Leben

Gemüse zwischen Wolkenkratzern Essbare Inseln erobern die Stadt

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Die Gemüseheldinnen Laura Setzer und Juliane Ranck mit reicher Ernte.

(Foto: GemüseheldInnen)

In Frankfurt gärtnern die "GemüseheldInnen" gegen die Klimakrise an und möchten möglichst viele Menschen mit Selbstangebautem versorgen. "Urban Gardening"-Projekte wie dieses boomen. Und sogar in den eigenen vier Wänden kann geerntet werden.

Immer mehr Städter haben Freude daran, mit den Händen in der Erde zu wühlen, Unkraut zu jäten, zu sehen, wie aus Samen Pflanzen werden und am Ende selbst angebautes Gemüse auf dem Teller liegt. Die Corona-Pandemie hat den Trend noch verstärkt und es gibt die unterschiedlichsten Konzepte. So sind beispielsweise Schrebergärten so beliebt wie nie und Landwirte vermieten am Stadtrand kleine Anbauflächen. Manch einem Hobbygärtner reicht auch schon eine Ecke des Balkons, um ein paar Tomaten zu züchten.

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Blick in einen der 17 "GemüseheldInnen"-Gärten in Frankfurt.

(Foto: GemüseheldInnen)

In vielen Metropolen entstehen außerdem gemeinschaftlich genutzte Stadtgärten, in denen Radieschen sprießen und Kürbisse gedeihen. So auch in Frankfurt. Dort hat Juliane Ranck zusammen mit ihrer Frau Laura Setzer die "GemüseheldInnen" gegründet. "Wir sind auf die Idee gekommen, weil wir aktiv etwas gegen die Klimakrise tun wollten", erzählt Ranck ntv.de. "Also haben wir überlegt, was wir in unserer Stadt ganz konkret machen können und sind schnell auf das Thema Ernährung gekommen, die ja einen sehr großen Anteil am globalen CO2-Ausstoß hat. Da wollten wir ansetzen."

Denn warum sollen Obst und Gemüse auf langen Transportwegen zu den Menschen kommen, wenn sie auch direkt vor Ort angebaut werden können? Bei Ranck und Setzer, die über ihre Erfahrungen das Buch "Urban Farming" geschrieben haben, steht konsequenterweise der Ertrag im Fokus, um damit möglichst viele Bürgerinnen und Bürger zu versorgen. Inzwischen gibt es in Frankfurt 17 "GemüseheldInnen"-Gärten unterschiedlicher Größe, die von etwa 250 Menschen bewirtschaftet werden. "Es ist einfach ein tolles Gemeinschaftsgefühl, das man in der Stadt so ja oft nicht mehr hat", schwärmt Ranck. Die Warteliste für Interessierte ist lang.

Permakultur - der Natur abgeschaut

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Ihre Gärten bezeichnen Ranck und ihre MitstreiterInnen als "Permakulturinseln", da sie nach dem Prinzip der Permakultur angelegt sind. Das bedeutet, dass man sich anschaut, wie natürliche Ökosysteme funktionieren und dann versucht, sie innerhalb eines Gartens für dessen ganz speziellen Standort umzusetzen. Da die Pflanzen auf den Beeten dicht an dicht stehen, kann schon auf kleinen Flächen sehr produktiv angebaut werden. Zudem wird auf Kunstdünger verzichtet und ausschließlich mit der Hand gearbeitet. "Das ist super in der Stadt, weil man viele menschliche Hände hat, die gerne mit anpacken wollen, und für Maschinen sowieso kein Platz ist. Das harmoniert einfach gut", sagt Ranck.

Einen ihrer Ursprünge hat die städtische Landwirtschaft im sogenannten "Guerilla Gardening". Der Ausdruck setzt sich aus dem spanischen Wort für "kleiner Krieg" und dem englischen Wort für "Gärtnern" zusammen. Im bankrotten New York ließen in den 1970er-Jahren viele zahlungsunfähige Hausbesitzer ihre Häuser verfallen oder abbrennen. Überall in den Straßen blieben Ruinen und Trümmerfelder zurück, die zu Müllhalden oder Dealer-Treffpunkten wurden. Das heimliche Begrünen dieser tristen Brachen entwickelte sich zu einer Form des politischen Protests. Aktivisten warfen sogenannten "Samenbomben" und verwandelten die Abrissgrundstücke in blühende Flächen. Die Idee dieses subtilen Widerstands verbreitete sich bald in der ganzen Welt. In New York gibt es inzwischen über 550 von der Stadtverwaltung unterstützte gemeinschaftlich genutzte Gärten.

Gärtnern in der Wohnung - geht das?

Weltweit stellen heute viele Städte und Gemeinden Flächen zur Verfügung, die von Bürgerinnen und Bürgern in grüne Oasen verwandelt werden. Diese kleinen Gärten Eden inmitten von Hochhäusern sind nicht nur ein Beitrag für die nachhaltige Produktion von Nahrungsmitteln und ein kleiner Schritt zur urbanen Selbstversorgung. Sie sehen auch noch schön aus und tragen zur Artenvielfalt und Luftverbesserung bei.

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Und wer seinen Speiseplan mit Selbstangebautem bereichern möchte, aber weder die Möglichkeit, sich in einem "Urban Gardening"-Projekt zu engagieren, noch einen Balkon hat? Der gärtnert einfach in der Wohnung. In ihrem Buch "Indoor-Ernte. Es geht auch einfach!" gibt Carolin Engwert Tipps, wie das gelingen kann - und mit welchen Gemüsearten.

"Geeignet ist alles, was robust ist, schnell wächst und wenig Licht braucht. Das sind Grundvoraussetzungen für den Erfolg", erklärt die Autorin im Interview mit spot on news. Besonders Blattsalate oder Blattgemüse wie Pak Choi und Mangold seien in Innenräumen gut zu züchten, aber "mein heimlicher Star ist die Süßkartoffel".

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Die Vorteile der Indoor-Ernte liegen für Engwert auf der Hand: "Frischer, als den Salat direkt in der Küche zu ernten und zuzubereiten, geht es nicht." Außerdem steigere es die Wertschätzung und man schmeiße weniger weg, "weil in Salat, Gemüse und Co. einfach Mühe steckt". Natürlich kann, wer in den eigenen vier Wänden gärtnert, nicht mit einer üppigen Ernte rechnen. Aber man werde zu einem "Entdecker der eigenen Ernährung". Und natürlich ist auch der Spaßfaktor groß.

Spaß soll auch die Arbeit der "GemüseheldInnen" in Frankfurt machen. Erstes Zwischenziel ist dort, dass sich die Mitglieder und ihre Familien von dem Ertrag tatsächlich ernähren können. Aber die Vision der "GemüseheldInnen" reicht viel weiter. "Als Nächstes planen wir einen Gemüsedachgarten", verrät Ranck. Und natürlich sollen viele weitere "Permakulturinseln" entstehen, um dem Traum einer essbaren Stadt näher zu kommen: "Im Grund stellen wir uns vor, dass die Häuser quasi zwischen Gemüse und Obst verschwinden und unten und oben alles bewachsen ist."

Quelle: ntv.de

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