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Mit Rosenblüten wollen manche Hotels das Wohlgefühl ihrer Gäste steigern.
Mit Rosenblüten wollen manche Hotels das Wohlgefühl ihrer Gäste steigern.(Foto: imago/Westend61)
Donnerstag, 11. Mai 2017

Vertrauen stärkend: Duftstoff verändert menschliches Verhalten

Sexualduftstoffe gelten bisher nur im Reich der Tiere als wichtige Kommunikationsmittel. Doch das könnte ein Trugschluss sein. Ein blumiger Duft namens Hedion aktiviert nicht nur verschiedene Bereiche im Hirn. Es beeinflusst auch das menschliche Verhalten.

Der Mensch ist ein soziales Wesen, auch außerhalb seiner Familie. Das ist unbestritten. Ob dieses Verhalten auch eine biochemische Grundlage hat, ist bisher nur wenig untersucht. Forscher der Universitäten Bern, Bochum und Köln haben sich deshalb auf die Suche gemacht, ob der Duftstoff Hedion auf das menschliche Verhalten wirkt. Hedion ist der erste Duftstoff, dem wissenschaftlich nachgewiesen, eine Aktivierung im Gehirn von Männern und Frauen hervorruft. Die Wissenschaftler stellten fest, dass der blumige Duft die reziproke Verhaltensweise "Wie du mir, so ich dir" verstärkt.

Für ihre Untersuchungen setzten sie Probanden unter dem Einfluss des jasminartigen Duftes im Raum bestimmten Situationen aus. Die Konzentration der Duftstoffe war bei der Untersuchung so gering, dass die Studienteilnehmer sie nicht bewusst wahrnehmen konnten. Es zeigte sich, dass die Studienteilnehmer auf das Vertrauen anderer Personen mit erhöhter Vertrauenswürdigkeit reagierten. Gleichzeitig neigten die Probanden, die dem Hedion ausgesetzt waren, stärker dazu, nicht kooperative Versuchsteilnehmer zu bestrafen, als die Probanden die keinen oder einem anderen Duftstoff ausgesetzt waren. "Unsere Probandinnen und Probanden reagierten etwas freundlicher auf Freundlichkeit und etwas unfreundlicher auf unfaires Verhalten", erklärt Professor Sebastian Berger von der Universität Bern.

Pheromone auch beim Menschen wirksam?

"Die Ergebnisse könnten ein Hinweis darauf sein, dass es auch bei Menschen eine Pheromonwirkung geben könnte, die sich vom klassischen Riechen unterscheidet", kommentiert Professor Hanns Hatt von der Universität Bochum die Ergebnisse, die die Wissenschaftler nun mit weiteren Untersuchungen stützen und ausbauen wollen. Es wird dabei nicht nur um die Zusammenarbeit zwischen Riech- und Verhaltensforschern gehen.

Wichtig ist auch, natürliche Geruchsmoleküle in Körpersekreten zu identifizieren, die dem Hedion ähnlich sind und auf den Rezeptor wirken. Denn für den Nachweis menschlicher Pheromon-Kommunikation ist zunächst ein vom Menschen produzierter Duft nötig, der bei einem anderen Menschen eine spezifische, reproduzierbare Reaktion auslöst.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in der Zeitschrift "Frontiers in Behavioral Neuroscience".

Quelle: n-tv.de