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Lockerungen wären zu früh Drosten: Impfungen bringen bis Ostern wenig

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Virologe Drosten berät Bund und Länder in der Corona-Pandemie.

(Foto: REUTERS)

Die Impfkampagne läuft an, doch sie läuft noch schleppend. Auch wenn Virologe Drosten von der Menge der zu erwartenden Vakzindosen "sehr positiv überrascht" ist, dämpft er Hoffnungen auf einen raschen Effekt. Ein schnelles Lockern der Maßnahmen hielte er daher für fatal.

Eine Woche vor den nächsten Bund-Länder-Beratungen über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie hat der Virologe Christian Drosten erneut eindringlich vor zu frühen Lockerungen der Beschränkungen gewarnt. "Für die Zeit bis Ostern können wir noch nicht viel an Bevölkerungsschutz durch die Impfung erwarten", sagte der Charité-Wissenschaftler in seinem NDR-Podcast "Coronavirus-Update".

Am Mittwoch kommender Woche wollen Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten darüber entscheiden, ob der zunächst bis 14. Februar befristete Lockdown verlängert wird. Mehrere Ministerpräsidenten hatten bereits angedeutet, dass Lockerungen nicht zu erwarten sind. Auch Merkel lehnt das ab. Sie bitte alle Menschen, "noch eine Weile durchzuhalten", sagte die CDU-Politikerin in der ARD-Sendung "Farbe bekennen".

Virologe Drosten sagte, auch wenn durch die Impfungen die Sterblichkeit sinke, bleibe das Verringern der Fallzahlen für ihn essenziell. Wo und wie schnell man lockere, müsse man genau prüfen. Es gebe "einen großen Grund zur Sorge". Drosten sprach von einem Szenario, in dem es zu zahlreichen schweren Krankheitsverläufen in der mehr als 23 Millionen Menschen umfassenden Gruppe der 40- bis 60-Jährigen kommen könnte , falls zu früh gelockert würde und diese Menschen noch nicht ausreichend durch Impfungen geschützt seien. Dies könne unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems und hohen Krankenständen in Unternehmen führen.

Drosten zeigte sich über den in Aussicht gestellten Anstieg der Impfstoffdosen im Jahresverlauf "sehr positiv überrascht". "Die Situation ist viel besser, als ich das noch vor Tagen gedacht habe." Er verwies allerdings auch auf Unwägbarkeiten und Herausforderungen an das Impfen in der Breite. Zur Wirksamkeit der verschiedenen Präparate erklärte Drosten, dass sie alle "total gut wirksam" seien gegen schwere Verläufe. Nach Schätzungen des Gesundheitsministeriums sollen die Liefermengen bis zum Sommer deutlich anziehen.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, fordert strafrechtliche Konsequenzen für Menschen, die sich den Zugang zu einer Corona-Impfung verschaffen, ohne dass sie an der Reihe sind. Mit Blick auf die Neufassung der Impfverordnung sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Unbefriedigend ist, dass nach dem Entwurf von Jens Spahn Menschen weiterhin straflos bleiben, wenn sie sich unberechtigt eine Impfung erschleichen."

Quelle: ntv.de, jog/dpa