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RKI warnt vor zittrigem R-Wert Ansteckungsrate schwankt wieder über 1,0

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"Neue Normalität": Mit Maske und Distanz versucht Deutschland, so gut es geht zum Alltag zurückzukehren.

(Foto: dpa)

Auffällige Schwankungen in den Corona-Daten: Die beiden vom Robert-Koch-Institut ermittelten Kennzahlen zum Infektionsgeschehen laufen erneut auseinander. Der sogenannte einfache R-Wert gibt leicht nach, der eigentlich stabilere Indikator springt über die kritische Marke.

In der laufenden Coronavirus-Pandemie ist es in Deutschland in den vergangenen Tagen offenbar wieder verstärkt zu weiteren Ansteckungen mit dem Erreger gekommen. Das zumindest geht aus der Entwicklung einer der beiden Kennziffern des Robert-Koch-Instituts (RKI) zum Infektionsgeschehen hervor.

Das RKI gibt den aktuellen Stand des sogenannten 7-Tage-R vor dem Wochenende mit 1,04 an. Damit hat dieser eigentlich robuster ausgelegte Schätzwert zum Infektionsgeschehen in Deutschland zum ersten Mal seit Beginn der Veröffentlichungen überhaupt die kritische Marke von 1,0 überschritten. Bei einem R-Wert auf diesem Niveau gehen Epidemiologen davon aus, dass 100 Infizierte im Schnitt 104 weitere Personen anstecken. Erst am Vortag hatte die Kennziffer mit einem Stand von 0,99 einen Höchststand markiert.

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Ein klares Warnsignal lässt sich aus dem jüngsten Anstieg allerdings nicht ablesen, wie das RKI betont. Wiederholt hatten Deutschlands oberste Virenwächter in den vergangenen Wochen darauf hingewiesen, dass die Schätzwerte zur Infektionsrate mit allgemein niedrigeren Fallzahlen anfällig für kurzfristige Schwankungen werden. Tatsächlich waren beim einfachen R-Wert, der auf einem Vergleich von zwei Viertage-Zeiträumen beruht, zuletzt mehrfach größere Ausschläge zu beobachten.

Um diesen nervösen Bewegungen vorzubauen, hatte das RKI Mitte Mai eigens das 7-Tage-R eingeführt. Diese zweite Kennziffer zum Infektionsgeschehen stützt sich in der Berechnung auf Daten aus erweiterten Zeiträumen. Aufgrund der breiteren Datenbasis sollte dieser Schätzwert eigentlich robuster auf die erwarteten Schwankungen reagieren.

Das Problem: Mit Stand Freitag scheint der neue R-Wert in leicht abgeschwächter Form ähnlich anfällig für kurzfristige Schwankungen wie der nervösere Vorgänger. Tatsächlich scheint das 7-Tage-R die jüngsten Zitterbewegungen der einfachen Ansteckungsrate nur verzögert und leicht abgeschwächt nachzuvollziehen: Der einfache R-Wert liegt laut RKI aktuell bei 0,87 (Vortag: 0,88). Zu Wochenbeginn hatte die herkömmliche Ansteckungsrate jedoch drei Tage lang teils deutlich über 1,0 gelegen.

Beim RKI sind sich die Verantwortlichen dieses Problems offenbar bewusst. Zumindest bemüht sich das Institut entsprechend vorsichtig um eine Einordnung: "Vor dem Hintergrund der weiterhin niedrigen täglichen Fallzahlen sind die R-Werte vorsichtig und in ihrem mehrtätigen Verlauf zu interpretieren", raten die Experten.

Der aktuelle Anstieg beim 7-Tage R-Wert gebe lediglich den "über mehrere Tage erhöhten 4-Tages R-Wert der vergangenen Tage" wieder, heißt es im aktuellen Situationsbericht zur Erklärung. Im Klartext: Das RKI geht davon aus, dass die Ausschläge auf die selben kurzfristigen Faktoren zurückzuführen sind. Anlass zur Beunruhigung sieht das RKI demnach noch nicht.

Zuletzt war es in Deutschland in verschiedenen Regionen zu vereinzelten und lokal begrenzten Ausbrüchen des Erregers gekommen. Vorfälle gab es zuletzt etwa im bayerischen Landkreis Aichach-Friedberg, in Bremerhaven, im Großraum Göttingen, bei Frankfurt am Main, in Mecklenburg-Vorpommern oder auch in Dortmund. Anzeichen für überregional ansteigende Virus-Nachweise sind in den Meldedaten jedoch bislang nicht zu erkennen.

Quelle: ntv.de