Praxistest

Tschechen im Generationenkampf Ist der neue Octavia wirklich besser?

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Der Octavia II sieht neben seinem neuen Kollegen aus Mlada Boleslav nicht wirklich alt aus.

(Foto: Holger Preiss)

Der Skoda Octavia ist ein Bestseller. Seit 2013 ist die dritte Generation auf dem Markt, mit neuen Features, "grünen" Motoren und einem dynamischen Gesicht. Aber kann das alles den Vorgänger, den Ocatvia II, in einem Vergleichstest schlagen?

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In der Summe der Veränderungen wirkt der Octavia III doch etwas dynamischer.

(Foto: Holger Preiss)

Der Skoda Octavia ist seit Jahren ein Verkaufsschlager. Mit VW-Technik bestückt, in ein schlichtes und zeitloses Kleid gepackt, hat er inzwischen, so will es jedenfalls scheinen, wenn man das Straßenbild betrachtet, mehr Fans gefunden als die im gleichen Segment fahrenden Autos des Mutterhauses. Seit vergangenem Jahr ist nun die dritte Generation des beliebten Tschechen unterwegs. Doch ist der Neue tatsächlich besser als sein Vorgänger? Um das herauszufinden, werden zwei Fahrzeuge in einem Test gegeneinandergestellt: der Octavia Combi II mit einem 1,4 Liter TSI Benzinmotor mit einer Leistung von 122 PS und der Octavia Combi III Green Tec, der mit Start-Stopp-Automatik, einem 1,2 Liter TSI und 105 PS an den Start geht.

Die Maschine machts

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Im Octavia III (oben) ist alles etwas größer und moderner. Das Schlichte steht ihm aber auch.

(Foto: Holger Preiss)

Neben den optischen Veränderungen liegt hier auch schon einer der entscheidenden Unterschiede. Das Green-Tec-Triebwerk soll dank des kleineren Hubraums und Turboaufladung spritzig und sparsam sein. Über die Elastizität muss an dieser Stelle allerdings gemeckert werden. Wer mit dem kleinen Benziner flott von der Stelle kommen will, der sollte sich vom Start weg im Drehzahlbereich ab 2000 Umdrehungen bewegen und die wie schon beim Octavia II ausgezeichnet durch die Gassen zu führende Schaltung fleißig über alle sechs Gänge bewegen. Andernfalls droht ein Turboloch, das gigantische Ausmaße zu haben scheint. Wer beim Ampelstart im Bereich der empfohlenen 1300 Umdrehungen schaltet, muss trotz durchgetretenem Gaspedal eine gefühlte Ewigkeit warten, eh der Tscheche in die Puschen kommt. Anders gibt sich da der knapp 35.000 Kilometer gelaufene 1,4er. Spontan ansprechend zieht er sich, 200 Newtonmeter auf die Vorderachse werfend, flott aus dem Drehzahlkeller heraus und vermittelt dem Piloten das Gefühl, nicht 122 PS, sondern mindestens 150 PS unter der Haube zu haben.

Der Leistungsunterschied wird auch in der Endgeschwindigkeit deutlich. Während der Octavia II souverän an die 200 km/h-Marke fliegt, fängt die Nummer III bereits bei 180 km/h an zu schwächeln. Natürlich zieht er sich bis an die angegebene Höchstgeschwindigkeit von Tempo 193. Spritzig geht aber anders. Seinen Vorteil spielt der Green Tec dann im Verbrauch aus. Während der alte 1,4-Liter Motor im Durchschnitt 7,5 Liter auf 100 Kilometern verbrennt, begnügt sich sein Gegenspieler mit 6,8 Litern. Richtig deutlich wird der Vorteil hier, wenn beide auf den freien Strecken deutscher Autobahnen getreten werden. Der Oldie zog im schnellen Lauf knapp 11 Liter aus dem Tank, während sich der Neue mit ordentlichen 8,3 Litern Super aus seinem 50 Liter fassenden Spritbehälter begnügte. Allerdings muss zur Ehrenrettung des 1,4 TSI gesagt werden, dass bei angemessener Fahrweise auch hier mit einer Tankfüllung von 55 Litern über 900 Kilometer bewältigt werden können, was auf einer Urlaubstour durch Italien vor drei Jahren verifiziert wurde. Leider erfüllt auch der 1,2 TSI Green Tec, wie sein Kollege, nur die EU5-Norm.

Der Unterschied auf der Querfuge

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Mehr Kofferraum gibt es im Octavia III. Hier stehen 610 gegen 590 Liter.

(Foto: Holger Preiss)

Im Fahrverhalten weichen die Kontrahenten nur marginal voneinander ab. Klar, der Radstand des Octavia III ist im Vergleich zum Vorgänger um 11 Zentimeter gewachsen und auch die Spurbreite gewann 4,5 Zentimeter hinzu. Im Kurvenverhalten macht sich das aber kaum bemerkbar. Deutlich ausgewogener stellt sich das Fahrverhalten des neuen Tschechen bei kurz aufeinander folgenden Querfugen dar. Während sich der Alte gerade über die Vorderachse unangenehm aufschaukelt, geht es mit dem neuen Fahrwerk souverän darüber hinweg. Auf schlechten Straßen und Kopfsteinpflaster ist der Octavia II hingegen etwas ausgewogener und einen Tick komfortabler, weil nicht ganz so straff abgestimmt.

Gewinner ist der neue Octavia beim Platzangebot. Statt 590 Litern Kofferraumvolumen gibt es jetzt 610 Liter. Die Simply-Clever-Lösungen wie den doppelten Ladeboden und die 12-Volt-Steckdose gab es damals schon, aber statt der zwei Klapphaken zum Vertäuen des Gepäcks sind es jetzt vier und die Rückenlehnen können für 80 Euro Aufpreis über ein Zugsystem aus dem Kofferraum umgelegt werden. Auch den Eiskratzer im Tankdeckel gab es seinerzeit noch nicht. Dafür mag man streiten, ob die zwei seitlich angebrachten und verschließbaren Staufächer nicht für mehr Ordnung sorgen als die im Octavia III offenen Flächen mit Zurrriemen.

Wer auf der Rückbank des neuen Tschechen Platz nimmt, wird sich über ordentlich Beinfreiheit freuen. Das ist selbstredend ein wenig mehr als im Octavia II, macht sich aber erst so richtig bemerkbar, wenn Kindersitze in der zweiten Reihe verankert und auch besetzt werden. Für den Piloten und seinen Begleitung hat sich kaum etwas geändert. Beide nehmen, wie schon im Vorgänger, auf angenehm straffen Sitzen platz. Der Mangel hier ist allerdings, dass die Seitenwangen der Sitzfläche etwas zu weich sind und der Stoff über die Jahre beim Ein- und Aussteigen an der Plastverschalung abgewetzt wird. Das dürfte bei den neuen Polstern nicht mehr passieren. Dafür haben die den Nachteil, dass die Wangen an der Rückenlehne zu weit gespreizt wurden und das angenehme Gefühl, in einem Sportsitz zu thronen, verloren gegangen ist.

Was neu ist, kostet Geld

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Wer sich in die zweite Reihe setzt, muss weder im alten noch im neuen Octavia über Raumangst klagen.

(Foto: Holger Preiss)

Was das Zurechtfinden und die Bedienung betrifft, ist sie bei beiden Modellen identisch. Optisch in einem aufgefrischten Interieur beheimatet, bleiben Tasten und Knöpfe aber an ihren schon im Vorgänger angedachten Plätzen. Der entscheidende Unterschied beider Modelle besteht letztlich aber in den verfügbaren technischen Features. Weder ein Parkassistent, der den Octavia längs als auch quer zur Fahrbahn in die Parkboxen zirkelt, noch ein 8 Zoll großer Touchscreen waren damals verfügbar. Auch eine Bluetooth-Anbindung oder ein USB-Port sind seinerzeit nicht angeboten worden. Im Gegensatz zum Radio Swing verfügt die neue Einheit, die sich Columbus nennt, zudem über ein Navi, Radioempfang über DAB+ und eine Freisprecheinrichtung für das Telefon. Allerdings gibt es das nicht zum Nulltarif: Allein das Infotainmentsystem schlägt mit 2060 Euro zu Buche und für den Parklenkassistenten müssen 570 Euro bereitgestellt werden. Auch der wirklich komfortable schlüssellose Zugang mit Start-Stopp-System kostet 390 Euro extra. Dafür ist die Klimaautomatik in der Ausstattungslinie Elegance Serie. Wählt man aber die darunter angesiedelte Ambition, die auch der Octavia II hat, dann werden hier noch einmal 470 Euro fällig.

Fazit: Vergleicht man an dieser Stelle die Preise, mussten 2009 für den Octavia II in der Ausstattungslinie Ambition mit seinem 1,4 Liter TSI knapp 23.500 Euro bezahlt werden. Der Octavia III bringt es als 1,2 TSI Green Tec in der Ausstattung Elegance mit allen Zusatzfeatures auf 30.182,90 Euro. Das ist ein gewaltiger Sprung, bei dem sich die Frage stellt, ob der im Gesamtpaket und den daraus resultierenden Unterschieden zu rechtfertigen ist. Wer sich heute für einen Octavia II wie oben beschrieben entscheidet, zahlt etwa 12.500 Euro für einen gepflegten Zeitgenossen. Klar, wer Wert auf die vielen kleinen und wirklich nützlichen Neuerungen legt, der muss sich den Octavia III zulegen. Letztlich ist die Anschaffung eines neuen Octavia auch eine Investition in die Zukunft. Denn der Tscheche zählt zu den wertstabilsten Autos in Deutschland.

DATENBLATTSkoda Octavia III Combi 1,2 TSI Green Tec EleganceSkoda Octavia II Combi 1,4 TSI Ambition
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,65 / 1,81 / 1,45m4,57 / 1,77 / 1,45
Leergewicht (DIN)1252 kg1340 kg
Sitzplätze55
Ladevolumen610 / 1740 Liter590/ 1620 Liter
MotorReihen-Vierzylinder mit 1197 ccm HubraumReihen-Vierzylinder mit 1390 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang-Handschalter6-Gang-Handschalter
Leistung77 kW / 105 PS bei 5000 U/min90 kW /122PS bei 5000 U/min
KraftstoffartBenzinBenzin
AntriebVorderradantriebVorderradantrieb
Höchstgeschwindigkeit193 km/h202 km/h
max. Drehmoment175 Nm 1400 - 4000 U/min200 Nm bei 1500 - 4000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h10,5 s9,8 s
Normverbrauch (innerorts, außerorts, kombiniert)6,0 / 4,5 / 5,1 l8,5 / 5,0 / 6,3 l
Testverbrauch6,8 l7,5 l
Tankinhalt50 l55 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
117 g/km148 g/km
EmissionsklasseEU5EU5
Grundpreis22.390 Euroehem. 21.590 Euro
Preis des Testwagens30.182 Euroehem. 23.500 Euro

Quelle: ntv.de