer Kombination von Spurhalte- und Geschwindigkeitsassistent auch über längere Strecken das Kommando übernehmen kann und dabei den Abstand zum Vordermann ebenso hält wie die Fahrspur, automatisch abbremst und auch wieder beschleunigt. Auch der Totwinkelassistent, der per Kamera die Bilder in das volldigitale Fahrerdisplay projiziert, ist eine enorme Hilfe. Sollte der Fahrer trotzdem die Spur wechseln, bremst das System den Santa Fe entsprechend ein. Daneben sorgen der Querverkehrswarner, der Aussteige- oder der Fernlichtassistent für zusätzliche Sicherheit für Insassen und Verkehrsteilnehmer.

Eine luxuriöse Alternative

In Summe versucht der Santa Fe weiter eine luxuriöse Alternative zu den Premiumanbietern in diesem Segment zu sein. Und ganz ehrlich - das gelingt dem Koreaner ganz ausgezeichnet. Auch ohne adaptives Fahrwerk oder Luftfederung. Sein Standardfahrwerk ist so abgestimmt, dass es ausreichend Komfort bietet und die Insassen die von anderen Herstellern angebotenen Raffinessen nicht vermissen lassen. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen Tester über eine zu indirekte Lenkung klagen mussten.

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Der Hyundai Santa Fe lädt auf allen Plätzen auch auf die Langstrecke ein.

(Foto: Holger Preiss)

Ganz im Gegenteil, der Santa Fe lenkt präzise dorthin, wo es der Fahrer möchte und gibt ausreichend Rückmeldung. Und selbst wenn der Trend, alles über irgendwelche Touchscreens zu regeln, in den meisten neuen Fahrzeugen Einzug gehalten hat, macht doch die analoge Knopfflut in der Mittelkonsole hier einen riesigen Spaß. Virtuos wie der Kapitän eines Jumbos setzt der Pilot im Santa Fe Sitzheizung oder -belüftung in Gang, entfrostet die Scheiben oder steuert die Innenbelüftung. Außerdem wählt er die wichtigsten Menüs wie Navi, Radio oder Medien ebenfalls über eine Tastenleiste, um sie dann direkt über den großen TFT über der Mittelkonsole steuern zu können.

Auch die Gangwahl erfolgt per Knopfdruck in der Mittelkonsole. Das erspart einen Hebel und glättet die Optik. Zudem gefällt der Innenraum durch seine kühnen Schwünge, ein Ablagefach unter der Mittelkonsole und eins oberhalb des Handschuhfachs. Das passt sich alles so stimmig ein, dass Funktionalität und Design kaum besser harmonieren könnten. Einzig: Auch im Santa Fe sind die Flascheneinschübe in den Türinnenverkleidungen definitiv zu klein geraten. Mehr als eine 0,5-Liter-Flasche findet hier keinen Platz und die schon nur mit Mühe.

Reichlich Platz für Reisende und Gepäck

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Ob mit oder ohne dritte Sitzreihe. Der Hyundai Santa Fe bietet ausreichend Platz.

(Foto: Holger Preiss)

Ganz im Gegensatz zu den Reisenden in der zweiten Reihe. Da sich die Rückbank auch in Längsrichtung verschieben lässt und die Rücklehnen weit nach hinten geklappt werden können, genießen die Fahrgäste auf den Polstern absoluten Komfort, was Knie- und Kopffreiheit betrifft. Auf Wunsch gibt es wie gehabt eine dritte Sitzreihe, die weitere zwei Sitze offeriert. Wer dort Platz nimmt, sollte allerdings nicht zu viel erwarten und ist von der Rücksichtnahme der zweiten Reihe abhängig, will er gut über die Distanz kommen. Im Normalfall dürfte auch der Kofferraum des Santa Fe mit 634 Litern für alle Belange reichen. Wer den Siebensitzer ordert, hat immer noch 571 Liter zur Verfügung. Bei umgelegter Rückbank sind es 1704 beziehungsweise 1649 Liter. Und mit 2,5 Tonnen Anhängelast sind auch normale Zugaufgaben ohne Probleme zu erfüllen.

Wer jetzt in einen Santa Fe einsteigen möchte, bewegt sich in einer recht großen Preisspanne. Die Asketen, denen Frontantrieb, 17-Zoll-Räder und Basisausstattung reichen, gehen mit 42.900 Euro ins Rennen. Wer mit allen vieren auf die Piste geht, 20-Zöller unterschnallt und auch noch das komplette Paket an Assistenten haben will, wie im Testwagen, der benötigt mindestens 57.150 Euro. Bei dem Siebensitzer sind es jeweils 1000 Euro mehr. Viel Geld, aber gemessen an den Premiumanbietern, mit denen sich der Hyundai durchaus messen kann, wenig. Zudem bieten die Koreaner für ihre Fahrzeuge fünf Jahre Garantie, was durchaus zu bedenken ist.

DatenblattHyundai Santa Fe 2.2 CRDi AWD
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,79 m/ 2,17 m/ 1,68 m
Radstand2,76 m
Leergewicht (DIN)1981 kg
Anhängelast2500 kg
Sitzplätze7
EmissionsklasseEU 6d
Motor/HubraumR4-Turbodiesel mit 2151 ccm Hubraum
GetriebeAchtgang-Doppelkupplungsgetriebe
Leistung202 PS (148 kW) bei 3800 U/min
KraftstoffartDiesel
Kofferraum (7-Sitzer) 634-1704 (571-1649) Liter
Höchstgeschwindigkeit202 km/h
max. Drehmoment440 Nm bei 1750 - 2750 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h9,0 s
Normverbrauch (kombiniert) WLTP6,9 l
Testverbrauch9,0 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
166 - 181 g/km
Grundpreis44.900 Euro
Preis des Testwagens57.150 Euro

Fazit: Der Hyundai Santa Fe dürfte der Letzte sein, der mit einem recht gefälligen Design auf den Markt fährt. In Zukunft wird wohl auch hier Kante gezeigt. Insofern hat, wer sich jetzt für den Koreaner entscheidet, ein fast zeitlos schönes SUV mit einem potenten Dieselmotor, der leider nicht so sparsam ist, wie er es sein sollte. Zudem kommt ein reichhaltiges Angebot an Assistenten, eine erstklassige Bestuhlung und eine sehr ordentliche Verarbeitung. Und das alles zu einem - gemessen an der Konkurrenz - fairen Preis. Für Interessenten in diesem Segment ist der Santa Fe in jedem Fall eine Probefahrt wert.

Quelle: ntv.de

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