Praxistest

Diesel mit Fahrspaßgarantie Kia Sorento - in der vierten Auflage Premium

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Der Kia Sorento hat sich nicht nur mit seiner Länge von 4,81 Meter in eine höheres Segment eingeschlichen.

(Foto: Holger Preiss)

Kia hat mit der vierten Generation nicht nur ein schickes und enorm großes SUV an den Start gebracht, sondern auch eins, das mit einer üppigen Ausstattung daherkommt. Fahrspaß bereitet vor allem der Diesel, der sich einmal mehr für die Langstrecke empfiehlt - und das für unter 50.000 Euro.

Mit der vierten Auflage des Sorento hat Kia nicht nur ein mächtiges, sondern auch durchaus schnittiges SUV an den Start gebracht. Mit seinen 4,81 Metern Länge liegt der Koreaner nur 11 Zentimeter unter einem Mercedes GLE oder einem BMW X5. Warum die beiden Premiumhersteller hier ins Feld geführt werden? Nun, weil es die Koreaner mit dem neuen Sorento tatsächlich geschafft haben, eine echte Alternative zu den beiden Edel-SUV auf die Räder zu stellen.

Ein Diesel zum Verlieben

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Das Heck des Kia Sorento erinnert ein wenig an SUV aus US-amerikanischer Produktion.

(Foto: Holger Preiss)

Das liegt natürlich nicht nur an der schieren Größe, sondern ist dem Gesamtpaket geschuldet, das Kia mit dem Sorento geschnürt hat. Zum Test bei ntv.de trat der 2.2 CRDi AWD an. Also der nagelneue Vierzylinder-Diesel mit 202 PS und 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, das das maximale Drehmoment von 440 Newtonmetern butterweich an alle vier Räder weiterreicht. Und tatsächlich hat diese Gesamtkombination beim Autor dieser Zeilen für echte Begeisterung gesorgt. Nach etlichen Tests mit Plug-in-Hybriden, die ihre Nennleistung verloren, wenn der Akku leer war, gab es bei dem bärenstarken Diesel im Sorento kein Vertun.

Die 67 Liter Diesel im Tank reichten für mehr als 800 Kilometer am Stück und die Leistungswerte in Form des neunsekündigen Standardsprints auf Tempo 100 blieb ebenso erhalten wie die im Datenblatt vermerkte Höchstgeschwindigkeit von 202 km/h. Die erreicht der Zweitonner problemlos, wobei die angenehmste Reisegeschwindigkeit auf offener Strecke bei 170 km/h lag. Dank eines sehr gut abgeschirmten Innenraums surrt der große Koreaner auch hier nur leise vor sich hin. Und tatsächlich darf, wer so beseelt unterwegs ist, sich auch noch über einen recht kommoden Verbrauch freuen. Der liegt nämlich bei flotter Fahrweise im Schnitt bei 8,5 Litern.

Der kann auch ins Grobe

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Der Innenraum des Kia Sorento zeigt sich hochmodern und ist bestens verarbeitet.

(Foto: Holger Preiss)

Bei den oben genannten Leistungsdaten soll natürlich auch der Fahrspaß in dem koreanischen Riesen nicht zu kurz kommen. Dafür sorgt neben einer wirklich direkt arbeitenden Lenkung mit guter Rückmeldung auch ein Fahrwerk, das, obgleich es auf elektronische Helfer verzichtet, so gut abgestimmt ist, dass es flotte Kurvenfahrten ohne übermäßige Wankbewegungen ebenso zulässt wie das Überrollen von groben Unebenheiten. Und dabei kann es dem Fahrer eines Diesels mit Allradantrieb auch völlig schnuppe sein, ob es sich um Matsch, Schnee oder sandigen Untergrund handelt. Mit dem "All-Terrain-Mode", der über einen Drück-Dreh-Steller in der Mittelkonsole vorgewählt werden kann, schob sich der Testwagen souverän über jedes Geläuf.

Für steile Bergabfahrten gibt es natürlich auch eine Downhill-Control, die für den sicheren Abgang ohne das Zutun des Fahrers sorgt. Nun weiß man natürlich auch bei Kia, dass die Hauptwege für den Sorento-Fahrer über asphaltierte Straßen gehen. Dafür gibt es die Fahrmodi Comfort, Sport und Smart, die vor allem Lenkung, Gaskennlinie und Schaltzeiten der Achtgang-Automatik anpassen. Grund zur Klage gibt es auch hier nicht, denn die Elektronik verteilt die Kraft über alle Stufen auf sehr angenehme Weise.

Sporttaste für den, den der Hafer sticht

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In der Seitenansicht spielt der Kia Sorento seine ganze Größe aus. Die 19-Zoll-Räder gibt es aber erst in einer höheren Ausstattungsvariante.

(Foto: Holger Preiss)

Wer es wissen will oder wen der Hafer sticht, der kann natürlich auch über die Schaltwippen am Lenkrad selbständig für die Kraftverteilung sorgen. Im Zusammenspiel mit der sich verändernden Darstellung des volldigitalen Kombiinstruments mit seinem 31,2 Zentimeter großen Bildschirm wird der Fahrer dann schon ein bisschen zum Piloten eines Sportwagens. Dafür sorgen dann auch die fantastischen Sitzmöbel im Kia, die sowohl ausreichend Halt in der Kurve bieten als auch die rückwärtigen Dienste auf der Langstrecke verwöhnen.

Jetzt wird der kritische Leser anmerken, dass man das alles doch auch in einem umweltfreundlichen Hybrid oder besser noch Plug-in-Hybrid (PHEV) haben kann. Ja, das Mobiliar kann man auch in diesen Fahrzeugen haben, aber diese dauerhaft ehrliche Art der Fortbewegung eben nicht. Die Systemleistung des PHEV wird mit 265 PS angegeben. Die sind aber nur abrufbar, wenn der 13,8 kWh starke und 139 Kilogramm schwere Akku genügend Saft hat. Ist der Stromspeicher leer, wird der Fahrer auf die 195 PS des 1,6 Liter großen Vierzylinder-Benziners zurückgeworfen. Und das ist laut Datenblatt nach 54 Kilometern rein elektrischer Fahrt so weit. Danach dürfte es mit den verbleibenden 180 PS und einem maximalen Drehmoment von 265 Newtonmetern schwer werden, die 2,13 Tonnen freudvoll anzuschieben. Auch die Höchstgeschwindigkeit von 193 km/h dürfte nur noch mit sehr viel Anlauf zu erreichen sein.

Wer Platz sucht, findet ihn im Sorento

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Wer im Kia Sorento die Rückbank umlegt, erhält einen maximalen Stauraum von 2100 Liter.n.

(Foto: Holger Preiss)

Aber auch Platzsuchende dürften im Sorento mit Diesel mehr Raum finden als im Plug-in-Hybriden. Statt der dort immer noch gigantischen 898 Liter findet man im Selbstzünder bei aufrechter zweiter Sitzreihe sogar 910 Liter Stauraum. Möglich wird dieses Volumen, weil Kia den Sorento mit einer im Verhältnis 40 zu 60 in Längsrichtung verschiebbaren Rückbank versehen hat.

Stehen die Sitze ganz hinten, haben die Passagiere eine gigantische Kniefreiheit und der Kofferraum misst immer noch 693 (PHEV) und 705 Liter im Diesel. Ist die Fläche plan, erweitert sich das Volumen auf 2077 respektive 2100 Liter. Bei so viel Platz gibt es natürlich auch die Möglichkeit, eine dritte Sitzreihe für zusätzlich 990 Euro zu ordern. Auch was das Aufkommen an Staufächern betrifft, kann beim Sorento eigentlich nur an einer Stelle gemeckert werden: die Einschubfächer in den Türinnentaschen auf den vorderen Plätzen taugen nicht für 1,0-Liter-PET-Flaschen. Dafür haben die Ingenieure für reichlich USB-Ladeanschlüsse gesorgt. Für die Fondpassagiere gibt es gleich drei. Zwei davon befinden sich jeweils an der Seite der Sitzlehne des Vordermanns.

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Über die Sitzgelegenheiten im Kia Sorento kann weder in der ersten noch in der zweiten Reihe etwas Schlechtes gesagt werden.

(Foto: Holger Preiss)

Was nicht besprochen wurde, aber ein wesentlicher Kaufgrund für ein Fahrzeug ist, ist der Preis. In der Einstiegsvariante, die bei Kia Edition 7 heißt, kostet der Selbstzünder mit Allradantrieb bei 47.290 Euro, der Plug-in-Hybrid startet hier übrigens mit 53.940 Euro. In beiden Fällen ist bereits die Basis extrem gut ausgestattet. Dazu gehört das digitale Kombiinstrument, die zu verschiebende zweite Sitzreihe, elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel, Dämmerungssensor, Frontkollisionswarner mit Abbiegefunktion und eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage mit Stauassistent. Vor allem letztgenanntes Feature verrichtete im Praxistest einen ausgezeichneten Job.

Wer diese Funktionen noch erweitert wissen möchte in Form eines Autobahnassistenten, mit adaptivem Lenkeingriff und einer navibasierten Geschwindigkeitsregelanlage, der greift zur mindestens 51.290 Euro teuren Dieselvariante oder zahlt 57.940 Euro für den Plug-in-Hybrid. Bei dem natürlich jeweils noch die Umweltprämie von Händler und Bundesregierung abgezogen werden muss. Ach so, ein echter Knaller im Funktionen-Portfolio ist übrigens der aktive Totwinkelassistent mit Monitoranzeige. Mithilfe der Seitenkameras wird in dem jeweiligen Rundinstrument, in dessen Richtung der Blinker gesetzt wurde, das Bild der Kamera eingeblendet. So kann wirklich kein Rad- oder Motorradfahrer mehr übersehen werden.

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Der Totwinkelassistent mit Monitoranzeige ist so momentan nur noch im Hyundai Nexo zu finden.

(Foto: Holger Preiss)

Doch wie man es dreht und wendet, für viele Menschen ist bereits unter 50.000 Euro die Schmerzgrenze für einen Neuwagen erreicht. Doch um den Preis für den Kia zu relativieren, wurden am Anfang die Premium-SUV angeführt, die sich in Form des GLE oder X5 bei einem Basispreis von gut 70.000 Euro bewegen und da sind die hier in der Edition 7 genannten Zugaben noch gar nicht eingepreist. Und selbst ein nur 4,70 Meter langer Skoda Kodiaq liegt bei gleicher Motorisierung, aber weniger Ausstattung bei 43.960 Euro. Hinzu kommt beim Kia dann auch noch die Garantie von sieben Jahren.

DatenblattKia Sorento 2.2 CRDi AWD
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,81 m/ 2,17 m/ 1,70 m
Radstand2,81 m
Leergewicht (DIN)1981 kg
Anhängelast2500 kg
Sitzplätze5
EmissionsklasseEU 6d
Motor/HubraumR4-Turbodiesel mit 2151 ccm Hubraum
GetriebeAchtgang-Doppelkupplungsgetriebe
Leistung202 PS (148 kW) bei 3800 U/min
KraftstoffartDiesel
Kofferraum705/920 - 2100 Liter
Höchstgeschwindigkeit202 km/h
max. Drehmoment440 Nm bei 1750 - 2750 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h9,0 s
Normverbrauch (kombiniert) WLTP6,0 -5,7 l
Testverbrauch8,0 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
158 - 150 g/km
Grundpreis47.290 Euro
Preis des Testwagens51.290 Euro

Fazit: Mit dem Sorento hat Kia ein in sich geschlossenes Paket geschnürt, das in allen Belangen durchaus attraktiv ist. Vor allem der Diesel macht hier eine ausgezeichnete Figur. Er überzeugt nicht nur mit seinem neuen Treibsatz, sondern auch mit einer verdammt gut arbeitenden 8-Gang-Automatik. Hinzu kommt im Sorento das in dieser Klasse wohl beste Platzangebot, eine Zahl neuer und gut arbeitender Assistenten sowie eine gehörige Portion Fahrspaß. Wer über die Anschaffung eines SUV in dieser Größe nachdenkt, sollte dem Kia unbedingt bei einer Probefahrt eine Chance geben.

Quelle: ntv.de