Infografik

Lichtblicke in der Corona-Krise 62 Regionen leuchten unter der "Obergrenze"

Die Anstrengungen scheinen sich zu lohnen: Die Coronavirus-Zahlen schwächen sich ab, die Deutschland-Karte beginnt sich Anfang Februar ungewohnt zu verfärben. Noch sind die Erfolge sehr ungleich verteilt. Wo bestehen die besten Aussichten für Lockerungen?

Die Wucht der Corona-Krise verliert an Kraft: In Deutschland schreitet die Eindämmung der Ansteckungswelle voran. Nach mehr als 13 Wochen unter stufenweise verschärften Einschränkungen sind vielerorts bereits eindeutige Fortschritte erkennbar. Das Fallaufkommen geht teils deutlich zurück. Die Zahl der Regionen mit sinkender Sieben-Tage-Inzidenz nimmt von Tag zu Tag zu.

Aktuell bewegen sich in Deutschland bereits 62 Städte und Landkreise unterhalb der sogenannten "Obergrenze", wie aus den Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Das Limit geht ursprünglich auf eine Bund-Länder-Entscheidung aus dem Frühjahr zurück und ist für die Debatte um etwaige Lockerungen der bestehenden Corona-Auflagen von entscheidender Bedeutung.

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Definiert ist diese Obergrenze als Schwellenwert von maximal 50 Neuinfektionen binnen sieben Tagen je 100.000 Einwohner. Unterhalb dieser Marke, heißt es, bestehen für die Gesundheitsämter wieder realistischere Chancen, die für die Bewältigung des Ansteckungsgeschehens entscheidende Fallnachverfolgung stemmen zu können. Während des Winters war den Behörden die Kontrolle hier weitgehend entglitten: In der überwiegenden Mehrheit der Infektionsfälle blieb vollkommen unklar, wie und wo genau sich die Betroffenen angesteckt haben könnten.

"... dann wird es besser werden"

Deutschland kommt voran, viel geschafft ist allerdings noch nicht. Derzeit weisen noch 350 Kreise ein Fallaufkommen von mehr als 50 aktuellen Neuinfektionen auf. Das sind zwar 16 Regionen weniger als am Vortag, bis zur Einführung flächendeckender Lockerungen scheint es aber noch ein sehr weiter Weg. Bundesweit ist die Sieben-Tage-Inzidenz zuletzt auf einen Wert von 82,9 gefallen.

"Das ist eine gute Leistung, da waren wir lange nicht", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem TV-Auftritt am Vorabend mit Blick auf die Zahlen. "Aber damit haben wir noch nicht wieder die Kontrolle über das Virus durch die Gesundheitsämter." Daran müsse weiter gearbeitet werden, forderte sie. Lockerungen werde es nicht erst geben, wenn alle Bürger geimpft seien. "Das ist nicht der Weg, den wir anstreben." Die Kanzlerin rief die Öffentlichkeit auf, dem Virus weiter so wenige Gelegenheiten zur Ansteckung wie möglich zu geben. "Wenn wir das noch eine Weile durchhalten, dann wird es besser werden."

Wie umfangreich die Eindämmungserfolge in den deutschen Regionen sind, lässt sich am Vergleich mit den bisherigen Höchstwerten ablesen: Zeitweise lag die Sieben-Tage-Inzidenz in 409 der insgesamt 412 deutschen Regionen über dem von der Politik geforderten Limit. Erreicht worden war dieses Maximum erst vor dreieinhalb Wochen, am 11. Januar.

Masse der Regionen noch im roten Bereich

Vor einer Woche lagen noch 380 Regionen über der Alarmschwelle. Gravierende Folgen löste das vor Ort aber meist nicht aus: Das Überschreiten der Obergrenze war spätestens ab November so alltäglich, dass lokale Gegenmaßnahmen kaum noch diskutiert wurden. Die Auflagen wurden, wenn überhaupt, meist nur in Details nachjustiert. Energische Bemühungen gab es selbst in Regionen mit dauerhaft erhöhtem Fallaufkommen nicht. Lediglich in sogenannten Super-Hotspots mit Inzidenzwerten über 300 oder gar 500 wurden vereinzelt drastische Maßnahmen ergriffen.

In der Masse der tiefrot gefärbten Regionen blieb es dagegen bei landesweit verhängten Auflagen. Dabei hatten Bund und Länder in ihrem Beschluss vom 6. Mai eigentlich verbindlich vereinbart, dass ab einer Zahl von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage "sofort" ein "konsequentes Beschränkungskonzept" unter Aufsicht der zuständigen Landesbehörden umgesetzt werden müsse. Davon war über Wochen und Monate hinweg freilich wenig zu sehen - selbst in Regionen, in denen das Fallaufkommen dauerhaft über der Obergrenze lag.

Stattdessen zogen Landespolitiker und der Bund neue Schwellenwerte. Beim Corona-Krisengipfel vom 5. Januar zum Beispiel wurden neue "harte, aber notwendige Maßnahmen" beschlossen. Ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 200 wurde dabei die "Möglichkeit" geschaffen, den Bewegungsradius der Bevölkerung betroffener Regionen auf 15 Kilometer um den jeweiligen Wohnort einzuschränken.

Quelle: ntv.de