Leben

Körpergeruch und Partnerschaft Wer sich nicht riechen kann, soll's lassen

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Liebe geht durch die Nase.

(Foto: imago images/Panthermedia)

Wenn wir unser Gegenüber optisch attraktiv finden, ignorieren wir oft alle anderen Sinne. Doch wenn wir einander nicht riechen können, kann das der Liebe im Weg stehen. Unsere Kolumnistin über die Wichtigkeit des Körpergeruchs.

Die Liebesampel stand auf Grün: Ines und Andreas hatten sich knapp zwei Wochen lang online geschrieben. Die Chemie zwischen ihnen stimmte einfach. "Jackpot", dachte Ines, die gar nicht glauben konnte, einen potenziellen Traummann tatsächlich auf Tinder kennengelernt zu haben - jener Dating-Plattform, über die ihre Freundinnen immer nörgelten, wie oberflächlich es dort zuginge. Nach ersten etwas schüchternen Telefonaten unterhielten die zwei sich ganze Nächte lang. Ines war auf Wolke sieben. Alles an Andreas gefiel ihr: seine Stimme, seine Ansichten über das Leben - und dann war da natürlich auch noch diese unglaubliche Attraktivität. Der 37-jährige Designer hatte dunkles, volles Haar, ein markantes Kinn und seine Augen waren grün wie Smaragde. Beide konnten es kaum erwarten, sich das erste Mal zu treffen.

Am Tag des Dates waren sie wahnsinnig aufgeregt. Andreas hatte sich frisch rasiert und sah noch smarter aus als auf den Bildern im Netz. Und auch er war von ihrer Optik überwältigt. Die sportlichen Beine der 35-jährigen Eventmanagerin steckten in ihren Lieblingsjeans, dazu trug sie ein schlichtes Seidentop und ihr langes Haar war im Nacken zusammengeknotet. Sie hatte dezentes Make-up aufgelegt, und wenn es etwas gab, womit es beide ob ihrer Aufregung einen Tick zu gut gemeint hatten, dann war es die Menge des Parfüms. Sie trafen sich in einem kleinen Café und es dauerte nicht lange und beide standen innerlich in Flammen.

Wenn die Sinne nicht harmonieren

Die ersten Tage waren wie im Traum: Sie machten lange Spaziergänge und picknickten im Park. Ines entsprach Andreas' Ideal von der perfekten Partnerin, aber er bemerkte nach und nach, dass Ines ihn in seltsamer Manier auf Distanz hielt, während er sie am liebsten an Ort und Stelle vernascht hätte. An einem wolkenverhangenen Nachmittag gerieten beide in einen Regenguss und flüchteten unter ein Vordach. Atemlos standen sie sich schwitzend gegenüber und Ines wusste es nun genau: Sie konnte ihren Traummann nicht riechen.

Er hatte die Jacke ausgebreitet und sie an sich gezogen. Ines nahm den Geruch seiner Achsel tief in sich auf. In der Axilla nisten, genauso wie in der Lendenregion und auf der Kopfhaut, die meisten Duftdrüsen. Und das war's: So vielversprechend wie die Geschichte von Andreas und Ines begonnen hatte, so schnell fand sie ihren Schlusspunkt. Kein Happy End, obschon sich beide so gut gefielen. Aussehen ist das eine, der Geruch aber ist das tatsächlich Entscheidende bei der Partnerwahl. Bestimmt haben auch Sie schon einmal jemanden kennengelernt, den Sie toll fanden, aber partout nicht riechen konnten! Wenn die körpereigenen Gerüche zweier Menschen nicht miteinander harmonieren, bringt auch das tollste Parfüm nichts.

So beschreibt es auch der Autor Bas Kast in seinem Buch "Die Liebe und wie sich Leidenschaft erklärt": "Nicht nur das Aussehen, sondern auch der Geruch eines Menschen entscheidet darüber mit, ob wir uns in den anderen verlieben oder nicht."

"Wasch dich nicht mehr, ich komme bald zurück"

Im getragenen T-Shirt des anderen schlafen, sich auch nach dem Sport zueinander hingezogen fühlen: Das passiert, wenn wir den anderen riechen können. Gemeint ist hier übrigens nicht die Olfaktophilie, der sogenannte Geruchsfetischismus, bei dem es den anderen antörnt, an getragener Unterwäsche oder Socken zu schnuppern. Bekennende Schlüpfer-Schnüffler waren unter anderem Goethe, der ein Mieder seiner Frau stahl oder Napoléon Bonaparte, der während einer Expedition an seine Gattin Joséphine schrieb: "Wasch dich nicht mehr, ich komme bald zurück".

Die richtige Körperchemie und der eigene Geruch sind also absolute Voraussetzungen für die wahre Liebe. Wir haben 350 unterschiedliche Typen von Riechrezeptoren, mit denen wir etwa 10.000 Gerüche wahrnehmen, von denen wir wiederum gerade mal ein paar Dutzend unterscheiden können. Ein feines Rezeptorsystem für Körpersubstanzen, das sogenannte vomeronasale Organ, hilft uns quasi dabei, den Geruch des anderen in uns aufzusaugen und dann zu entscheiden, ob aus der optischen Anziehung auch mehr werden kann.

Der körpereigene Duft des anderen dringt in unser limbisches System, wo bekanntlich auch die Triebe lauern. Langfristig bringt es also nichts, den individuellen Geruch mit Parfüm zu übertünchen. Während Frauen übrigens besonders gern Männer mit hohem Testosteronspiegel riechen, ist den Herren meist das Aussehen wichtiger.

"Smells like my vagina"

Jemanden nicht riechen zu können, ist ein klares Signal des Instinkts, dass man sich den anderen auch nicht schön schnuppern kann. Biologisch gesehen bedeutet es nichts anderes, als dass die Gene von Mann und Frau gut zusammenpassen müssen, um besonders gesunde Nachkommen zu zeugen. Dem gegen übersteht: Mag man den Geruch des anderen nicht gerne, passen die Gene auch nicht zusammen.

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Vielleicht haben Sie ja sogar schon mal etwas von Pheromon-Partys gehört. Da kann man sich seinen potenziellen Partner quasi erschnuppern. Auch Pheromon-Parfüms sind keine Neuheit mehr, aber ein wahrer Verkaufsschlager, obschon Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Royal Society Open Science" längst analysiert haben, dass diese Parfüms nicht mehr betören, als der eigene Geruch es vermag.

Doch die Industrie hat ein feines Näschen für Schnupper-Produkte. Viele Firmen widmen sich ausschließlich Körperdüften. Kürzlich startete beispielsweise die Schauspielerin Gwyneth Paltrow mit ihrem Unternehmen durch. Zum Verkaufsrenner wurde eine von ihr produzierte "Vagina Candle" - eine Kerze, auf der steht: "Smells like my vagina". Trotz des amtlichen Preises von 75 Dollar war sie - Sie ahnen es gewiss - innerhalb kürzester Zeit ausverkauft.

Quelle: ntv.de