Leben

In Vino Verena SOS! "Traumschiff" wird in "Titanic" umbenannt

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Die Besatzung des "Traumschiffs" braucht dringend Hilfe.

(Foto: picture alliance / ZDF Dirk Bartling)

Klabautermänner auf dem Sonnendeck, Hein Blöd am Ruder und Irrlichter am Horizont: Auf dem einstigen Lieblingsdampfer der Nation liegt einiges in Schieflage. Wird die ZDF-Kultserie "Das Traumschiff" absaufen? Unsere Kolumnistin bietet Hilfe an.

"Das ist kein bisschen gruselig - im Gegenteil!", sagte neulich mein Mann zu mir. Der kaut gerade auf der Idee eines Gruselfilms herum und fragte mich, ob ich ihm bei einer der ersten Einstellungen behilflich sein könnte. Klar, ich helfe ja gern! Ich sollte dafür nachts im Keller herumschleichen und ängstlich den Gang runterschauen. Er lachte sich kaputt und sagte einfach frech, ich würde durch jedes Schauspiel-Casting rasseln. Ich bin da natürlich überhaupt nicht seiner Meinung! Denn im Vergleich zu den Leutchen, die aktuell auf dem "Traumschiff" an der Reling rumlungern, finde ich meine schauspielerischen Qualitäten nahezu prädestiniert für eine Rolle als stellvertretende Schiffskapitänin, wenn der aktuelle Kahnboss - Florian Silbereisen - mal Grippe hat.

Liebe Leserinnen und Leser, wir müssen heute, jetzt und hier ganz dringend über das "Traumschiff" reden, auch, wenn Sie die Folge am Ostermontag verpasst haben. Ich habe neben einigen Kritikpunkten jede Menge Verbesserungsvorschläge und hoffe, hier liest irgendein Head of Wichtig vom ZDF mit.

Kurz zu meiner "Traumschiff"-Geschichte: Es gab eine Zeit in meiner Kindheit, da glotzten mein Bruder und ich alles mit, was bei uns zu Hause im Fernseher lief. Die heißen Bettszenen verfolgten wir heimlich durch die Küchen-Durchreiche. Meine Mutter schaute in den Achtzigern unheimlich gern die "Schwarzwaldklinik". Ihre Ausrede war immer, weil wir Verwandte im Schwarzwald haben. In Wahrheit war sie so ein bisschen in Sascha Hehn verknallt. Sie rechtfertigte ihre Schwärmerei damit, weil mein Vater offen sagte, er verehre Katja Ebstein.

Als Chefsteward Victor hatte Sascha Hehn also Präsenz in unserem Wohnzimmer und wann immer die Serie lief, stießen wir mit dem "Traumschiff" in See. Die Geschichten waren oft unsäglich einfach und ich habe mich früh gefragt, wer da die Drehbücher schreibt. Nach der jüngsten Sichtung des "Traumschiffs" überlege ich ernsthaft, mein schriftstellerisches Repertoire auszuweiten und auch ein Drehbuch einzureichen. Dafür hole ich meinen Kolumnisten-Kollegen Tommy "Aus der Schmoll-Ecke" und wir beide leiern uns schön einen rein und schreiben dann gemeinsam am Skript. Quasi im Vollsuff. Denn: Es kann nur besser werden!

Schnurstracks dem Eisberg entgegen

Nun muss man dieser Tage sehr vorsichtig sein, was und wen man kritisiert. Gern heißt es: "Halt du mal schön den Ball flach, du schreibst für ntv und die gehören zur RTL-Sendergruppe und im Privatfernsehen läuft auch jede Menge Tinnef!" Stimmt alles. Es geht auch nicht darum, über die Rundfunkgebühren zu pesten. Ich finde die Rundfunkgebühren nämlich gut und wichtig, aber ich denke schon, dass die Frage erlaubt sein muss, warum das "Traumschiff" nicht schon längst in "Titanic" umbenannt wurde. Denn dieser Dampfer rast schnurstracks auf einen riesigen Eisberg zu.

Neuerdings, und ich frage mich wirklich, wohin die Reise noch führen soll, heuert man für die einstige Kultserie immer mehr Personen an, die auf Social Media eine große Reichweite haben oder jemanden kennen, der jemanden kennt, der gute Verbindungen und Vitamin B im Hintern hat.

Plötzlich schlawinern da irgendwelche Models und Influencer über die Planken, als stünden die öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten unter immensem Quotendruck. Gelernte Schauspieler? Fehlanzeige. Man will sich verjüngen, einem breiteren Publikum zugänglich sein. Schon klar. Aber doch nicht, indem man irgendwelche Kassandras nicht nur am Pool oder beim Käpt'n rumlümmeln lässt, sondern ihnen auch noch Sprechrollen gibt, so laienhaft vorgetragen, dass selbst die Kartoffelschalen in der Kombüse vom Seewolf ein besseres Bild abgeben.

Mutters Schwarm, Steward Victor alias Sascha Hehn, verließ im Jahre 2018 die Crew. Begründung schon damals: Das Traumschiff ist längst abgedriftet und in Schieflage - ein tosender Sturm voller Klischees, hölzerner Dialoge und peinlichster Kitsch wüten wild und drohen den Kult-Koloss in die Tiefe zu ziehen. Schon jetzt versunken in einem Meer der Ignoranz und Borniertheit vor innovativen Ideen. Hehn selbst sagte einmal, es ginge den Machern nicht um Erfolg, sondern um kostengünstige Produktionen. "Unerträglich" sei das "Traumschiff" mittlerweile. Die Serie mag für das ZDF ein Klotz am Bein sein, das Zielpublikum: die Älteren. Aber man zieht den Kahn nicht von der Sandbank, indem man ein paar angesagte Influencer klarmacht! Wer hat da bitte die Entscheidungsgewalt? Ein Seepferdchen?

Ich will das "Traumschiff" retten!

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Die Storys: unglaubwürdig, albern und hanebüchen. Aber etwas funktioniert: das Fremdscham-Potenzial. Und das sage ich nicht, weil ich gegen das "Traumschiff" sticheln will. Ich will es doch retten! Zuletzt übte Harald Schmidt, der seit 13 Jahren als Kreuzfahrtdirektor Oskar Schifferle in der Kultserie zu sehen ist, berechtigte Kritik. Die Gastdarsteller nannte er "gut frisierte Sprechpuppen". Selbst Schlagerstar Florian Silbereisen, der seit 2019 die Rolle des "Traumschiff"-Kapitäns Max Parger mimt, nennt die Drehbücher "völlig gaga".

Hier also mein Pitch für eine neue Folge: Zwölf Fischstäbchen springen bei heftigem Seegang dem Schiffskoch aus der Pfanne und landen an Deck, auf dem Chefsteward David Hasselhoff gerade ein sich näherndes Piratenschiff erblickt. Er will Käpt'n Iglo und Spongebob Schwammkopf warnen, aber die liegen sternhagelvoll in ihren Kajüten. Und weil seine Vertretung, Käpt'n Blaubär, den Damen am Pool unbedingt weiter sein Seemannsgarn auftischt und Hein Blöd am Steuerrad eingenickt ist, übernehmen kurzerhand die Fischstäbchen das Ruder. Als Drehbuch-Autorin wäre ich natürlich auch mit an Bord und beantworte alle Ideen und Konzepte, die meine begabten Leser anbringen, stets ganz zügig per Flaschenpost. Ich bin mir sicher, wir sind schnell wieder auf Kurs. In diesem Sinne: Schiff ahoi!

Quelle: ntv.de

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